Wintersteller INSIDE: Schlaflose Transferzeit – Horrorszenario für Funktionäre

In "Wintersteller INSIDE" steht der Transfer-Wahnsinn im Salzburger Fußball-Unterhaus im Fokus.
In "Wintersteller INSIDE" steht der Transfer-Wahnsinn im Salzburger Fußball-Unterhaus im Fokus. - © Krugfoto
„Bieten, Bluffen, Pokerface“ – sind nicht nur Pokerbegriffe, sondern auch der normale Wahnsinn der Transferzeit. In der zweiten Ausgabe seiner INSIDE-Kolumne beschäftigt sich Eidke Wintersteller als S24-Experte mit dem Transfer-Wahnsinn der Fußballwelt.




Viele Funktionäre, welche für das Sportliche und Finanzielle verantwortlich sind, sehnen das Ende der Transferzeit herbei, noch bevor sie richtig begonnen hat. Es ist für sie die stressigste Zeit des Jahres. Weil sich das Transfer-Karussell ständig dreht, werfen wir einen Blick auf die Chronologie im Fußball-Unterhaus.

„ALT“

In der Vergangenheit lag der Vorteil bei den Vereinen, weil sie die Höhe der Verkaufssumme oder Leihgebühren selbst festlegen durften. So platzten durch utopische Summen viele Transfers und Spieler konnten beziehungsweise mussten bei ihrem Stammverein bleiben.

„DAZWISCHEN“

In den letzten Jahren verschob sich der Vorteil auf die Seite der Spieler, da durch den Fußballverband die Transfersummen vorgeschrieben wurden. Bei der Überweisung der festgelegten Summe konnte ein Spieler bis zu einem gewissen Datum zu einem neuen Verein wechseln. Dieser stellte seinen Stammverein so vor vollendete Tatsachen. Viele Vereine erschwerten sich selbst und auch allen anderen das Transfergeschehen, weil Spieler sich sozusagen „freispielen“ konnten. Diese Sparmaßnahme ging allerdings gehörig nach hinten los. Ist ein Spieler freigespielt, kann er pokern und die Vereine gegeneinander ausspielen, um dann dorthin zu wechseln, wo er den symbolischen “100-er” mehr bekommt.

„NEU“

Ab Juni 2017 treten die neuen ÖFB-Transferbestimmungen in Kraft. Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte sind bei den Funktionären vorprogrammiert.

Viel Rechenarbeit in schlafloser Zeit

Der „neue“ mathematische Teil

Die Ausbildungsentschädigung für einen Spieler wird pro Ausbildungsjahr bis zum 23. Lebensjahr berechnet. Sollte ein Spieler noch eine Landes- und/oder Akademieausbildung haben, wird pro Jahr ein festgelegter Betrag zur Entschädigung addiert. Diese Summe kann zwischen 6.800 Euro bis höchstens 15.600 Euro liegen. Anschließend folgt eine Anpassung von 40 bis 160 Prozent bezüglich der jeweiligen Leistungsstufen.

Der „neue“ schlaflose Bereich

Die errechnete Wechselentschädigung für einen Spieler muss bei einem Wechsel bis zu seinem 28. Geburtstag bezahlt werden. Ab diesem Zeitpunkt ist jeder Spieler „FREI“ und kann jederzeit den Verein wechseln. Gefordert sind jetzt wieder die Funktionäre, um mit weitsichtiger Strategie und geschickten Verhandlungen das beste aus dieser neuen Situation für ihren Verein herausholen zu können. Somit schließt sich für mich der Kreis und der Transfer-Wahnsinn geht weiter – „Bieten, Bluffen, Pokerface!”

Transfer-Wahnsinn: Winterstellers Fazit

Doch wie könnte man die Problematik in den Griff bekommen? Ein Annäherungsversuch:

Positiv

Die Ausbildungsentschädigung bei jungen Talenten ist klar definiert und man kann jederzeit zu besseren Vereine wechseln. Auch bei weiteren Wechseln eines Spielers sind die Zahlungsmodalitäten klar geregelt.

Negativ

Für Spieler ab 24 Jahren wird es schwer werden, in die oberen Leistungsstufen zu wechseln. Der Multiplikator treibt die Transfersumme in die Höhe – die jedoch mit dem 28. Geburtstag des Spielers verfällt. Die Vereine trifft die „mit 28 Jahren frei“-Regel wie das „Bosman-Urteil“ vor Jahren die Proficlubs – und die Transferzeit wird zum Kuhhandel. Je nach Loyalität zum Stammverein können und werden Spieler Aufwandsentschädigungen verlangen und Vereine gegeneinander ausspielen – und so die Summe in die Höhe treiben.

So könnte (!) es gehen

Deutlich sinnvoller wäre es für mich gewesen, wenn der Verein für die freien 28-Jährigen Spieler noch eine Restsumme der Ausbildungsentschädigung bekommen würde. Dieser Betrag könnte beispielsweise 30 bis 50 Prozent je nach Leistungsstufe variieren. Mit diesem Geld wäre es leichter möglich einen wechselnden Spieler zu ersetzen. Außerdem würde dem zukünftig auftretenden Kuhhandel ein kleiner Riegel vorgeschoben werden.

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