Wien Museum zeigt Kriegsalltag einer Metropole

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Der späte Start der Schau wurde bewusst gewählt
Der späte Start der Schau wurde bewusst gewählt
Lange Schlangen vor Bäckereien oder Molkereien, tausende Flüchtlinge und Kriegsversehrte und der verzweifelte Versuch, den Versorgungsengpässen etwa per eigenem Gemüsegarten entgegen zu wirken, prägten das Bild Wiens im Ersten Weltkrieg. Davon zeugen nicht nur Fotografie und Malerei dieser Zeit, sondern auch Plakate und Postkarten. Im Wien Museum sind einige davon bis 18. Jänner 2015 zu sehen.


“Im Ersten Weltkrieg war erstmals die Zivilbevölkerung massiv eingebunden. Der Krieg fand nicht nur dort statt, wo gekämpft wurde, sondern hatte auch massive Auswirkungen auf das Leben in Städten wie Wien”, erklärte Museumsdirektor Wolfgang Kos bei der Präsentation der Ausstellung “Wien im Ersten Weltkrieg. Stadtalltag in Fotografie und Grafik” am Mittwoch.

Die Ausstellung betritt man demnach auch gleich durch eine in Großformat an den Wänden angebrachte Fotografie von Wartenden vor einer Lebensmittelausgabe, in lockerer Chronologie folgen dann Fotografien, Zeichnungen, Plakate und einzelne Objekte zu Themen von Lazarett über Kriegsgefangene im Stadtbild bis zu Erbauung durch Musik und Theater.

So sind etwa Fotos von der Hauptwerkstätte der Städtischen Straßenbahnen, die ihre Züge für den Transport von Verwundeten aufrüsteten, ebenso zu sehen wie von der Zentralstelle der Fürsorge für Flüchtlinge oder Postkarten, die für Propagandazwecke einen Besuch des Kaisers in einem Heeresspital abbilden. Die Ausstellungsobjekte stammen zu einem großen Teil aus der sogenannten “Kriegssammlung”, die bereits im Sommer 1914 auf Geheiß des damaligen Wiener Bürgermeisters startete und heute auf das Wien Museum und die Wien Bibliothek aufgeteilt ist.

Um die meist für die Öffentlichkeit bestimmten Fotos – Schüler, die einen Gemüsegarten im Prater betreuen, Sanitätshunde im Dienst des Roten Kreuzes – “aufzurauen und zu brechen”, wird die Ausstellung von Zitaten aus zeitgenössischen Polizeiberichten begleitet, wie Kurator Gerhard Milchram erklärte. Sie dokumentieren etwa das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber den meist galizischen Flüchtlingen oder die schlechte Versorgungslage in den Militärkrankenhäusern. “Wir haben uns sehr bemüht, keine fade Zeitgeschichte-Fotoausstellung zu machen”, meinte Kos.

Ein großer Teil der Schau widmet sich den an der “Heimatfront” zurückgebliebenen Kindern und Frauen. Auch sie wurden Teil der Kriegsindustrie, Schulen verwandelten sich in Lazarette, Schüler wurden bei Metall- oder anderen Materialsammlungen eingesetzt. Die Mobilisierung der Frauen zielte dagegen nicht nur auf das Nachrücken in Männerberufe ab, sondern auch auf den “angestammten Aufgabenbereich” der Hausarbeit, wie Kuratorin Susanne Breuss schilderte. “Der Kochlöffel wurde zur Waffe der Frauen, etwa wenn sie Mängel kompensierten, mit Ersatzstoffen umgingen oder Alltagsgegenstände selbst herstellten und reparierten.”

Im Wien Museum spiegelt sich das vor allem in Frauenzeitschriften wie “Die praktische Wienerin”, um zwölf Heller wöchentlich zu erhalten, oder “Das Blatt der Hausfrau” mit Sonderausgaben wie “Wie kleide ich mich fesch in teuren Zeiten?” wider. Auch Sparen und Recycling standen auf der Tagesordnung, wie ein Aufruf zum Sammeln, Trocknen und Abgeben von Kaffeesatz beweist. Das Kriegsende konzentriert Kurator Milchram schließlich in einem einzelnen Objekt: Das Notizbuch eines Vaters, der sich auf die langwierige Suche nach den sterblichen Überresten seines an der Isonzo-Front gefallenen Sohnes macht.

Den – im Vergleich zu vielen anderen Gedenkjahr-Schwerpunkten – späten Start der Schau begründete Kos mit der Alltagsthematik der Ausstellung. Denn ab Herbst 1914 verwandelte sich die Kriegseuphorie in der Hauptstadt bereits nach und nach in Ernüchterung. Stimmungsmache und Realität seien immer mehr auseinandergedriftet: “Unsere Ausstellung könnte auch erst 2016 stattfinden”, meinte der Direktor. Katalog gibt es keinen, stattdessen habe man sich an dem rund 700 Seiten starken Überblickswerk des Wiener Stadt- und Landesarchivs “Im Epizentrum des Zusammenbruchs” beteiligt.

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