Yoga-Trainerin Sabina Sellers: “Yoga hat alles verändert”

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Sabina Sellers lebt die Yoga-Philosophie ganzheitlich.
Sabina Sellers lebt die Yoga-Philosophie ganzheitlich. - © YOGA-Haus Salzburg/SALZBURG24
In der Fastenzeit geht es nicht nur um Verzicht, sondern auch um Ruhe und Reinigung. Im Yoga-Haus Salzburg stehen diese Dinge das ganze Jahr über im Vordergrund. Wir haben uns mit Leiterin Sabina Sellers über Achtsamkeit, den Sinn von Fastenkuren und Egoismus unterhalten. Im Sonntags-Talk verrät die gebürtige Engländerin mit indischen Wurzeln außerdem, warum Yoga ihr Leben komplett verändert hat.




SALZBURG24: Frau Sellers, Sie machen Yoga seit Sie 16 Jahre alt waren. Inwiefern würden Sie sagen, dass Yoga ihr Leben verändert hat?

SABINE SELLERS: Yoga hat alles verändert. Wie ich die Welt betrachte, wie ich mit dem Leben und meiner Gesundheit umgehe. Ich habe meine ganze Karriere geändert. Ich war jahrelang in London bei einer IT-Firma und habe eine ganz andere Sicht auf die Welt gehabt. Es hat auch geändert, wie ich Situationen im Leben sehe, dass man etwa gelassener ist, dass nicht immer alles in unseren Händen liegt. Die Inder glauben viel an Dharma (Daseinsgesetz, Anm.) und Karma, etwas, das schon vorgegeben ist. Es wird so passieren, wie es passieren soll.

Hat es einen bestimmten Auslöser gegeben, weshalb Sie ihr Leben komplett umgekrempelt haben?

Absolut. Ich bin nur noch im Hamsterrad gelaufen: Nur am Arbeiten, nur das Materielle zählt. Ich war langsam auf dem Weg zum Burnout. Dann bin ich ein Jahr nach Indien gegangen, habe viel meditiert und auf einmal habe ich zum Weinen angefangen und gedacht: Das kann nicht sein, dass mein Leben so ist. Als ich zurückkam habe ich gekündigt, habe mich scheiden lassen, das Haus verkauft und bin mit zwei Koffern nach Österreich gekommen.

Warum haben Sie mit Yoga begonnen?

Ich habe mit 16 angefangen, weil ich eine schlechte Körperhaltung hatte. Mit 18 Jahren bin ich nach Indien, habe Yoga so richtig für mich entdeckt und bin krank geworden. Die Inder nennen das „Delhi-Belly“, das ist ein Darmvirus, den man oft bekommt in Indien. So habe ich mich dann auch mit Ernährung beschäftigt. Als ich zurückgekommen bin habe ich das erste Mal gefastet. Diese Viren muss man wieder aus dem Körper bekommen.

In der Fastenzeit steht der Verzicht bei vielen wieder im Vordergrund. Wann haben Sie zuletzt gefastet?

Ich war gerade in Sri Lanka und Indien und habe drei Wochen eine Ayurveda-Kur gemacht. Da geht es um Reinigung, Entgiftung, Ruhe, die fünf Sinne und um Verzicht. Im Yoga sagen wir, dass wir Dinge über unsere fünf Sinne wahrnehmen. Wenn wir die noch schärfen, sind wir achtsamer und auch unsere Wahrnehmung ist vertieft. Bei einer Fastenkur geht es darum, diese fünf Sinne zu entspannen.

Fasten soll eine Reinigung für Körper und Seele sein und auch die Wahrnehmung schärfen. Inwiefern kann mich Yoga dabei unterstützen?

Beim Fasten können einfache Yoga-Übungen helfen, sodass die Organe nicht sofort zurück in ihre alten Muster fallen. Das kann man gut mit Yoga-Drehungen verbinden, die innerlich reinigen.

Was hat es mit der Achtsamkeit genau auf sich?

Mit Yoga versuchen wir, uns auf einer tieferen Ebene zu spüren. Nicht nur körperlich, sondern auf feinstofflicher Ebene. Damit man wahrnehmen kann, wie die Energie im Körper fließt. Wenn man diese Wahrnehmung hat, ist man im Leben achtsamer. Wenn man sich selbst spüren kann und sich Zeit für sich nimmt, dann kommen Selbstliebe und Selbstrespekt. So kommt man in die Welt und geht auch mit anderen respektvoller um.

Achtsamkeit bedeutet also nicht nur, dass ich auf mich selbst besser aufpasse, sondern, dass ich auch meine Einstellung gegenüber anderen ändere?

Ganz genau.

Haben die Menschen das verlernt?

