US-Botschafterin Wesner: Großteil von Obamas Politik dürfte erhalten bleiben

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Wesner wird Österreich vermissen
Wesner wird Österreich vermissen - © APA (Schlager)
Die scheidende US-Botschafterin in Wien, Alexa Wesner (44), glaubt nicht an eine völlige Rücknahme der innen- und außenpolitischen Errungenschaften von US-Präsident Barack Obama durch dessen Nachfolger Donald Trump. “Vielleicht zehn Prozent” von Obamas Politik könnten verändert werden, sagte Wesner im APA-Interview. Trump sei “nicht einzigartig”, so die Botschafterin.

“Wir haben sehr starke Institutionen”, sagte Wesner mit Blick auf Versuche, Obamas Reformen rückgängig zu machen. “Obama selbst hat gesagt, dass er 75 Prozent dessen umgesetzt hat, was er sich vorgenommen hatte, und dass von diesen 75 Prozent vielleicht zehn Prozent geändert werden können.” Als Beispiel nannte die Unternehmerin die allgemeine Krankenversicherung “Obamacare”. “20 Millionen Menschen haben heute eine Gesundheitsversicherung, die sie vorher nicht hatten. Denen würde es nicht gefallen, wenn man ihnen das einfach wegnähme.”

Wesner sieht den künftigen Präsidenten Trump nicht als absoluten Sonderfall. “Wir hatten alle möglichen Präsidenten. Ich glaube nicht, dass er einzigartig ist”, sagte sie. Jeder Präsident habe eigene Fähigkeiten und Erfahrungen, “und wir werden sehen, wo seine politischen Prioritäten liegen werden”, so die Diplomatin. Als “Optimistin” glaube sie auch, dass das Ansehen der USA in der Welt unter Trump nicht leiden werde. “Wir werden uns hinter unseren Führer stellen und ich erwarte, dass wir weiterhin Gutes tun werden in der Welt.”

Die Demokratin wies darauf hin, dass sich die Amerikaner nach jedem Regierungswechsel “hinter dem gewählten Präsidenten versammeln”. Allerdings habe die jüngste Wahl gezeigt, “dass wir gespaltener sind, als wir dachten, und wir müssen das angehen”. “Wir müssen sicherstellen, dass wir den Menschen zuhören und dass die Menschen gehört werden”, sagte sie mit Blick auf die Politikverdrossenheit in den USA.

Auf die Frage, ob die russischen Hackerangriffe den Ausschlag zugunsten Trumps gegeben hätten, antwortete Wesner: “Ich kann das jetzt nicht sagen.” Jedenfalls handle es sich um etwas, “was nicht nur jeden Amerikaner besorgt machen muss, sondern jedermann auf der Welt. Es war ein Angriff auf unser Land, es war böswillig, und es muss umfassend untersucht werden.”

Wesner glaubt auch nicht, dass die scharfe Kritik des künftigen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen an Trump (“Horrorszenario ersten Ranges”) die bilateralen Beziehungen belasten werde. “Ich hatte das Vergnügen, den gewählten Präsidenten Van der Bellen zu treffen und wir haben festgehalten, wie stark unsere Beziehung ist und bleiben wird”, betonte die Diplomatin.

Wesner lobte den “riesigen Beitrag”, den Österreich in der internationalen Politik leiste. Sie verwies darauf, dass Österreich im Kosovo gemessen an der Bevölkerungsgröße der größte Truppensteller außerhalb der NATO sei. “Sehr engagiert” sei auch der neue OSZE-Vorsitzende, Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP). Auf die Frage, wie sie zu den Brückenbauer-Ambitionen Österreichs zu Russland stehe, sagte sie: “Ich sehe den österreichischen Zugang als positiv an und erwarte mir eine Führungsrolle, aber ich erwarte mir auch eine feste Haltung im Bereich Völkerrecht, Menschenrechte und Anti-Terror-Kampf.”

An das umstrittene USA-EU-Freihandelsabkommen TTIP glaubt Wesner weiterhin. “Das ist etwas, wofür ich sehr hart gearbeitet habe”, sagte sie. Das Abkommen sei wichtig für Jobwachstum, Wohlstand und auch Sicherheit. Das Ausmaß der Skepsis in Österreich habe sie “überrascht”. Sie hoffe aber, dass die neue US-Regierung “dort weitermacht, wo wir aufgehört haben”.

Zu ihrer eigenen Bilanz sagte Wesner, dass sie dazu beigetragen habe, die bilateralen Beziehungen “weiter zu stärken”. Ihrem Nachfolger empfehle sie, viel durch das Land zu reisen und mit den Menschen zu sprechen. Sie habe es selbst so gehalten. “Die Menschen sind es, was ich am meisten vermissen werde”, sagte die dreifache Mutter. “Wir haben uns in dieses Land verliebt.” Der von Trump für alle Obama-Botschafter bis spätestens 20. Jänner verfügte Abschied habe sie nicht am falschen Fuß erwischt, sagte sie auf eine entsprechende Frage. Sie habe sich immer auf eine Abreise zum Regierungswechsel vorbereitet. “Aber wenn der gewählte Präsident mich gefragt hätte, ob ich bleiben möchte, hätte ich das in Erwägung gezogen.”

Bedeckt hielt sich die Unternehmerin zu ihrer beruflichen Zukunft. “Ich will jetzt einmal nach Hause gehen, etwas ausrasten und über meine Zeit hier nachdenken, und in einigen Monaten schlagen wir das nächste Kapitel auf”, sagte Wesner. Auch in der Politik? “Ich bin derzeit für alles offen.”

(Das Gespräch führte Stefan Vospernik/APA)

(APA)

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