Wenn Eltern psychisch krank sind: Salzburger Verein will Kinder wieder Kind sein lassen

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Rund 6.000 Kinder wachsen in Salzburg Schätzungen zufolge mit psychisch kranken Eltern auf. (Symbolbild)
Rund 6.000 Kinder wachsen in Salzburg Schätzungen zufolge mit psychisch kranken Eltern auf. (Symbolbild) - © APA/dpa/Julian Stratenschulte/Archiv
Wenn es Mama oder Papa nicht gut geht, müssen Kinder öfter einmal zurückstecken. Leiden Eltern an einer psychischen Erkrankung, wird diese Ausnahmesituation zum Regelfall. Der Salzburger Verein “JoJo – Kindheit im Schatten” kümmert sich mit dem Patenschaftsprojekt “Gemeinsam wachsen” um diese Kinder und versucht ihnen etwas Normalität zu schenken.




Im Bundesland Salzburg leben Schätzungen zufolge 6.000 Kinder mit einem psychisch kranken Elternteil. “Uns geht es darum, diese Kinder so früh zu unterstützen und zu begleiten, dass sie selbst gesund bleiben”, erklärt JoJo-Geschäftsführerin Heidemarie Eher im Gespräch mit SALZBURG24. Studien zufolge würden zwei von drei Kindern, die mit psychisch kranken Eltern aufwachsen, in ihrem späteren Leben selbst an einer psychischen Beeinträchtigung leiden. Aber auch in ihrem Aufwachsen sind diese Kinder bereits enormen psychosozialen Belastungen ausgesetzt.

Psychische Erkrankung in Familien oft tabu

“Leider ist es oft so, dass nicht nur nach außen ein Tabu über einer psychischen Erkrankung liegt, sondern auch in der Familie wird das Thema kaum bis gar nicht angesprochen”, weiß Eher. Eine Schwierigkeit dabei sei es, eine gemeinsame Sprache zu finden, die beispielsweise auch ein Fünfjähriger verstehe. “Viele Kinder haben Schuldgefühle, denn sie glauben, sie tragen eine Mitschuld. Sie sind davon überzeugt, wenn ich mich besonders anstrenge, besonders brav bin oder besonders viel helfe, dann geht es Mama oder Papa wieder besser”, schildert die Geschäftsführerin. Hier schreitet der Verein ein. “Das ist eine Fehlannahme, die für das Kind nur in Verzweiflung enden kann”, warnt sie. Hier gelte es, den Kindern diese Last von den Schultern zu nehmen und die Eltern-Kind-Rollen wieder zu ordnen.

“Kinder versuchen, Fassade aufrecht zu erhalten”

Seit über zehn Jahren ist der Verein JoJo im Bundesland Salzburg aktiv. Mittlerweile werden jährlich an die 160 Familien begleitet. Involviert sind neben Psychologen und Therapeuten, auch Kinderärzte. “Wir müssen uns sehr bemühen, dass diese Kinder gesehen werden”, sagt sie. Das System stürze sich auf den psychisch erkrankten Erwachsenen, lasse aber sein Umfeld außen vor. “Kinder sind sehr oft sehr lang unauffällig in ihrem Bemühen, die Fassade aufrecht zu erhalten”, weiß Eher zu berichten.

Die Unterstützung erfolgt zum einen durch professionelle Helfer des Vereins, aber auch durch ehrenamtliche Paten. Diese werden in individuellen Coachings auf die Familien vorbereitet und betreut. Die Paten kommen zu den Familien nach Hause, holen das Kind ab und unternehmen ein paar Stunden etwas – egal ob sie in den Zoo gehen oder auf einem Spielplatz toben. Die Interessen des Kindes stehen im Vordergrund. Es soll einfach einmal Kind sein dürfen, so Eher.

Auszeichnung beim Zukunftslabor Salzburg-Wettbewerb (v.l.): LAbg. Daniela Gutschi, Heidemarie Eher (Verein JoJo) und LR Martina Berthold./Erika Pircher/Verein JoJo Auszeichnung beim Zukunftslabor Salzburg-Wettbewerb (v.l.): LAbg. Daniela Gutschi, Heidemarie Eher (Verein JoJo) und LR Martina Berthold./Erika Pircher/Verein JoJo ©

Verein JoJo sucht neue Paten

Das Projekt wurde kürzlich von Landesrätin Martina Berthold (Grüne) und Landtagsabgeordneter Daniela Gutschi (ÖVP) als “Good Practice” beim Zukunftslabor Salzburg-Wettbewerb ausgezeichnet. Regelmäßig werden aber auch weitere Paten gesucht. Am 30. April findet um 18.30 Uhr in den Vereinsräumlichkeiten in der Salzburger Lessingstraße 6 ein Infoabend für Interessierte statt.

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