Wiener bricht zu Ebola-Einsatz in Liberia auf

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"Ich sehe das als Verpflichtung an."
"Ich sehe das als Verpflichtung an."
“Ich sehe das als Verpflichtung an.” So beschreibt der Wiener Arzt Michael Kühnel seine Motivation für einen Einsatz im Ebola-Krisengebiet in Liberia, der nächste Woche beginnt. Das westafrikanische Land ist am stärksten von der tödlichen Epidemie betroffen, mehr als 4.000 Menschen identifizierten sich dort bisher mit dem Virus, mehr als 2.200 starben.


Kühnel soll gemeinsam mit einem Expertenteam des internationalen Roten Kreuz helfen, die Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Noch immer gebe es laut dem Mediziner in den betroffenen Regionen zu wenig medizinisches Personal. “Es sind Patienten, die Hilfe brauchen. Da stehen Schicksale und Menschen dahinter.” Der international erfahrene Experte wird die Bevölkerung über die Ansteckungsmechanismen des Virus aufklären und Hygieneschulungen durchführen.

Angst vor einer Ansteckung hat Kühnel nicht, jedoch Respekt. “Das Risiko ist kalkulierbar. Ich weiß, dass ich ab dem Zeitpunkt, wo ich das Zimmer verlasse, aufpassen muss, bis ich wieder drin bin.” Zudem gebe es “Standards, an die man sich halten muss”. Dazu gehört beispielsweise der gänzliche Verzicht auf Körperberührungen. Im Sommer war der Rotkreuz-Experte bereits in Sierra Leone im Einsatz. “Damals gab es vier Wochen keinen Körperkontakt, kein Händeschütteln, gar nichts.”

Auch in Liberia gehe es primär darum, “Ärzte und Pfleger zu schulen, gewisse Standards einzuführen”. Die größte Gefahr im Pflegebereich sei das Ausziehen der Schutzkleidung, schilderte Kühnel im Gespräch mit der APA. Nach einer Arbeit am Patienten sei die Kleidung kontaminiert, man dürfe nicht von außen mit dem Schutzanzug in Kontakt kommen. “Das muss trainiert werden.”

Besonders groß sei die Übertragungsrisiko auch beim “dead body management”, den Beerdigungs- und Desinfektionsmaßnahmen nach Todesfällen. Hier gebe es auch einen großen Mangel an “Leuten, die Tote bergen und begraben”. Diese Personen, meist Freiwillige, müssen geschult werden, damit sie sich bei der gefährlichen Arbeit nicht infizieren. “Sie setzten ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel”, sagte Kühnel.

Seit Anfang 2014 breitet sich in Sierra Leone, Liberia und Guinea das tödliche Ebolavirus massiv aus. Es handelt sich um den größten Ebola-Ausbruch seit seiner Entdeckung im Jahr 1976. “Liberia war zuvor Ebola-frei”, sagte Kühnel. Da die anfänglichen Symptome die gleichen wie bei Malaria sind, die in der Region so gut wie jeder schon hatte, dauert es viel länger, bis die Menschen sich behandeln lassen. Und auch wenn sie geheilt werden, kommt es oft zu Stigmatisierung, sagte Kühnel. So gab es in Sierra Leone Mitarbeiter vom “dead body managment”, die erzählt haben, dass ihre Freunde nicht mehr mit ihnen reden, schildert der Experte.

Und doch gebe es viele Freiwillige, “die wollen einfach helfen”. Das Rote Kreuz versucht, den Ehrenamtlichen zumindest Essensgeld zu geben, sagt Kühnel. “Als ich im Juni nach Sierra Leone kam, gab es Mitarbeiter, die bereits eineinhalb Monate täglich ohne Gegenleistung gearbeitet hatten.”

Bis zum 19. November dauert der Einsatz des 38-jährigen in Liberia. Dazu kommen nach der Rückkehr noch drei Wochen Inkubationszeit, in der Kühnel nicht an Patienten arbeiten darf und angehalten ist, Menschenmengen zu meiden. “Wenn ich heimkomme muss ich auch stark überlegen, wie viel Körperberührung lasse ich mit meiner Frau zu”, sagte der Mediziner. Ebola ist jedoch erst nach Auftreten von Symptomen übertragbar.

Zur Person: Michael Kühnel ist Allgemeinmediziner und seit 15 Jahren ehrenamtlich fürs Rote Kreuz tätig. Der 38-Jährige hat in Hamburg eine Zusatzausbildung zum Tropenmediziner absolviert. Kühnel ist ausgebildeter Notarzt sowie Trinkwasser- und Hygienespezialist. Er hat bei mehreren Einsätzen – wie nach der Erdbebenkatastrophe in Haiti oder nach dem Tsunami in Banda Aceh in Indonesien – internationale Erfahrung gesammelt.

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