Zahl der Tabaktoten steigt

Akt.:
Australien will den Preis für eine Packung auf 32,17 Euro anheben
Australien will den Preis für eine Packung auf 32,17 Euro anheben - © APA
In diesem Jahrhundert könnten eine Milliarde Menschen weltweit durch den Tabakkonsum sterben. Es müssten alle Maßnahmen getroffen werden, um das Rauchen weltweit zurückzudrängen. Dies erklärten am Freitag Experten bei einem Workshop der Zentraleuropäischen Initiative gegen Lungenkrebs in Prag (bis 1. April).

“Es ist furchtbar. Erst vergangenen Montag habe ich eine 1969 geborene Patienten mit diagnostiziertem fortgeschrittenen Lungenkrebs bei mir gehabt. Sie hat zwei Töchter, eine sechs, die andere 16 Jahre alt und lebt mit ihnen von ihrem Mann getrennt”, schilderte der Wiener Lungenkrebsspezialist Robert Pirker (MedUni Wien/AKH) eine von fast täglichen Erfahrungen in der Onkologie.

Sechs Millionen Tabaktote pro Jahr

“Sechs Millionen Menschen sterben derzeit jährlich weltweit durch den Tabakkonsum. Im Jahr 2030 werden es rund acht Millionen Tote sein”, sagte Pirker. Das Lungenkarzinom sei weltweit die gefährlichste Krebsart. Jährlich werden weltweit 1,8 Millionen Neudiagnosen gestellt. 1,6 Millionen Menschen sterben an der Krankheit. Die Zahl der Tabak-Opfer dürfte – wie der Onkologe mit Verweis auf die Berechnungen des britischen Epidemiologie-Gurus Sir Richard Peto darstellte – im 21. Jahrhundert bei steigender Weltbevölkerung die derzeitige Einwohnerzahl Afrikas (1,1 Milliarden Menschen) erreichen.

Der Linzer Lungenspezialist Kurt Aigner (Initiative Ärzte gegen Raucherschäden) begrüßte zwar die nunmehr von den Landesjugendräten beschlossene Anhebung des Tabak-Schutzalters auf 18 Jahre im Laufe des Jahres 2018, Österreich liege aber trotzdem im internationalen Vergleich bei den Tabakkontrollmaßnahmen schlecht: “Wir sind im neuesten europäischen Ranking, das erst vor wenigen Tagen herausgekommen ist, wieder die letzten.” Von möglichen hundert Punkten erreichte Österreich nur 36. Vor Österreich rangieren mit geringem Abstand Deutschland, Luxemburg, Griechenland und Tschechien am Ende der Liste. An der Spitze liegt Großbritannien mit 81 Punkten vor Irland (70), Island (69) und Frankreich (64).

33 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen greifen zum Tabak

Österreich reiht sich mit seiner Raucherquote in die zumeist schlechten Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas ein. Inklusive der Gelegenheitsraucher greifen in Österreich laut von dem ungarischen Experten Gabor Kovacs präsentierten Zahlen etwa 33 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen zum Tabak. In Ungarn sind es 34 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen. Die gesamte Raucherquote hätte sich in Österreich zwischen 1980 und 2012 von 28 auf 32 Prozent der Menschen erhöht und sei zuletzt aber stabil geblieben. In Ungarn sei sie durch Kontrollmaßnahmen von 35 auf 29 Prozent zurückgegangen.

“Verdreifacht man den Preis für die Zigaretten, halbiert man die Zahl der Raucher – und die Regierung gewinnt das Doppelte. Verdoppelt man den Zigarettenpreis, sinkt die Raucherrate um ein Drittel”, zitierte Pirker den britischen Epidemiologen zu der wahrscheinlich wichtigsten Maßnahme zur Verringerung des Tabakkonsums.

32,17 Euro kostet Zigarettenpackung in Australien

Wie es bei dem Workshop hieß, müssten die Zigaretten entsprechend der Kaufkraft der Bevölkerung verhältnismäßig sehr teuer werden, damit solche Maßnahmen einen Effekt haben. Kovacs stellte dar, dass in Österreich der Durchschnittspreis für eine Packung Zigaretten bei 4,5 Euro liege, in osteuropäischen Ländern (Tschechien, Polen etc.) mit viel geringerer Kaufkraft bei um die drei Euro.

“Australien will bis 2020 den Preis für eine Packung Zigaretten auf 45 Australische Dollar anheben (32,17 Euro)”, sagte die tschechische Expertin Eva Kralikova. Dies und Maßnahmen zur Behinderung der Erhältlichkeit von Tabakprodukten wären wohl am wichtigsten im Kampf gegen den Tabakkonsum.

“Uruguay hat das mit einem Onkologen als Präsidenten vorgeführt. Dort sank die Raucherrate bei der Schuljugend von 30 Prozent auf neun Prozent zwischen 2004 und 2014. Bei den Erwachsenen reduzierte sich die Raucherquote durch die verschiedenen Maßnahmen zwischen 2006 und 2011 von 32 auf 23 Prozent”, sagte Pirker.

Richard Peto hat auf der Basis der Million Women Health Study übrigens errechnet, dass sich ein Rauchstopp immer auszahlt: Raucher haben eine dreifach höhere Mortalität als Niemals-Raucher. Hören sie erst mit 50 Jahren mit dem Griff zur Zigarette auf, halbieren sie immerhin noch ihr Gesamt-Sterberisiko auf den Faktor 1,56. Das 25-fache Lungenkrebsrisiko fällt bei einem Rauchstopp mit 50 immerhin noch auf das Sechsfache.

(APA)

Leserreporter
Feedback


Aktuelle News

- Das war der Perchtenflohmarkt ... +++ - Muli-Absturz in Maria Alm: Lan... +++ - Koppl: 24-Jähriger versorgt si... +++ - Motorradfahrer stürzt in Maish... +++ - Rußbach: Landwirt bei Traktor-... +++ - Motorrad fast so laut wie Düse... +++ - 350 Rekruten im Pinzgau angelo... +++ - "Secret Garden": Die besten Bi... +++ - Oldtimer-Fans und Bier-Liebhab... +++ - Einbrecher treiben in der Land... +++ - Wagrain: 45-Jähriger von umstü... +++ - EU-Kommissar Johannes Hahn mit... +++ - Fahrräder gestohlen und online... +++ - Salzburger Jugendmonitor: Weni... +++ - In Apotheke in Henndorf Pistol... +++
0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen