Guterres hofft bei Zypern-Konferenz auf Durchbruch

Akt.:
Griechisch-zypriotischer Präsident Nicos Anastasiades in Genf
Griechisch-zypriotischer Präsident Nicos Anastasiades in Genf - © APA (Keystone)
Nach einem konstruktiven Auftakt der historischen Zypern-Konferenz zur Überwindung der mehr als 40-jährigen Teilung hofft UNO-Generalsekretär Antonio Guterres auf einen Durchbruch. Knackpunkt seien die Sicherheitsbedürfnisse der beiden Bevölkerungsgruppen, der türkischen und der griechischen Zyprioten, sagte Guterres am Donnerstag in Genf.

Dabei stellte er kein schnelles Ergebnis in Aussicht: “Man kann keine Wunder erwarten”, sagte Guterres. “Wir wollen keinen Schnellschuss, sondern eine solide Lösung.” Die Gespräche fanden hinter verschlossenen Türen statt und dürften mehrere Tage dauern.

Erstmals sitzen in Genf Vertreter der beiden Bevölkerungsgruppen, der türkischen und der griechischen Zyprioten, mit den Außenministern der Garantiemächte Türkei, Griechenland und Großbritannien zusammen. Zypern ist seit einem griechischen Putsch und einer türkischen Invasion 1974 geteilt. Im türkischen Norden leben nach Schätzungen 300.000 Menschen, darunter 135.000 türkische Zyprioten und viele Siedler aus Anatolien. Im griechischen Süden leben knapp 900.000 Menschen.

Angestrebt wird eine Föderation mit zwei gleichberechtigten Bundesstaaten. Die Verhandlungsführer der beiden Bevölkerungsgruppen, Nikos Anastasiades für den Süden und Mustafa Akinci für den Norden verdienten wegen ihrer hervorragenden Vorarbeit Oscars, sagte Guterres in Anlehnung an die Auszeichnung für Filmschauspieler. Sie hatten in Vorgesprächen unter anderem über die Grenzziehung, Kompensation für Vertriebene und Landrückgabe Fortschritte gemacht.

Die Sicherheits- und Garantiefragen seien komplex, sagte Guterres. Die türkische Seite will weiter Truppen auf der Insel stationieren. Das lehnen die anderen Garantiemächte ab. Athen wollte nach Angaben aus Delegationskreisen ein neues Friedens- und Kooperationsabkommen zwischen Zypern, Griechenland und der Türkei vorschlagen, das die Truppenstationierung ausschließt.

“Ich hoffe auf einen Durchbruch”, sagte Guterres. “Das verdienen die Menschen in Zypern, und das ist, was die Welt heute braucht. Wir haben so viele Desastersituationen in der Welt – wir brauchen ein Symbol der Hoffnung.”

Alle Teilnehmer sehen in den Verhandlungen hinter verschlossenen Türen einen letzten Versuch, die Teilung zu überwinden und einen föderalen Staat mit zwei gleichberechtigten Bundesstaaten einzurichten. “Die jüngeren Generationen entfremden sich immer mehr. Und sie konzentrieren sich dann nicht mehr auf eine föderale Lösung”, sagte der Leiter der türkisch-zypriotischen Delegation, Mustafa Akinci, in einem BBC-Interview. “Sie haben dann keine Vision für eine gemeinsame Zukunft mehr.”

Die Außenminister der drei Garantiemächte der Republik Zypern werden am 23. Jänner erneut über die Sicherheit der Mittelmeerinsel beraten. Dies teilte der griechische Außenminister Nikos Kotzias am Donnerstagabend in Genf mit. Sicherheitsexperten sollen bis zu dem Treffen einen Bericht zu den Streitkräften auf Zypern ausarbeiten. Dabei sollen sowohl die türkischen als auch die griechischen Truppen gezählt werden. “Alles, ihre Waffen und ihre Zahl”, teilte der Minister weiter mit. 

(APA/ag.)

Leserreporter
Feedback


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen