Weltkulturerbe-Antrag verzögert sich

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Der österreichische Teil der Grenze des Römischen Imperiums, des Limes, soll zum Unesco-Weltkulturerbe werden. Der Weg dorthin gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht: Nach der Einreichung einer Tentativliste von 22 aufzunehmenden Orten am Donaulimes im Jahr 2011 arbeitet man derzeit am konkreten Antrag. Doch es spießt sich vor allem an den Denkmalschutzanforderungen der Unesco.


Denn zwar seien die “Frontiers of the Roman Empire”, also der Limes, als Gesamtmonument bereits seit 2005 Weltkulturerbe, die einzelnen Staaten müssen jedoch ihre nationalen Anträge gesondert einreichen, erklärte Andreas Schwarcz, Leiter des Instituts für Geschichte der Universität Wien bei einer Pressekonferenz am Donnerstag im Römermuseum Tulln (Niederösterreich). “Es handelt sich um das erste transnationale, serielle Weltkulturerbe”, so der Historiker.

Und diese Anträge haben es in sich: “Beim ersten Teil, der 1987 zum offiziellen Weltkulturerbe wurde, dem Hadrianswall in Großbritannien, hat noch ein Zettel gereicht”, meinte Schwarcz. So einfach sei es heute nicht mehr: Seit rund zehn Jahren beschäftige man sich nun mit dem österreichischen Antrag. Dabei sei nicht nur die Zusammenarbeit von Ländern (Wien, Niederösterreich und Oberösterreich) sowie des Bundes, vertreten durch das Kulturministerium, problematisch.

“Die Hauptschwierigkeit sind die Vorgaben der Unesco, jedem Monument angemessenen, auch rechtlich verankerten Schutz zu garantieren. Dafür ist das österreichische Denkmalschutzgesetz nicht ausreichend”, berichtete Anton Schabl, der für den planerischen Teil des Antrages verantwortlich ist. Deshalb suche man momentan “sehr intensiv” nach Möglichkeiten im Baurecht und in der Bauordnung, um diese Lücke zu schließen.

Zudem müsse auch ein Managementplan für das potenzielle Weltkulturerbe eingereicht werden, also u.a. mit jeder der betroffenen Gemeinde als Grundeigentümer eine Vereinbarung geschlossen werden – und nicht überall stoße man dabei auf dieselbe Begeisterung, erzählte Schabl. “Wir sind aber zuversichtlich, dass der Antrag, wenn alles gut geht, in den nächsten zwei bis drei Jahren fertig ist”, so Schwarcz.

In der Zwischenzeit hat man in Österreich aber weit über den nationalen Antrag hinausgedacht: Das Institut für Geschichte leitet das auf zwei Jahre vom EU-Regionalförderungsfonds finanzierte Projekt “Danube Limes Brand. Extension of the Danube Limes Unesco World Heritage in the Lower Danube”. Ziel ist es nicht nur die Einreichungen in acht Donauländern von Ungarn bis Rumänien voranzutreiben und so den Schutz der Monumente zu garantieren, sondern auch eine gemeinsame Marketing- und Tourismusstrategie zu entwickeln.

“Wir wollen diese 2.888 Kilometer lange Grenze sichtbarer machen, sowohl im Bewusstsein der Menschen vor Ort als auch der Touristen”, erklärte Projektmitarbeiterin Sonja Jilek. Neben einem gemeinsamen Aussehen soll es auch eine länderübergreifende Managementstrategie geben. Teil der Donaulimes-Marke ist etwa bereits ein Internationaler Donaulimestag, geplant seien beispielsweise außerdem Kooperationen mit den Donauparks. Auch Deutschland und die Niederlande, nicht Teil des ursprünglichen Projekts, wollen sich dieser Kooperation anschließen.

Während man auf den Segen der Unesco wartet, sind einzelne österreichische Orte nicht untätig geblieben: In Zeiselmauer (Niederösterreich) hat sich der Verein “Freunde von Zeiselmauer” nicht nur um die Aufstellung von Tafeln zu einem “Römerrundgang”, sondern auch um eine Führung per QR-Code, Veranstaltungen und die spezielle Beleuchtung der noch vorhandenen Mauer- und Kastellreste bemüht.

Trotzdem blickt man dem offiziellen Weltkulturerbe-Status freudig entgegen: “Dann haben wir einen Aufhänger, mit dem wir noch viel mehr machen können”, erklärte Dieter Jauschowetz, Mitglied des Vereins. Er erhofft sich durch das gemeinsame Auftreten vor allem einen touristischen Aufschwung.

Beim Limes – gemeint sind die großteils mit Kastellen und Mauern befestigten Grenzen des römischen Imperiums in seiner größten Ausdehnung – handelt es sich laut Schwarcz um “das größte menschliche Denkmal des Planeten abgesehen von der chinesischen Mauer”. Er erstreckt sich über eine Länge von maximal 7.500 Kilometern und verläuft durch 20 Länder bzw. drei Kontinente.

Drei Abschnitte des Limes sind bereits Weltkulturerbe: Der Hadrianswall in Großbritannien (1987), der obergermanisch-rätische Limes in Deutschland (2005) sowie der Antoninuswall in Schottland (2008). In Österreich sind unter anderem Zwentendorf, Traismauer, Carnuntum, Tulln und Zeiselmauer auf der Liste für die geplante Einreichung. Geschützt werden sollen dabei sowohl sichtbare Monumente wie erhaltene Türme als auch unterirdische Anlagen.

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