Ja. Das Wort Ego kommt sehr viel vor, weil es eine harte Welt ist, in der wir uns zurechtfinden müssen. Da geht es nicht nur darum auf sich zu schauen, sondern man wird egoistisch. Und beim Yoga gibt es einen Teil der sich damit beschäftigt das wahre Ego oder Ich zu finden, nicht eine selbstsüchtige Version. Die Zielstrebigkeit lässt man da los. Darum ist es gut, Yoga in einer Gruppe zu machen, mit Leuten mit verschiedenen Fähigkeiten. Man hilft, man begleitet sich gegenseitig und merkt, dass wir eigentlich zusammen ein bisschen besser funktionieren.

In den letzten Jahren konnte man einen gewissen Yoga-Boom beobachten. Warum hat das plötzlich wieder so einen Reiz für die Menschen?

Wir sind sehr leistungsorientiert. Und beim Yoga geht es eben nicht um Leistung. Man braucht diese Balance im Leben, zwischen Tun und Nichts-Tun, zwischen Handeln und Nicht-Handeln. Ich glaube auch, dass die Leute von sich selbst weggekommen sind, keiner hat mehr Zeit für sich. Yoga gibt die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und sich auf sich selbst zu konzentrieren.

In der Yoga-Philosophie haben wir acht Glieder: Die Gebote, die Selbstreinigung, die Yoga-Asanas, die Atemübungen und Konzentration. Dann das Zurückziehen der Sinne, Meditation und das Letzte ist Samadhi, die absolute Wahrnehmung von allem. Man sagt es ist Erleuchtung. Beim Yoga ist es glücklich zu sein, wie wir sind. Dieses Glücklichsein kann nur geschehen, wenn wir eine absolute Klarheit darüber haben, wer wir sind und wo wir hin möchten in unserem Leben. Und das ist es, was wir versuchen zu erreichen. Das ist ein lebenslanger Prozess.

Yoga will Körper und Geist vereinen. Mittlerweile geht es dabei aber auch um Fitness. Schadet das dem ursprünglichen Yoga-Gedanken?

Absolut ja. Ich finde es schade, dass es das jetzt in so vielen Fitness-Studios gibt. Die Leute machen das in einem Raum, der oft für etwas anderes verwendet wird. Das ist wie bei einer Maschine, man kommt rein, man geht raus, dann kommt schon der nächste. Wir erarbeiten auch alles, was rundherum zum Yoga dazugehört: Das man sich mit Ernährung beschäftigt, mit Körperpflege.

Damit man Yoga auch als Lebenseinstellung übernimmt?

Yoga ist eine Lebensphilosophie. Dabei geht es nicht nur um den Einklang zwischen Körper und Geist. Es geht um die Selbstwahrnehmung, wie wir die Welt und uns selbst betrachten. Wir sehen alles im Vergleich zur Materie. Es gibt aber noch eine Wahrheit, die nicht mit Materie verbunden ist. Ich sage etwa, ich kann gut tanzen, weil ich auf einer Ballettschule war. Aber das ist ein Muster, das jemand in meinen Kopf gesetzt hat. Dabei gibt es auch meine Seite, wie ich mich betrachte. Wir vergleichen uns immer mit etwas, das greifbar ist. Es gibt aber noch mehr. Und das ist die Yoga-Philosophie: Ohne all diese Muster und Konditionen und viel tiefer zu uns selbst finden.

Dafür braucht es dann aber mehr, als ein paar Yoga-Übungen die Woche, oder?

Ja, und es geht dabei nicht um Fitness oder eine bestimmte Haltung. Es geht um philosophisches Denken und das braucht vor allem Zeit. Es ist ganz wichtig in etwas zu verweilen und nur zu sein.

Ist das noch etwas, dass wir neu lernen müssen: Diese Entspannung, bei der wir Geist und Körper loslassen?

Wenn man einen normalen Tag betrachtet, dann schläft man sieben bis acht Stunden und die restliche Zeit gibt man Vollgas. Manche verbringen vielleicht die Stunde vor dem Schlafengehen damit, ein Buch zu lesen, oder fernzusehen, aber das ist auch keine reine Entspannung. Entspannung ist immer körperlich und geistig. Aber an nichts zu denken – niemand nimmt sich die Zeit dafür.

Wie kann mir Yoga im Alltag weiterhelfen?

In der Früh bereiten wir unseren Körper vor: Wir kämmen uns die Haare, putzen die Zähne, machen uns frisch. Warum strecken wir uns nicht? Oder im Büro, da sitzen wir ewig in der gleichen Position: Zwischendurch die Hände ausstrecken, den Oberkörper im Bürosessel drehen oder einfach zwischendurch aufstehen, damit die Energie nicht stagniert. Hauptsächlich geht es aber um die Philosophie. Es geht darum, sich selbst jederzeit zu spüren. Wenn ich spüre, dass meine Augen vor dem Computer müde werden und ich dann etwas anderes tue. Rauszukommen und zu sagen: Ich habe zu viel um die Ohren und nehme mir jetzt Zeit für mich. Das ist eigentlich das alltägliche Yoga.

Vielen Dank für das interessante Gespräch Frau Sellers!

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