Wifo-Chef Badelt kritisiert wachsenden Protektionismus

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WIFO-Chef Christoph Badelt
WIFO-Chef Christoph Badelt - © APA
Wifo-Chef Christoph Badelt hat mit Unverständnis auf den wachsenden Protektionismus und die auch in Österreich steigende Kritik an der Globalisierung reagiert. Das Maß an Kritik an der Globalisierung sei gerade für ein Land wie Österreich “verrückt zur Potenz”, sagte Badelt am Donnerstag laut WKÖ-Aussendung bei seiner Festrede zu Beginn des WKÖ-Wirtschaftsparlaments in Wien.

“Der Export war für Österreich eine Erfolgsgeschichte. Die Warenexportquote ist seit den 1990er Jahren von 25 auf 40 Prozent gestiegen, jene der Dienstleistungsexporte von gut 9 auf über 14 Prozent”, hob Badelt hervor. Badelt konstatierte, dass es in Österreich zwar eine konstruktive Diagnose der bestehenden Herausforderungen gebe, es aber an der Umsetzung der sich daraus ergebenden Maßnahmen mangle.

Badelt äußerte sich auch zur Zukunft der Sozialpartnerschaft, wobei er angesichts der von Halb- und Unwahrheiten dominierten Brexit-Abstimmung in Großbritannien sowie der US-Wahlen von einer “dramatischen, ja gefährlichen politischen Gesamtsituation” sprach. Die Frage sei, “wie können wir es schaffen, Fakten zu den Menschen zu bringen, die den Etablierten nichts mehr glauben?”, so Badelt.

In einem optimistischen Szenario könnten die Sozialpartner ein Katalysator für eine seriöse wirtschaftlich und sozial orientierte Politik sein und so einen wichtigen Beitrag zu einer dringend notwendigen seriösen Diskussion leisten. In einem pessimistischen Szenario würden sie auf ihre Kernkompetenz – also Interessenvertretung sowie klassische Arbeitnehmer-/Arbeitgeber-Themen – zurückgestuft werden.

Badelt selbst würde ein optimistisches Szenario begrüßen, “nicht nur, weil die Sozialpartner enormes Wissen haben, sondern weil wir es uns nicht erlauben können, den politischen Diskurs so wie derzeit zu führen”.

Um wirtschaftlich wieder durchzustarten, brauche Österreich zum einen die richtigen Rahmenbedingungen, führte Badelt aus. Hier habe die Regierung in den vergangenen Monaten “ein paar Zeichen in die richtige Richtung gesetzt”, wenngleich der Eindruck bestehe, dass es ihr leichter falle, Förderungen zu beschließen als Strukturreformen, so Badelt. Notwendig sei zudem eine andere Erwartungshaltung – bei den Unternehmen wie in der Bevölkerung: “Glauben wir wirklich daran, dass wir es zurück zur Spitze schaffen können? Da muss sich jeder auch selbst am Riemen reißen.”

(APA)

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