Zehn Kinder verbrennen oder verbrühen sich pro Tag

Ein Unfall kann schnell passieren. (Symbolbild)
Ein Unfall kann schnell passieren. (Symbolbild) - © Bilderbox
Unfälle, wie der des zweijährigen Buben aus Oberösterreich (wir haben berichtet) zeigen, wie schwer die Auswirkungen von Verbrühungsunfällen vor allem bei Kindern sind. Wir geben euch Tipps, was im Fall des Falles zu tun ist.

Jährlich müssen rund 3.000 Kinder wegen Verbrennungen oder Verbrühungen im Krankenhaus behandelt werden, zwei Drittel davon sind Kleinkinder unter vier Jahren. Die kalten Wintermonate sind dabei eine Hochrisikozeit. Allein im Jänner müssen in Österreich pro Tag etwa zehn Kleinkinder aufgrund einer Verbrennung oder Verbrühung ins Krankenhaus.

Zehn Kinder verbrennen oder verbrühen sich pro Tag

„Unfälle mit thermischen Verletzungen zählen zu den häufigsten Unfallarten bei Kindern in den eigenen vier Wänden. Besonders stark unterschätzt wird die Gefahr von heißen Flüssigkeiten, dabei sind etwa 60 Prozent der thermischen Verletzungen Verbrühungen. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, besonders jetzt, wo heiße Flüssigkeiten allgegenwärtig sind, auf die Gefahr von Verbrennungen und Verbrühungen aufmerksam zu machen“, erklärt Othmar Thann, Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) am Donnerstag in einer Aussendung.

Eine halbe Tasse Tee…

Kinderhaut ist deutlich dünner als die Haut von Erwachsenen, weshalb Verbrühungen und Verbrennungen oft schwerwiegende Folgen haben. Wenn Kinderhaut mit ca. 50 Grad Celsius heißem Wasser in Kontakt kommt, wird diese bereits so stark geschädigt, dass Brandblasen entstehen können. Trifft eine heiße Flüssigkeit mit 65 Grad Celsius nur eine halbe Sekunde auf die Haut eines Kindes, kann sie sogar Verbrennungen dritten Grades verursachen. „Der Inhalt einer halben Tasse Tee reicht aus, um eine Verbrühung von rund 30 Prozent der Körperoberfläche eines Kleinkindes zu verursachen“, erläutert Brandverletzungsexperte Lars-Peter Kamolz, Leiter der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am LKH-Univ. Klinikum Graz. „Dazu muss man wissen, dass für Kleinkinder bereits Verbrennungen im Ausmaß von zehn Prozent tödlich enden können“.

Schnelle Hilfe ist entscheidend

Falls es trotz aller getroffenen Sicherheitsvorkehrungen dennoch einmal zu einem Unfall kommt, ist rasche Hilfe erforderlich. „Über die zerstörte Haut geht viel Flüssigkeit verloren, weshalb bei Kleinkindern schnell Schockgefahr besteht. Es gilt: Keine Zeit verlieren! So schnell wie möglich die Rettung alarmieren oder ein Krankenhaus aufsuchen“, so Kamolz. „Notwendig ist ärztliche Versorgung grundsätzlich immer dann, wenn die Verbrennung oder Verbrühung größer als die Handfläche des Kindes ist. Viele Aufsichtspersonen sind sich nicht bewusst, dass ein Verbrennungsunfall für Kinder schnell lebensbedrohlich sein kann.“

Sicherheitstipps gegen Verbrennungen/Verbrühungen:

  • Den Herd durch ein Herdschutzgitter abschirmen, vorzugsweise die hinteren Kochfelder verwenden und die Griffe von Töpfen und Pfannen zur Wand drehen.
  • Gefäße mit heißen Flüssigkeiten (Tassen, Becher, Suppenteller, Suppentöpfe, Inhalier-Geräte) so auf Anrichte oder Tisch stellen, dass kleine Kinder sie nicht erreichen oder herunterziehen können.
  • Herabhängende Tischdecken vermeiden.
  • Besondere Vorsicht beim Tragen von Gefäßen mit heißen Flüssigkeiten, wenn kleine Kinder in der Wohnung herumtollen.
  • Die Kabel von Elektrowasserkochern, Fritteusen, Kaffeemaschinen und Bügeleisen nicht herunterhängen lassen, sondern in den hinteren Bereich der Arbeitsfläche verlegen oder aufrollen.
  • Kinder nicht alleine in der Küche lassen – Missgeschicke passieren schneller als man denkt.
  • Temperatur des Badewassers mit Thermometer kontrollieren (maximal 37 Grad Celsius). Temperatur-Begrenzer (Thermostat) einbauen, damit Kinder den Heißwasserhahn nicht allein betätigen können. Kinder beim Baden immer beaufsichtigen.
  • In Wärmeflaschen keine Flüssigkeiten über 45 Grad Celsius füllen, und die heiße Wärmeflasche nie in direkten Kontakt mit der Haut bringen.
  • LED-Lichter statt Kerzen verwenden. Auch diese gibt es bereits in Form von Teelichtern.

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