Zu früh entlassener Räuber war ein “Pink Panther”

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Ilija B. wurde drei Jahre zu früh entlassen
Ilija B. wurde drei Jahre zu früh entlassen
Der Räuber, der drei Jahre zu früh aus der Justizanstalt Garsten entlassen wurde, gehörte der “Pink-Panther”-Bande an – einer berüchtigten, auf Juwelier-Überfälle spezialisierten kriminellen Organisation, die von Belgrad aus Straftaten in ganz Europa plant. Das ergaben Recherchen der APA. Außerdem kam er bereits zum zweiten Mal aus kaum nachvollziehbaren Gründen vorzeitig aus dem Gefängnis.


Ilija B. war am 28. November 2005 an einem bewaffneten Raubüberfall auf einen Juwelier in Eisenstadt beteiligt. Einem 22 Jahre alten Uhrmacher, der die maskierten Täter nach dem Coup bis zu ihrem Fluchtfahrzeug verfolgte, schoss einer der Kriminellen aus kurzer Distanz ins Gesicht. Der junge Mann wurde zum Pflegefall, sieben Jahre später starb er an den Verletzungsfolgen.

Eine Sonderkommission der burgenländischen Polizei konnte nach penibler, Länder übergreifender Ermittlungsarbeit die drei mutmaßlichen Täter ausforschen. Neben Ilija B. wurden im Dezember 2006 zwei weitere Serben in ihrer Heimat festgenommen. Neben dem brutalen Raub in Eisenstadt, bei dem sie Schmuck im Wert von knapp 450.000 Euro erbeutet hatten, konnten ihnen auch zahlreiche Einbrüche nachgewiesen werden. Die Kriminalisten brachten außerdem zutage, dass die drei Männer der berüchtigten “Pink-Panther”-Gruppierung angehörten.

Dennoch setzten die serbischen Behörden zwei der drei Verdächtigen – neben Ilija B. auch Slavko P., der den letztlich tödlichen Schuss auf den jungen Uhrmacher abgegeben haben soll – wenige Tage später wieder auf freien Fuß. Die beiden setzten darauf ihre kriminellen Karrieren fort: Slavko P. wurde später in Spanien wegen mehrfachen Raubüberfalls zu sechseinhalb Jahren verurteilt, Ilija B. ging der Polizei in Deutschland ins Netz. Er wurde 2008 vom Amtsgericht Hagen wegen vierfachen schweren Raubes zu sechseinhalb Jahren verdonnert.

Nach Verbüßung der Hälfte der Strafe leisteten die deutschen Behörden einem Auslieferungsersuchen der österreichischen Justiz Folge – Ilija B. konnte in Eisenstadt wegen seiner Mitwirkung am Überfall aus dem Jahr 2005 vor Gericht gestellt werden. Im Mai 2012 fasste er eine Zusatzstrafe von sechs Jahren und einem Monat aus, wobei die Geschworenen davon ausgingen, dass er das Fluchtfahrzeug gelenkt hatte. Reguläres Strafende wäre für ihn Herbst 2017 gewesen.

Der Schwerkriminelle wurde jedoch im Juni 2014 von der Justizanstalt (JA) Garsten “ganz normal entlassen”, wie der Leiter der Vollzugsdirektion, Peter Prechtl, am Montag der APA erklärte. Grund dafür war laut Prechtl ein “Irrtum bei der Dateneingabe”: Als B. nach seiner Verurteilung in Eisenstadt bei seiner Einlieferung in die JA Garsten erfasst wurde, wurde der in Deutschland erlassene Strafrest von drei Jahren übersehen und ihm stattdessen irrtümlich auf die Eisenstädter Strafe angerechnet. Das Computersystem spuckte daher ein falsches Entlassungsdatum aus, das der Kriminelle ausnutzte und nicht richtig stellte.

Ilija B. wurde nach seiner Entlassung mit einem Aufenthaltsverbot belegt und nach Serbien abgeschoben. Jetzt wird er mit Europäischem Haftbefehl gesucht. Dabei hätte er in der kommenden Woche als Zeuge unter Wahrheitspflicht im Prozess gegen Slavko P. in Eisenstadt aussagen sollen. Dieser hat sich ab 15. Oktober wegen Raubmords in einer zweitägigen Verhandlung vor Geschworenen zu verantworten. Ilija B. wäre so etwas wie der Kronzeuge der Anklage gewesen – er soll P. einmal als an dem Überfall Beteiligten genannt haben, und da sein eigenes Verfahren in dieser Sache rechtskräftig erledigt ist, wäre ihm kein Entschlagungsrecht mehr zugekommen.

Der Mordprozess gegen Slavko P., der einem 22-jährigen Juwelier-Mitarbeiter bei dem Überfall vor fast neun Jahren in Eisenstadt ins Gesicht geschossen haben soll, soll unterdessen trotz des Fehlens des Zeugen Ilija B. – “normal” stattfinden. Das teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Eisenstadt, Roland Koch, auf Anfrage der APA mit.

“Die Beweislage ist sehr gut und sehr dicht”, erklärte Koch. Die Tatsache, dass der Zeuge nicht da sein werde, sei nun nicht zu ändern. Es gebe genügend Möglichkeiten, die bereits getätigten Aussagen vorzutragen – in welcher Form auch immer. Zwar wäre es besser, wenn der Zeuge anwesend wäre, “aber in diesem konkreten Fall ist das nicht so dramatisch”, sagte Koch.

Die Anklage gegen den 27-jährigen Slavko P. lautet auf Mord und schweren Raub als Mitglied einer kriminellen Vereinigung. Die Hauptverhandlung in Eisenstadt ist für zwei Tage angesetzt. Wie schon bei der Verhandlung gegen den Komplizen vor zweieinhalb Jahren gelten auch diesmal wieder erhöhte Sicherheitsvorkehrungen.

Nachdem ausgerechnet ein Mitglied der berüchtigten “Pink Panther”-Bande drei Jahre zu früh aus dem Gefängnis entlassen wurde, hat die Vollzugsdirektion nun eine groß angelegte Überprüfung sämtlicher Entlassungsdaten in den heimischen Justizanstalten (JA) veranlasst. Wie Peter Prechtl, der Leiter der Vollzugsdirektion, der APA erklärte, wurde per Erlass eine entsprechende Kontrolle angeordnet.

Darüber hinaus wird bei besonders schweren Fällen das Sechs-Augen-Prinzip eingeführt. Bisher war es üblich, dass im Strafvollzug zumindest zwei Beamte mit dem Erfassen bzw. der Eingabe von personenbezogenen Daten – darunter auch der Entlassungstermin – der Häftlinge betraut waren. Bei Schwerkriminellen sollen zukünftig zusätzlich auch der Vollzugs- bzw. Anstaltsleiter ein Auge auf die Daten haben, kündigte Prechtl an. Die Vollzugsdirektion hofft, dass sich damit “Schnitzer” wie jener in der JA Garsten vermeiden lassen.

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