Wiener Ballsaison gestartet

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Quadrille am Wiener Stephansplatz
Quadrille am Wiener Stephansplatz - © APA
Alljährlich wird am 11.11. um 11.11 Uhr in der Wiener Innenstadt die “närrische Zeit” rund um den Fasching begrüßt: Dies war auch am heutigen Freitag wieder der Fall. Dabei probierten sich Hunderte Passanten am Stephansplatz unter Anleitung der Wiener Tanzschulen in verschiedenen Tänzen und legten schließlich eine Quadrille aufs Pflasterstein.

In den vergangenen Jahren wurde das Open-Air-Event traditionell am Graben abgehalten. Heuer verlegten die Verantwortlichen auf den Stephansplatz – ein Standort, der eigentlich gar nicht so neu ist. Dort fand das närrische Treiben bis 2006 statt. Die Veranstaltung musste dann auf Wunsch der damaligen Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (damals ÖVP, jetzt FPÖ) vom an den Stephansplatz grenzenden Stock-im-Eisen-Platz auf den Graben verlegt werden. Dies begründete sie damals mit einem Verweis auf die “Respektzone” Stephansplatz.

Insgesamt ist die Ballsaison ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Immerhin gibt jeder Ballgast im Schnitt 270 Euro aus, wie die Wiener Wirtschaftskammer in einer Pressekonferenz informierte. Dabei wurden die Ergebnisse einer bei der KMU Forschung Austria in Auftrag gegebenen Studie präsentiert. Diese taxiert die gesamten Ausgaben, die direkt auf Bällen selbst sowie bei den Vorbereitungen getätigt werden, auf insgesamt etwa 131 Millionen Euro.

Im Schnitt wird jeder Besucher 270 Euro ausgeben – etwas mehr als im Vorjahr. Die Bereitschaft, mehr Geld investieren zu wollen, liegt vor allem im Motiv “Sehen und gesehen werden” bzw. der steigenden Tendenz, “repräsentieren zu wollen”, hieß es. Daher würden besonders die großen – und damit auch kostspieligeren Bälle – heuer auf regen Zulauf stoßen.

Der wichtigste Grund, einen Ball zu besuchen, ist, um dort Freunde oder Bekannte zu treffen, wie 80 Prozent der Befragten angaben. Auf Platz zwei landeten ex aequo mit jeweils 75 Prozent die Motive, einen schönen Abend mit dem Partner zu verbringen bzw. das Ambiente zu genießen. Zunehmend an Bedeutung würden Bälle gewinnen, um Geschäftspartner zu treffen oder gesellschaftliche Verpflichtungen wahrzunehmen, lautete eine weitere Erkenntnis aus der Studie.

Die Bälle werden mittlerweile nicht mehr ausschließlich als traditionelle Tanzveranstaltungen gesehen. Bei der Wahl der Veranstaltung spielen die Location, die Eröffnung und die Mitternachtseinlage eine immer größere Rolle.

Mehr als drei Viertel der Ballbesucher stammen aus Wien, gefolgt von rund 60.000 Gästen aus den Bundesländern und 55.000 Tanzbegeisterten aus dem Ausland. Neben Touristen aus Deutschland wird auch ein steigendes Interesse in Übersee – vor allem Japan und den USA – registriert. Knapp die Hälfte der Ballbesucher besteht aus Stammpublikum.

Im Rahmen der Pressekonferenz wurden auch die Trends der Saison präsentiert: Heuer sind bei 45 Prozent der Besucherinnen schwarze Roben hoch im Kurs. Was den Schnitt anbelangt, so setzt Frau heuer auf “romantisch, figurbetont, skulptural oder lasziv”, weiß die Fachwelt. Als Materialien sind Spitze, Samt, Seide, aber auch Neopren, Netze oder andere Hightech-Materialien beliebt.

In Sachen Make-up sind weiterhin klassische Smokey Eyes gefragt. Die Lippen werden unterdessen entweder rot oder bordeaux bis dunkelviolett gehalten. Bei den Haaren liegt die Hochsteckfriseur hoch im Kurs bzw. heuer auch 1950er- und 1960er-Kreationen: Dutts in verschiedenen Variationen. Ebenfalls beliebt ist der Pony – und wenn es nur ein Fake-Pony ist.

(APA)

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