Weltbank-Chef: Kampf gegen Ebola “gescheitert”

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Hunderte Soldaten wurden nach Westafrika entsendet
Hunderte Soldaten wurden nach Westafrika entsendet
Die Weltgemeinschaft ist nach Aussage des Weltbank-Präsidenten Jim Yong Kim im Kampf gegen das tödliche Ebola-Virus “kläglich gescheitert”. Nachdem die Krise nun auch Spanien und die USA betreffe, sei die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass das Virus auch andere europäische Länder erreiche, warnte Kim. Die drei am stärksten betroffenen westafrikanischen Länder sendeten indes einen Hilferuf.


Er wünsche sich die Unterstützung der westlichen Regierungen für einen neuen 20 Milliarden Dollar (15,7 Milliarden Euro) schweren Gesundheitsfonds für Notfälle, sagte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim. “Ebola war eine Bewährungsprobe und wir haben versagt. Wir sind mit unserer Reaktion kläglich gescheitert”, zitierte das der “Guardian” den Weltbank-Präsidenten.

Die Staatschefs der drei am stärksten von der Ebola-Epidemie betroffenen westafrikanischen Länder haben unterdessen einen eindringlichen Hilferuf an die Weltgemeinschaft gerichtet. “Diese Krankheit ist eine internationale Bedrohung und verdient eine internationale Antwort”, forderte Guineas Präsident Alpha Conde am Rande der Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington. Ähnlich äußerten sich die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und Sierra Leones Staatschef Ernest Bai Koroma, die über Video zu dem ranghohen Treffen zugeschaltet waren.

“Unsere Länder sind in einer sehr fragilen Situation”, sagte Conde und verlangte eine bessere Koordinierung der Hilfsbemühungen. Koroma beklagte das zu geringe Engagement der internationalen Gemeinschaft. “Zusagen auf Papier sind gut. Aber Zusagen als fassbare Fakten vor Ort sind am besten”, sagte er. Auch Sirleaf rief zu einem “rascheren und entschiedenerem” Vorgehen auf, um die Ebola-Epidemie einzudämmen.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte bei dem Treffen, dass sich die Epidemie erst noch verschlimmern werde, ehe eine Besserung möglich sei. “Die Fälle steigen exponentiell an”, sagte Ban. Der UN-Generalsekretär erklärte, dass die internationale Unterstützung für die betroffenen Länder “verzwanzigfacht” werden müsse.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in Westafrika bereits fast 3.900 Menschen an Ebola gestorben. Insgesamt infizierten sich mehr als 8.000 Patienten mit dem gefährlichen Virus. Eine am Mittwoch vorgestellten Studie der Weltbank warnt vor hohen Kosten für die Wirtschaft der Region, sollte die Epidemie nicht zügig eingedämmt werden und auf weitere Länder übergreifen. Im schlechtesten Fall könnte bis Ende 2015 ein Schaden in Höhe von insgesamt 32,6 Milliarden Dollar entstehen.

Die jüngste WHO-Bilanz zu der seit Monaten grassierenden Seuche bezieht sich auf den Zeitraum bis zum 5. Oktober. Zwei Fälle sind darin noch nicht berücksichtigt: die spanische Krankenpflegerin, deren Ansteckung am Montag – als erster Fall in Europa – bestätigt wurde, und der am Mittwoch im texanischen Bundesstaat Texas gestorbene Liberianer, bei dem das Virus erstmals außerhalb Afrikas diagnostiziert worden war.

In der spanischen Hauptstadt Madrid sind derzeit sieben Menschen aus Sorge um eine Ausbreitung des Virus unter Quarantäne. Wie die Klinik Carlos III. am Mittwochabend mitteilte, wurden drei neue Patienten unter Quarantäne gestellt, zwei Ärzte und ein Krankenpfleger. Bei letzterem seien Symptome einer möglichen Erkrankung festgestellt worden, ein Untersuchungsergebnis liege aber noch nicht vor, hieß es weiter. Das Ebola-Virus wurde in Madrid bisher nur bei der 44-jährigen Krankenschwester Teresa Romero nachgewiesen, die bereits Ende September erkrankte.

Der Zustand von Romero hat sich indes dramatisch verschlechtert, sie schwebt in akuter Lebensgefahr. Die 44-Jährige ist der erste Mensch, der sich in Europa mit dem Virus infiziert hat. Sie arbeitete in der Klinik “Carlos III.”, in der im August und September zwei spanische Missionare nach ihrer Rückkehr aus Westafrika an Ebola gestorben waren. Mit der gefährlichen Seuche infizierte sie sich ersten Erkenntnissen zufolge offenbar, weil sie beim Ablegen ihrer Schutzkleidung ihr Gesicht unbeabsichtigt mit einem womöglich infizierten Arbeitshandschuh berührte.

Mit einem Spezialflugzeug ist unterdessen Donnerstag früh ein Ebola-Patient aus Westafrika zur Behandlung nach Leipzig in Deutschland geflogen. Er befindet sich in einem extrem kritischen Zustand. Nach Angaben des sächsischen Gesundheitsministeriums handelt es sich bei dem Patienten um einen 56-jährigen UNO-Mitarbeiter aus dem Sudan. Der Mann ist der dritte Ebola-Infizierte, der zur Behandlung nach Deutschland geflogen wurde.

In Mazedonien ist indes nach Angaben aus Regierungskreisen ein Brite mit Verdacht auf Ebola gestorben. Bei einem Landsmann seien zudem Symptome der Seuche aufgetreten, hieß es am Donnerstag.

Die USA verstärken unterdessen den Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika mit der kurzfristigen Entsendung von hundert Marineinfanteristen. Die bisher in Spanien stationierten Soldaten werden nach Liberia verlegt, wie das Pentagon am Mittwoch mitteilte. Die Infanteristen sollen am Donnerstag an ihrem neuen Einsatzort eintreffen. Sie sollen dort den Nachschub unterstützen, bis andere Einheiten der US-Armee diese Aufgabe übernehmen. Bisher waren rund 350 US-Soldaten in Westafrika stationiert, um bei der Eindämmung der Epidemie zu helfen. In den kommenden Wochen soll die Truppenstärke auf bis zu 4.000 anwachsen. Die Einheiten sollen unter anderem Krankenhäuser aufbauen und die Versorgung mit Hilfsgütern sicherstellen.

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