Wolfgang Descho im Sonntags-Talk: “Ich wünsche mir Mut zu Neuem”

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Rockhouse-Chef Wolfgang Descho hat sein Leben in den Dienst der Musik gestellt.
Rockhouse-Chef Wolfgang Descho hat sein Leben in den Dienst der Musik gestellt. - © Wolfgang Descho/Rockhouse
Mehr als sein halbes Leben hat Rockhouse-Leiter Wolfgang Descho der Salzburger Musikszene gewidmet und maßgeblich zu ihrer Entstehung beigetragen. Im Sonntags-Talk spricht der 55-jährige Salzburger über die schwierigen Anfänge, seine eigene Band und was er sich von den heutigen Konzertbesuchern wünscht.




SALZBURG24: Es scheint so, als hättest du dein ganzes Leben in den Dienst der Musik gestellt. Was ist deine Motivation dahinter?

WOLFGANG DESCHO: Ich habe damals im Alter von 14 Jahren gemeinsam mit Michl Matschedolnig die Band Isis Noreia gegründet. Ab da bin ich einfach in die Musikszene hineingerutscht. Gleich nach der Matura haben wir uns dann zusammengesetzt und festgestellt, dass die Situation in Salzburg ein Witz ist. Es gibt hier nichts. Keine Proberäume, keine Auftrittmöglichkeiten, uns ignoriert man nicht einmal. Einzige Lösung war also ein eigenes Rockhouse.

Um auf uns aufmerksam zu machen, haben wir 1981 das MIS-Festival (Musik Initiative Salzburg) im Volksheim, dem heutigen Jazzit, veranstaltet. Wir haben gleich 26 Anzeigen wegen Ruhestörung kassiert. Wir haben uns gedacht, endlich hört man uns. Das war der Startschuss nach außen.

isisnoreia2 Isis Noreia, die damalige Band von Michl Matschedlonig (Mitte) und Wolfgang Descho (rechts). /Wolfgang Descho ©

Der Startschuss zum Rockhouse?

So auf die Art. Alleine bis 1987 habe ich der Stadt über 20 Gebäude für ein Rockhouse – das hat auch schon so geheißen, bevor es wirklich Form angenommen hat – vorgeschlagen. Vor den Wahlen (Gemeindevertretungswahlen im Oktober 1987, Anm.) gab es seitens der Politik oft einen Lokalaugenschein, inklusive Presse, danach war das Thema wieder vom Tisch. Nach dem dritten Termin haben wir es dann sein lassen, denn verarschen lassen wollten wir uns nicht. Wir haben daraufhin ein Band-Aid veranstaltet, zu dem hat sich auch der damalige Vizebürgermeister Fartacek angekündigt. Der ist 20 Minuten an der Kassa angestanden, das war uns natürlich recht. Die Politik sollte mal sehen, dass es hier Bedarf an einem Rockhouse gibt.

Danach ging dann alles ganz schnell. Ich wurde angerufen, um gemeinsam mit der Politik den heutigen Standort zu besuchen und zu klären, ob man hier denn überhaupt ein Rockhouse bauen könne. Die Stadt hat drauf hin das Haus gekauft und es wurde umgebaut. Ich wurde Nutzervertreter – das wurde in einem Meeting mit allen Musikern im Urbankeller kurz davor festgelegt. Im August 1992 war Baubeginn, im Oktober 1993 haben wir aufgesperrt. 

Nun gibt es das Rockhouse bereits seit 23 Jahren. Ist alles so geworden, wie du es dir damals vorgestellt hast?

Das muss ich ein wenig präzisieren. Ich wollte einen Ort haben, wo Auftritte möglich sind – für heimische wie internationale Bands – außerdem wollte ich ein kreatives Arbeitshaus für Salzburger Musiker und natürlich einen Treffpunkt in Form eines Lokals. Das ist aufgegangen weil wir es so geplant haben. Die Idee dahinter ist aber nichts Neues. Das sind Bedürfnisse, die es von Anfang an gab. Zu sagen, ich hätte das erfunden, wäre lächerlich. Man muss das Konzept eben nur in Worte fassen und entschlossen durchziehen.

Was ich mir vom Christkind wünsche, jedes Jahr wieder, ist eine größere Risikobereitschaft im Publikum etwas anzuhören, was heute noch nicht top und in den Medien ist. Ich merke schon, dass Konzerte eher besucht werden, wenn sie bereits im Radio oder sonst wo gespielt werden. Davor haben gewisse Bands aber niemanden interessiert. Viele Musiker waren schon hier, bevor sie groß geworden sind. Danach können wir sie uns eh nicht mehr leisten. Ich wünsche mir Mut zu Neuem.

Gibt es Pläne die du umsetzen wolltest aber nie konntest?

Ja und nein. Das Ja hat natürlich mit Geld zu tun. Ich bin froh, jedes Jahr die X-Tra-Ordinary (jährlich erscheinender Sampler mit Salzburger Interpreten, Anm.) zu machen. Das ist neben dem ganzen Organisatorischen nämlich meine Aufgabe. Was mir aber unheimlich gefallen hätte, wäre den Seminarraum so weit auszubauen, dass er auch als Studio ordentlich nutzbar ist. Ich wünschte mir die Songs der X-Tra-Ordinary hier aufnehmen zu können. Das hat sich mit der heutigen technologischen Entwicklung etwas relativiert.

