Wenig Jubel für “Idomeneo” an der Staatsoper

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Routine statt Revolution
Routine statt Revolution
Weniger als ein Jahr nach dem von Damiano Michieletto entschieden ins Heute geholten “Idomeneo” im Theater an der Wien gibt es eine Neuinszenierung der Mozart-Oper in Wien: Der dänische Regisseur Kasper Holten hat einen schicksalsschweren, dunklen Abend inszeniert, und keineswegs hell war am Sonntag die Freude beim Premierenpublikum: Nach dreieinhalb Stunden hielt sich der Jubel in Grenzen.


Holten, selbst als Operndirektor in Covent Garden mit den Notwendigkeiten eines Repertoire-Hauses vertraut, hatte keine modische, sondern eine haltbare Produktion versprochen. Tatsächlich sah der Abend schon bei der Premiere keineswegs frisch aus. Die Inszenierung des 41-Jährigen wirkt wie aus der Zeit gefallen, abgeklärt und ewigkeitsgültig. Holten konzentriert sich auf die inneren psychologischen Dramen der vier Protagonisten und nimmt in Kauf, dass das Bühnengeschehen immer wieder statisch bis zum Stillstand wird.

Bedeutend mehr Schwung hätte man sich auch aus dem Orchestergraben gewünscht. Vor der Premiere hatte Direktor Dominique Meyer eine Loyalitätserklärung für den mitunter von der Kritik heftig gescholtenen Dirigenten Christoph Eschenbach abgegeben. Publikumsliebling wird dieser in Wien jedoch wohl nicht mehr. Nach einem weitgehend akzentfreien Dirigat, in dem sich die Dramatik der Vorgänge auf Kreta – wo immerhin Kriegsgräuel, Meeresgewalten und Opfertod die Menschen in Aufregung versetzen – höchst selten vermittelte, setzte es am Ende für ihn als Einzigen ein paar Buhs.

Dabei funktionieren die vorgenommenen, dramaturgisch begründeten Umstellungen einzelner Nummern, die den Ablauf plausibler machen und das Augenmerk auf die zentralen Konflikte lenken sollen, durchaus. Die Handlung scheint dennoch immer wieder minutenlang auf der Stelle zu treten. Holten verlässt sich zu sehr auf die anhaltende Wirkung des von zwei mächtigen Deckenrahmen gekennzeichneten, schnörkellosen Bühnenbilds von Mia Stensgaard. Sie hat eine alte Landkarte aus der Gegend des Geschehens auf den Boden gezeichnet – was mittels eines Deckenspiegels einen schönen Effekt und Idomeneo die Möglichkeit gibt, die Protagonisten als Spielfiguren zu verschieben oder umzulegen.

Dass der mit blutbeflecktem Mantel aus dem Krieg heimkehrende König immer wieder von seinen Opfern heimgesucht wird und er seine Mordtaten nachspielen muss, ist neben einem effektvollen Auftritt Ilias, die zu Beginn der Oper mit ihren Mit-Gefangenen von der Decke baumelt, die einzige bestimmende Regie-Idee des Abends. Die Kostüme von Anja Vang Kragh halten das Geschehen zeitlich im Niemandsland – inklusive bestechend schöner Designer-Roben für Ilia und Elettra. Chen Reiss als Ilia und Hausdebütantin Maria Bengtsson als Elettra sangen nicht makellos, aber hörbar um jenen Ausdruck bemüht, den “Idomeneo”-Routinier Michael Schade nahezu in jede einzelne Phrase legt. Dass er sich stimmlich insgesamt deutlich zurücknahm, war allerdings ebenso unüberhörbar. Das Staatsopernorchester hatte es da nicht immer leicht, auf die passende Lautstärke herunterzudimmen. Deutlich den meisten Schlussapplaus erhielt Margarita Gritskova in der Hosenrolle des Idamante. Als Einzige hatte sie die vokale Strahlkraft, die man sich von einer Mozart-Premiere am Haus am Ring erwarten würde.

Gegen Ende wähnte man sich für Momente gar in der falschen Oper. Doch die Statue, die im Schlussakt die Bühne dominierte, war doch nicht der Komtur aus “Don Giovanni”, sondern offenbar eine “Idomeneo”-Huldigungsskulptur. Beim Sturz des Herrschers, der bereit ist, seinen eigenen Sohn den Göttern zu opfern, geht sie wie weiland die Stalin-Denkmäler in Osteuropa zu Brüche, als das Volk die Dinge in die Hand nimmt. Doch das ergreift nicht selbst die Macht, sondern hebt lediglich den Sohn auf den Thron. Zur wirklichen Revolution reicht es nicht, wenngleich Idomeneo und Elettra in die Unterwelt verbannt werden. Ein wenig halbherzig. Wie leider der ganze Abend.

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