Wiener Stadthalle: Herbe Verluste durch Derivatgeschäfte

Akt.:
Verluste in Höhe von rund acht Millionen Euro
Verluste in Höhe von rund acht Millionen Euro - © APA
Die Wiener Stadthalle hat durch komplexe Finanz-Deals Verluste in Höhe von rund acht Mio. Euro eingefahren. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht des Stadtrechnungshofs. Konkret geht es um Derivatgeschäfte rund um die Errichtung der 2006 eröffneten Halle F. Deren Kosten sind um rund 25 Prozent gestiegen, kritisierten die Prüfer. Die Stadthalle versichert, noch höhere Verluste verhindert zu haben.

Die Halle F wurde von einer Fremdfirma errichtet und von der Stadthalle geleast. Zur Absicherung der Zinsaufwendungen im Zusammenhang mit dem Leasinggeschäft schloss die Stadthalle – sie ist eingegliedert in die stadteigenen Wien Holding – sogenannte Finanztermingeschäfte ab. Diese sind inzwischen, bis auf eine Ausnahme, durch einen vorzeitigen Ausstieg beendet worden und wurden insofern vom Stadt-RH zu einer abschließenden Beurteilung herangezogen.

Das Ergebnis: Unterm Strich steht unter den unterschiedlichen Finanzprodukten ein dickes Minus. Die Prüfer sprechen von einem “kumulierten Verlust der Derivate von rund 7,97 Mio. Euro”. Dazu kommen noch 140.000 Euro an Rechtsberaterkosten und 220.000 Euro für Finanzberatung. Fazit: “Insgesamt belief sich die zusätzliche finanzielle Belastung der Wiener Stadthalle Betriebs- und Veranstaltungsgesellschaft m.b.H. aus den Finanzderivatgeschäften auf rund 8,33 Mio. Euro”, heißt es im Stadt-RH-Bericht.

Zum Vergleich: Die genehmigten Errichtungskosten für die Halle F – hier sind die Finanzierungskosten nicht inkludiert – betrugen laut Bericht rund 33 Mio. Euro. Somit liegen die Kosten für die Halle F mit Stand viertes Quartal 2015 um etwa ein Viertel über der ursprünglich veranschlagten Summe.

Wobei ein Finanztermingeschäft erst mit 1. September 2042 ausläuft – und dieses könnte die Verluste noch erhöhen. Denn aufgrund des aktuellen niedrigen Zinsniveaus auf den Finanzmärkten bedeutet dieser Deal derzeit einen Mehraufwand von rund 300.000 Euro pro Jahr, warnen die Prüfer. “Erst ab einem Zeitpunkt, an dem der Sechs-Monats-Euribor wieder über dem Wert von 3,2 Prozent liegt, würde die Wiener Stadthalle … einen finanziellen Vorteil aus dieser noch laufenden anteiligen Absicherung des Grundgeschäfts lukrieren”, heißt es.

Die Derivatgeschäfte der Wiener Stadthalle hatten bereit 2011 für Kritik vom Stadt-RH – das damals noch unter dem Namen Kontrollamt firmierte – gesorgt. Schon damals hatten die Prüfer auf die Risiken infolge der Leasingfinanzierung rund um die Halle F hingewiesen.

Die Stadthalle betonte heute per Aussendung, dass man seit diesem kritischen Bericht aus den Geschäften in Schweizer Franken und Türkischer Lira ausgestiegen sei. “Durch diese Vorgangsweise konnten die Verluste aus diesen beiden Produkten um bis zu rund 50 Prozent verringert werden”, wurde versichert. Beim dritten Produkt habe man entschieden, dieses vertragsmäßig bis 2042 laufen zu lassen. Denn nur bei einem vorzeitigen Ausstieg würde der derzeit negative Marktwert schlagend werden.

Durch die lange Laufzeit sei es aber “auch nicht ausgeschlossen”, dass der Deal wieder ins Positive drehe und die entstandenen Verluste kompensiere, zeigt man sich bei der Stadthalle zuversichtlich. Grundsätzlich betonte die Geschäftsführung, dass derlei Finanzierungsmodelle vor der Finanzkrise als “durchaus vernünftiges und taugliches Instrument” gegolten hätten, das von vielen öffentlichen Unternehmen und Gebietskörperschaften in Österreich und Europa gewählt worden sei.

(APA)

Leserreporter
Feedback


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen