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19-Jährige nach K.o.-Tropfen missbraucht: Salzburger Wirt vor Gericht

Ein ehemaliger Betreiber eines Lokals in der Stadt Salzburg soll am 23. Dezember 2010 einer damals 19-jährigen Schülerin heimlich K.o.-Tropfen in ein Getränk gemischt und die nahezu Bewusstlose vergewaltigt haben.

Der 43-jährige Angestellte beteuerte heute, Dienstag, vor einem Salzburger Schöffensenat seine Unschuld. Der Geschlechtsverkehr in dem Beisl sei einvernehmlich geschehen, er habe kein betäubendes Mittel verwendet, betonte der Beschuldigte. Das Mädchen kann sich an den Vorfall nicht mehr erinnern. Der Prozess wurde vertagt. Die junge Salzburgerin hatte zuvor mehrere Lokale in der Stadt besucht. Um 4.00 Uhr ließ sie der beschuldigte Wirt zusammen mit zwei Freundinnen in sein Lokal, obwohl er schon zugesperrt hatte. Er habe die Schülerin ja gekannt, schilderte der Angeklagte. Mehrere Mal habe er Sarah bei einem Kebab-Stand getroffen, sie sei auch schon zweimal zuvor in seinem Lokal gewesen. Am 23. Dezember habe sie bei ihm zuerst zwei "Jacky Bull" (einfacher Whisky mit Red Bull, Anm.) und einen Nuss-Schnaps konsumiert. Gegen 5.00 Uhr ließ der Wirt auch noch drei Burschen ins Lokal. Sarah habe dann nochmals drei - von den Burschen spendierte - "Jacky Bull" getrunken und einen weiteren Nuss-Schnaps, den er selbst spendiert hätte, sagte der mehrmals vorbestrafte Beschuldigte. "Sie war lockerer als sonst. Zu locker, zu hyperaktiv." Nachdem die zwei Freundinnen und auch die Burschen gegen 6.00 Uhr gegangen waren, blieben nur noch der Wirt und die junge Frau zurück. Sarah habe "durchmachen" wollen, weil sie das Handy nicht dabei hatte, erzählte der Wirt. "Sie sagte, sie kann nicht ohne Handy heim." Die 19-Jährige habe mit der sexuellen Anbahnung begonnen. "Zuerst habe ich sie auch zurückgewiesen. Ich hätte dabei bleiben sollen." Es kam zu oralem und vaginalem Geschlechtsverkehr. Das Mädchen schlief auf der Eckbank ein. Als die Putzfrau um etwa 8.00 Uhr kam, fiel die 19-Jährige von der Bank. Bis 11.00 vormittags schlief sie weiter, dann fuhr sie der Wirt auf deren Wunsch nach Hause. "Sie erklärte mir den Weg." Aufgefallen sei ihm, dass sie "zuerst so lebendig, dann aber saumüde" war. Auf die Frage von Staatsanwältin Barbara Feichtinger, wer denn sonst außer er selbst das betäubende Mittel mit dem Wirkstoff Lorazepam verabreichen hätte können, antwortete der Angeklagte: "Das weiß ich nicht. So sexsüchtig bin ich auch nicht. Wer so etwas macht, ist ein charakterloser Mensch." Er habe nichts bemerkt, auch keine Drogen, weder bei den Burschen noch bei den Mädchen. Sein Mandant habe niemals sexuelle Gewalt gegen Frauen angewandt, "das passt nicht zu seinem Charakter", betonte Verteidiger Roland Reichl. Die Staatsanwältin geht davon aus, dass die K.o-Tropfen zwischen 7.00 und 8.00 Uhr in ein Getränk gemischt wurden. Als die 19-Jährige gegen Mittag ins Haus der Eltern ging, fiel ihrem Bruder der schwankende Gang auf. Ihre Mutter sagte heute, dass sich Sarah nicht ausgekannt und wirres Zeug gesprochen habe. "Ihr Blick war eigenartig. Ich habe blaue Flecken auf ihrer Hüfte gesehen. Da war mir klar, das war keine Freudenparty." In einem derartigen Zustand habe sie ihre Tochter noch nie gesehen. Die Schülerin wurde ins Spital gebracht. Dort stellte man bei einem Blut- und Urintest jene Substanz fest, die auch in K.o.-Tropfen vorkommt. Laut Staatsanwältin dürfte in diesem Fall zum ersten Mal in Salzburg der Nachweis gelungen sein, dass ein betäubendes Mittel verwendet wurde, um das Opfer gewaltsam zum Beischlaf zu nötigen. Für Polizei und Staatsanwaltschaft ist der Beweis deshalb so schwierig, weil diese Substanzen nur rund acht Stunden im Blut und etwa zwölf Stunden im Urin nachweisbar sind. Dem gerichtsmedizinischen Gutachten zufolge muss das Mittel der 19-Jährigen in den Morgenstunden verabreicht worden sein. Die vorsitzende Richterin Anna-Sophia Geisselhofer vertagte mittags die Verhandlung zur Einvernahme der Putzfrau, die heute als Zeugin verhindert war, auf 19. Juni. Weiters werden noch Sachverständigen-Gutachten vorgetragen und das Video der kontradiktorischen Einvernahme der mittlerweile 20-Jährigen gezeigt. (APA)
(Quelle: S24)

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