Das Andere ist eher eine Vision: Ich hätte gerne das Nachbarhaus beim Rockhouse dabei. Da ließe sich nämlich ein 1.000-Besucher-Saal perfekt umsetzen. Platz und Verbindung wären hier, die Halle selbst würde wieder teilweise in den Berg hinein reichen. So weichen wir eben mit größeren Veranstaltungen ins Republic aus. Auch kein Problem, aber es wäre eben lässig, das hier zu haben.

Wie schätzt du aktuell die Salzburger Musikszene ein? 

Wir haben in Salzburg immer gute Musiker gehabt. Das einzige, das gefehlt hat, war eine ordentliche Agentur. Wenn sich eine Band um alles kümmern muss, ist das natürlich schwierig. Das war letztendlich der Grund, warum früher viele Musiker aus Salzburg weggegangen sind. Es hat nur wenige Sturschädel wie uns gegeben. Mit der technologischen Entwicklung ist das aber nun auch nicht mehr unbedingt notwendig.

Heute müssen die Bands dafür einfach mehr arbeiten und sich um das Rundherum kümmern. Das heißt nicht nur viel proben und gute Nummern schreiben, sondern darauf schauen, dass beispielsweise ein Video für Youtube produziert wird. Immer vorausgesetzt, man will etwas erreichen. Heute haben wir aber auf jeden Fall eine Goldene Generation, etwa mit The Makemakes, Olympique, Please Madame und natürlich Dame. Der Zünder dafür waren sicher die Steaming Satellites.

Du bist aber auch selbst in einer Band engagiert. Wie läuft’s?

Die Jekyll & Hide Park Band gibt es heuer 25 Jahre in derselben Besetzung. Wir releasen demnächst unser drittes Album, das eigentlich schon seit eineinhalb Jahren veröffentlicht hätte sein können. Das ist bei uns aber vollkommen egal. Die paar Mal die wir spielen machen wir das zum Spaß, ob uns noch jemand entdeckt oder nicht, ist uns ziemlich Wurst.

Bist du lieber Musik-Manager oder Musiker?

Ganz sicher eher der Musik-Manager, denn als Bassist bin ich bestenfalls Durchschnitt. Man muss sich schon einschätzen können. Ich spiele meine Konzerte ohne dass ich mich blamiere. Ein guter Bassist ist halt aber doch etwas anderes. Es macht natürlich Spaß, aber jeder sollte das machen, was er am besten kann.

descho1b Wolfgang Descho beim Jam mit seiner Tochter Lily. /Wolfgang Descho ©

Gibt es bei dir noch Projekte abseits der Musik?

Ja, meine Tochter. Sonst eigentlich kaum. Für die Band habe ich ohnehin schon zu wenig Zeit, da habe ich oft ein schlechtes Gewissen. Früher haben wir noch den FC Rockhouse gehabt, der ist aber aufgrund von Alterserscheinungen auch schon etwas eingeschlafen. Es war aber auf jeden Fall lustig!

Gibt es eine Anekdote, die dir ganz besonders im Kopf geblieben ist?

Da gibt es eigentlich viele, lass mich überlegen. Vielleicht wie HIM im Jahr 2000 hier gespielt haben. Wir haben den Termin ausgemacht und in der Zwischenzeit haben sie ihren Hit “Join Me” veröffentlicht. Die haben daraufhin ihre ganze Tour auf große Hallen umgestellt, außer die Show im Rockhouse. Und dafür haben sie sich bedankt: ‚Endlich hat man wieder den Schweiß von den Steinen herunterrinnen gesehen‘ – die haben sich ernsthaft dafür bedankt, dass sie wieder eine kleinere und persönlichere Show spielen haben dürfen.

Was steht in Zukunft noch an?

Es hängt natürlich immer viel vom Geld ab. Heuer hatten wir den Umbau, ein Festival war deshalb nicht möglich. Das Stuck!-Festival haben wir fünf Mal gemacht, vom Bund dafür aber immer herzlich wenig Geld bekommen. Ob es in nächster Zeit also wieder so etwas gibt, hängt von den finanziellen Mitteln ab. Unsere Hauptaufgabe ist immer das Jahresprogramm. Außerdem natürlich die Workshops in der Rockhouse Academy.

team Nicht ohne sein Team: Wolfgang Descho (rechts) mit Stellvertreterin Susanna Kuschnig und Programmleiter Wolf Arrer (links). /Wolfgang Descho ©

Bevor wir zu den Entweder-Oder-Fragen kommen, gibt es noch etwas, das du loswerden möchtest?

Eigentlich nur das Eine: Das Rockhouse steht so gut da, weil das gesamte Team den Job gut macht.

 

Dann kommen wir noch zu den Entweder-Oder-Fragen.

 

Frühaufsteher oder Langschläfer? Zwangsweise Frühaufsteher

Lederhose oder Anzug? Anzug

Gibson oder Fender? Gibson

Spontan oder durchgeplant? Beides

Imbiss oder Sterne-Küche? Beides

Bier oder Wein? Bier

Bar oder mit Karte? Beides

Band oder DJ? Band

Kaffee oder Tee? Beides

Berge oder Strand? Strand

Fahrrad oder Auto? Beides

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