Zustand von Jules Bianchi wohl “aussichtslos”

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In diesem Krankenhaus in Yokkaichi kämpfen die Ärzte weiter um sein Leben von Jules Bianchi.
In diesem Krankenhaus in Yokkaichi kämpfen die Ärzte weiter um sein Leben von Jules Bianchi. - © APA/EPA/FRANCK ROBICHON
Etwas mehr als eine Woche nach dem Horror-Crash von Jules Bi­anchi in Su­zuka bangt die Formel 1 weiter um das Leben des 25-jäh­rigen Franzosen. Sein Vater sprach nun über den Gesundheitszustand seines Sohnes.

Mit erschütternder Offenheit hat der Vater von Jules Bianchi über die “verzweifelte” Lage des schwer verunglückten Formel-1-Piloten gesprochen. “Bei jedem Telefonklingeln wissen wir, dass es das Krankenhaus sein könnte, das uns sagt, dass Jules tot ist”, sagte Philippe Bianchi in einem Exklusivgespräch der italienischen Zeitung “La Gazzetta dello Sport”.

 

Die Eltern von Bianchi hoffen weiter auf ein Wunder. (c) APA/EPA/FRANCK ROBICHON Die Eltern von Bianchi hoffen weiter auf ein Wunder. (c) APA/EPA/FRANCK ROBICHON ©

Die Ärzte hätten ihnen gesagt, dass noch nie jemand einen so schweren Unfall überlebt habe und es an Wunder grenze, dass ihr Sohn noch lebe. “Es gibt Momente, in denen ich Jules anschaue, ohne eine Schramme im Bett liegend, und ihm am liebsten einen Klaps auf die Wange geben und sagen würde: ‘Los, steh auf, warum liegst du da? Lass uns Japan verlassen, Jules, fahren wir nach Hause'”, erzählte Philippe Bianchi.

“Durchleben einen Albtraum”

Wie der Rest der Familie, enge Freunde und auch Michael Schumachers Arzt Gerard Saillant war er auf dem schnellsten Weg nach Yokkaichi gereist. Dort kämpft sein 25-jähriger Sohn seit seinem Unfall am 5. Oktober gegen Ende des Großen Preises von Japan in Suzuka um sein Leben. Der Franzose erlitt schwerste Schädelverletzungen. Das wahre Ausmaß der Schädigungen ist nicht ersichtlich. “Es ist hart, in einer Woche ist das Leben unserer Familie zerstört worden”, sagte der Vater von Bianchi: “Was machen wir, wie machen wir das hier, weit weg von allem? Wir durchleben einen Albtraum.”

 

Kraft gibt der Familie nicht nur das ungebrochene Vertrauen in die Stärke von Jules Bianchi, sondern auch die riesige Anteilnahme. “Ich habe noch nie etwas Ähnliches gesehen”, sagte Philippe Bianchi. “Wir sind sicher, dass all diese Liebe, diese Energie, dass Jules das fühlen kann.”

Formel-1-Kollegen sind sprachlos

Unter anderem nannte er Jean-Eric Vergne von Toro Rosso, Fernando Alonso von Ferrari oder auch Felipe Massa von Williams, die ihnen Nachrichten hätten zukommen lassen. So wie auch WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton. “Hamilton hat uns eine wunderschöne E-Mail geschrieben, in der er uns gesagt hat, wenn er etwas tun kann, ist er für uns da”, so der Bianchi-Vater. Ferrari-Teamchef Marco Mattiaci sei die gesamte Nacht nach dem Unfall im Krankenhaus geblieben. Jules Bianchi gehört seit 2010 der Fahrer-Akademie des italienischen Teams an.  

 

“Wissen nicht wie es ihm geht”

Philippe Bianchi erinnerte in dem Gespräch mit der italienischen Sportzeitung auch an die Situation von Michael Schumacher nach dessen Skisturz am 29. Dezember 2013, bei dem sich der Rekordweltmeister ein schweres Schädel-Hirntrauma zugezogen hatte. “Mir ging es schlecht, als er sich verletzt hat. Und auch ich habe mich wie alle anderen gefragt, warum sie uns nicht sagen, wie es ihm geht. Jetzt fragen mich alle, wie es Jules geht, aber ich kann keine Antwort geben, weil es keine Antwort gibt”, sagte Bianchis Vater.

 

“Er ist sehr schwer verletzt, aber sein Zustand ist stabil”, erklärte er. Einen Tag scheine es etwas besser, einen anderen etwas schlechter zu gehen. “Die Ärzte sagen nichts, der Schaden durch den Aufprall war groß, aber sie wissen nicht, wie es sich entwickeln wird.” Zum medizinischen Team gehört nach seinen Angaben auch ein Neurochirurg, den Ferrari nach Japan entsandt hat.

Großonkel starb im Cockpit

Ans Rennfahren denkt niemand, für Bianchi geht es nur darum zu überleben. Als hätte die Bianchi-Familie durch ihre Motorsport-Leidenschaft nicht schon genug leiden müssen. Jules Großonkel Lucien starb bei einem Sportwagen-Unfall, sein Großvater – Philippes Vater – Mauro erlitt ebenfalls bei einem Sportwagen-Unfall schwere Brandverletzungen.

Der Marussia-Pilot Jules Bianchi war am 6. Oktober beim Grand-Prix von Japan in Suzuka von der regennassen Straße gerutscht und in einen Bergekran gekracht. Seitdem kämpfen die Ärtze im Krankenhaus von Yokkaichi um das Leben des 25-Jährigen. (APA)

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