Zubin Mehta dirigiert “Falstaff”-Premiere in Staatsoper

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"Was auf die Bühne kommt, ist immer eine Überraschung"
"Was auf die Bühne kommt, ist immer eine Überraschung" - © APA (AFP)
2016 ist selbst für Zubin Mehta ein volles Jahr – feierte der Maestro doch am 29. April seinen 80. Geburtstag und ist dennoch unvermindert aktiv. So steht am 4. Dezember in der Wiener Staatsoper mit Verdis “Falstaff” die nächste Premiere an – in der Interpretation von David McVicar. Dessen traditionellere Regiearbeit geht nicht zuletzt auf Mehtas Wunsch zurück, unterstrich dieser vor Journalisten.

“Ich bin schon vor zwei Jahren mit Dominique Meyer (Staatsopern-Direktor, Anm.) zusammengesessen und habe ihm gesagt: Bitte, das wird wahrscheinlich meine letzte Neuinszenierung des ‘Falstaff’. Machen wir es wenigstens einmal im 15./16. Jahrhundert”, so Mehta. Dabei sei er keineswegs per se gegen moderne Regiekonzepte, so lange diese aus dem Werk heraus entstünden, was nicht immer der Fall sei.

“Wann sehen wir als Dirigenten diese Sachen? Nie bei der Regieprobe. Frühestens bei der Klavierhauptprobe”, betonte der gebürtige Inder, der sich an einen “Siegfried” an der Bayerischen Staatsoper in München erinnerte, den 2002 David Alden inszenierte. “Mitten im Akt buht das Publikum. Ich schaue nach oben und sehe: Siegfried pischt auf das Schwert. Das gab es nicht einmal in der Generalprobe!” Seine Conclusio ungeachtet aller Konzeptionsgespräche: “Was am Schluss auf die Bühne kommt, ist immer eine Überraschung.”

Zumindest im Graben kann Mehta hingegen auf Altvertrautes zurückgreifen, hat er mit den Wiener Philharmonikern doch bereits 2013 den “Falstaff” bei den Salzburger Festspielen erarbeitet. “Wir sind sehr aufeinander eingespielt”, zollte der 80-Jährige den Musikern seinen Respekt: “Ich leite hier einen Rolls-Royce.”

Dabei sei er selbst vom “Falstaff”, den er in seiner persönlichen Verdi-Historie verhältnismäßig spät das erste Mal dirigiert habe, fasziniert: “Hier gibt es keine Leitmotive. Es ist die Rückkehr zu Mozart und Rossini.” Der alte Verdi habe in seinem letzten Werk etwas Frisches auf die Beine gestellt, das aus dem Nichts zu kommen scheine. Die Erklärung, weshalb die Shakespeare-Adaption ungeachtet aller Popularität nicht an die Beliebtheit einer “Traviata” oder eines “Rigoletto” heranreiche, sei dennoch einfach: “Der Tenor stirbt am Ende nicht.”

“Falstaff” hin oder her, wäre Zubin Mehta nicht Zubin Mehta, wenn er es “nur” bei einer Opernpremiere beließe. Am vergangenen Mittwoch hat er den 124 Quadratmeter großen Zubin-Mehta-Saal im Anatomiegebäude der Universität für Musik und darstellende Kunst (mdw) eingeweiht – in jener Institution, an der er einst unter Hans Swarowsky studierte. Hinzu kommt am 8. Dezember ein Konzert mit dem Webern Symphonie Orchester der mdw im Musikverein und ein persönliches Debüt des Dirigenten: Am 11. Dezember führt Mehta erstmals die Wiener Hofburgkapelle durch Haydns “Paukenmesse” und Mozarts Symphonie in g-Moll.

(APA)

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