Wie nachhaltig ist die Salzburger Wohnbauförderung?

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Die Wohnbauförderung in Salzburg ist nun einer genauen Prüfung unterzogen worden.
Die Wohnbauförderung in Salzburg ist nun einer genauen Prüfung unterzogen worden. - © Franz Neumayr
Seit ihrer Einführung sorgt die Wohnbauförderung Neu für Kritik. Nun ließ sie die Arbeiterkammer (AK) auf den Prüfstand stellen. Das Fazit des Experten: Die Salzburger Wohnbauförderung ist solide, solange die Zinsen nicht steigen. Wir geben euch einen Überblick.




2014 hat die Salzburger Landesregierung ein neues Modell zur Förderung von Wohnbau eingeführt. Den Wohnbaufonds hat man aufgelöst, es gibt keine rückzahlbaren Zuschüsse mehr. Stattdessen setzt man auf Darlehen und einmalige Zuschüsse. Wolfgang Amann vom “Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen GmbH” untersuchte in einer Studie die Nachhaltigkeit der Wohnbauförderung. Am Mittwoch hat er sie in Salzburg im Rahmen einer Fachtagung präsentiert.

Wolfgang Amann hat sich die Salzburger Wohnbauförderung ganz genau angesehen. Foto: SALZBURG24/Winkler Wolfgang Amann hat sich die Salzburger Wohnbauförderung ganz genau angesehen. Foto: SALZBURG24/Winkler ©

Darlehen vor allem günstig für Geberseite

Die Umstellung auf ein Darlehenssystem habe vor allem Vorteile für die Geberseite: Die Förderungsausgaben sind stark gesunken. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Wohnbauförderung praktisch selbst finanziere, allerdings nur, wenn die Zinsen weiterhin niedrig bleiben. “Steigen die Zinsen, muss das System natürlich angepasst werden. Entweder durch höhere Zuschüsse oder durch höhere Mieten”, gibt Amann zu bedenken. Das betreffe dann nicht nur neue Verträge, sondern auch bereits bestehende.

Ein Vorteil des alten Systems wäre auch gewesen, dass es bei einem Zinssatz von vier Prozent nach 30 Jahren ausfinanziert wäre. Beim neuen Modell dauert es 20 Jahre länger, so Amanns Prognose.

Neue Förderung fokussiert auf Eigentum

Amann sieht in der Umstellung auch eine Fokussierung auf die Förderung von Eigentum: “Niemand, der hohe Rücklagen hat, will ein Darlehen aufnehmen und sich verschulden. Ein Einmalzuschuss bietet den Anreiz in Häuser zu investieren”, erklärt er. Auch die Verwaltung sei einfach, weil man keine langen Verpflichtungen habe. “Bares ist Wahres: Der Wert ist für Fördernehmer evident.”

Rückflüsse zur Finanzierung fallen weg

Eine Schwäche der Einmalzuschüsse und definitiv eine Stärke des vorherigen Modells Wohnbaufonds seien die Rückflüsse. Das ist jenes Geld, dass durch die Förderungen wieder zurückfließt und eine langfristige Finanzierbarkeit garantieren würde. Im Moment sorgt aber der aufgelöste Wohnbaufonds noch für eine “gemütliche” Finanzierung der neuen Förderung.

Vermögen der Antragssteller wird nicht überprüft

Kritik übt Amann an den Mitnahmeeffekten. So nennt man im Fachjargon jene Lücken, durch die die Wohnbauförderung von Menschen ausgenutzt werden kann, die eigentlich nicht förderungswürdig sind. So seien die Einkommensgrenzen im Vergleich mit anderen Bundesländern sehr hoch und es gebe keine Vermögensüberprüfung. In Salzburg braucht es anstatt des Vermögensnachweises nur den Nachweis eines Hauptwohnsitzes und die Bestätigung, dass man seine vormalige Wohnung aufgegeben hat. “Es ist aber nicht wirklich schwer, das zu konstruieren und zu umgehen”, betont Amann.

Wie nachhaltig ist die Wohnbauförderung?

Sein Fazit: “Das Salzburger Modell ist derzeit durchaus nachhaltig, solange die Zinsen nicht steigen. Dann muss man Anpassungen vornehmen. Das alte Modell war zwar für die Mietförderung finanziell besser, doch für Eigentum unattraktiv.” Der “Stein der Weisen” in der Wohnbauförderung sei zwar noch nicht gefunden worden, das Salzburger Model sei aber durchaus “solide”, resümiert Amann.

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