Zeithistorikerin Erika Weinzierl (89) gestorben

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Archivbild der Historikerin Erika Weinzierl
Archivbild der Historikerin Erika Weinzierl
Die Grande Dame der österreichischen Zeitgeschichte, Erika Weinzierl, ist tot. Die angesehene Historikerin starb Dienstagfrüh 89-jährig in Wien, teilte das Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien der APA mit. Weinzierl widmete über Jahrzehnte ihre wissenschaftliche Arbeit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus.


Weinzierl, am 6. Juni 1925 in Wien geboren, wurde 1969 ordentliche Professorin für Österreichische Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte an der Universität Salzburg. Von 1979 bis 1990 war sie Vorstand am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Zu ihren Spezialgebieten zählten neben dem Nationalsozialismus die Themen Kirchengeschichte, Widerstandsbewegung und Antisemitismus. Knapp nach ihrem 70. Geburtstag emeritierte Weinzierl im Juni 1995 als Universitätsprofessorin, allerdings blieb sie auch danach weiterhin wissenschaftlich tätig.

Der Zeithistoriker Oliver Rathkolb würdigte in einem Nachruf Erika Weinzierl als eine “weit über die akademischen Grenzen hinaus bekannte Zeithistorikerin”. Sie sei mit großem Engagement für eine kritische Auseinandersetzung mit der jüngsten Geschichte Österreichs, insbesondere mit Antisemitismus und Nationalsozialismus, eingetreten und habe mehrere Generationen von Historikern nachhaltig geprägt.

“Ethisches aktives Handeln zur Durchsetzung von Menschenrechten und offene historische Auseinandersetzung mit Menschenrechtsverletzungen zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk Weinzierls”, so der langjährige Kollege der Historikerin in dem der APA vorliegendem Schreiben. Weinzierl habe wie kein Zeithistoriker vor ihr in wissenschaftlichen Arbeiten, in der Lehre, in den Medien und bei Vorträgen offen auf gesellschaftspolitische Trends und Strömungen reagiert, ihre Präsenz in der österreichischen Öffentlichkeit sei untypisch für akademische Historiker gewesen.

Als engagierte Demokratin und Österreicherin sei sie eine “kritische Analytikerin der autoritären und faschistischen Vergangenheit Deutschlands und Österreichs sowie totalitärer Regime während des Kalten Krieges” gewesen. Dabei habe sie nie die Auseinandersetzung mit prominenten Politikern gescheut, so Rathkolb unter Hinweis auf Weinzierls Kritik an Bruno Kreisky und dessen Haltung in der Auseinandersetzung zwischen “Nazi-Jäger” Simon Wiesenthal und dem damaligen FPÖ-Chef Friedrich Peter und an Jörg Haider wegen dessen “wiederholter Verharmlosung von Nationalsozialismus, Zweitem Weltkrieg und Holocaust”.

Bundespräsident Heinz Fischer würdigte in einer Aussendung den Beitrag der verstorbenen Zeithistorikerin Erika Weinzierl “zur Festigung des demokratischen Bewusstseins”, dieser könne “gar nicht hoch genug eingeschätzt werden”. Österreich verliere mit ihrem Tod “die Doyenne der zeitgeschichtlichen Forschung”. Ihre Arbeiten zur Dokumentation der dunkelsten Kapitel der Geschichte des Landes hätten viele Österreicher motiviert, sich kritisch mit zeithistorischen Themen auseinanderzusetzen, so der Bundespräsident.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) betonte die Verdienste der verstorbenen Zeithistorikerin Erika Weinzierl “um eine umfassende und tabulose Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus”. Sie sei eine über Parteigrenzen hinweg anerkannte moralisch-ethische Instanz gewesen, die ihre zutiefst demokratische Grundhaltung immer wieder zum Ausdruck gebracht habe.

Erika Weinzierl habe “unendlich viel für einen differenzierten Umgang mit der Geschichte getan”, sagte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ). Sie sei eine “große Wissenschafterin mit Haltung gewesen, die schonungslos diagnostizierte”. Österreich verliere mit ihr ein “mahnendes Gewissen”.

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