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5 Fragen an 11 Listen: Ein Blick in die Zukunft

Wie sehen die Parteien Salzburg in zehn bis 20 Jahren? APA/Gindl
Wie sehen die Parteien Salzburg in zehn bis 20 Jahren?

Im letzten Teil unserer Serie „5 Fragen an 11 Listen" haben wir die Parteien gebeten, mit uns einen Blick in die Zukunft zu wagen. Wie sehen sie die Stadt Salzburg in 10 bis 20 Jahren und was sind ihre ganz persönlichen Wünsche für die Mozartstadt?

Wie könnte sich im Idealfall die Verkehrs- und Wohnsituation entwickelt haben? Was wäre der „worst case"? Und, wenn Sie drei Wünsche für die Stadt Salzburg frei hätten, wie würden diese lauten? So lauteten die Fragen an die elf zur Gemeinderatswahl antretenden Listen.

SPÖ

Im Idealfall gibt es künftig den Konsens in der Stadtpolitik, dass leistbare geförderte Mietwohnungen gebaut werden, um allen SalzburgerInnen lebenswertes Wohnen zu ermöglichen. Die Verlängerung der Lokalbahn bis zum Mirabellplatz ist umgesetzt und hat zu einem deutlichen Rückgang des Individualverkehrs geführt. Zusätzlich gibt es im Umland weitere attraktive öffentliche Verkehrsmittel, mit denen die PendlerInnen in die Stadt fahren.

Im „worst case" nimmt das Kirchturmdenken mancher Ortskaiser in den Umlandgemeinden kein Ende. Infolgedessen haben die PendlerInnen keine attraktiven Öffis und müssen auf das Auto setzen, das die StadtbewohnerInnen gesundheitlich belastet. Sollten sich die konservativen Kräfte in der Stadtpolitik durchsetzen, werden deutlich weniger Mietwohnungen realisiert, die Preisspirale steigt ins Unermessliche und Leben in Salzburg ist nur mehr für wenige Reiche leistbar.

Die drei Wünsche der SPÖ

  1. Perfekte Zusammenarbeit mit den Umlandgemeinden in der Wohnungs- ,Verkehrs-, und Infrastrukturpolitik
  2. Eine Kultur des Miteinanders mit Respekt gegenüber allen BewohnerInnen in der Stadt Salzburg
  3. Reduktion der Eigeninteressen zugunsten der Allgemeinheit in der Wohnungspolitik

ÖVP

Im Idealfall stünde den Salzburgerinnen und Salzburgern dann je nach ihrer persönlichen Lebenssituation ein ausgewogenes Angebot an leistbaren Eigentums- und Mietwohnungen zur Verfügung.

Das „Worst Case"-Szenario: Dem unverminderten Wunsch der Bevölkerung nach den eigenen vier Wänden steht (wie von der SPÖ gefordert) null geförderter Eigentumswohnbau gegenüber, und trotz Zubetonierens mit überdimensionierten Wohnsilos bleibt die Wohnsituation angespannt.

Die drei Wünsche der ÖVP

  1. Dass mit dem 9. März die Bevormundung der Bürgerinnen und Bürger durch die rot-grüne Koalition in punkto Verkehr und Stadtentwicklung endlich ein Ende hat
  2. Dass in Zukunft im Verkehrsbereich das Miteinander aller Verkehrsteilnehmer zählt und nicht das gegenseitige Ausspielen
  3. Dass Salzburg ein wunderschöner Platz zum Leben bleibt, an dem der Erhalt seiner Geschichte denselben hohen Stellenwert wie die Entfaltung seiner Bevölkerung hat.

Bürgerliste

Der Idealfall: Die Stadtlandschaften und Grünräume stehen – von der Grünlanddeklaration geschützt – der Bevölkerung nach wie vor zur Verfügung. Leistbarer Wohnraum konnte im ausreichenden Ausmaß durch Umstrukturierungen in urbaner Qualität geschaffen werden. Die öffentlichen (Verkehrs-) Flächen sind nicht mehr nur durch den Kfz-Verkehr dominiert, sondern durch Gestaltungsmaßnahmen aufgewertete, qualitätvolle Begegnungs- und Kommunikationsräume. Der öffentliche Verkehr funktioniert. Die Wirtschaft ist gesund, „Green Jobs" gehören zum Alltag, Salzburg ist eine lebendige, offene und tolerante Stadt.

Der „worst case" wäre wohl, wenn die Wohnungsnot nicht gelöst ist, Salzburg im Verkehrschaos erstickt, Lärm- und Abgasbelastungen längst in weiten Bereichen das Leben unmöglich machen und Salzburg seine Stellung als eine der schönsten Städte weltweit mit hoher Lebensqualität verloren hat. Aber dass es dazu nicht kommt, dafür setzen wir uns – die Bürgerliste/Die Grünen – ein!

FPÖ

Für eine erfolgreiche Zukunft unserer Stadt muss nach Meinung der FPÖ die Rot-Grüne Mehrheit im Rathaus beendet werden. Projekte wie das Paracelsusbad dürfen nicht Lippenbekenntnisse bleiben, sondern müssen auch umgesetzt werden. Die Stadt muss die Sicherheit der Bürger in den Mittelpunkt ihrer Politik stellen. Der „worst case" für unsere Stadt wäre, wenn die bisherige Stadtregierung so „weiter wurschteln" kann.

Wenn alle politischen Kräfte an einem Strang ziehen und die Bürger massiv eingebunden werden, kann unsere Stadt in 20 Jahren noch lebenswerter sein, als sie heute schon ist.

Liste Tazl

Der Idealfall: Bei Wohnbauten wurde mehr auf die Bedürfnisse der Bewohner eingegangen. Durch die Zusammenarbeit mit den Umlandgemeinden konnten genügend PR-Plätze geschaffen werden und der Öffentliche Verkehr ist attraktiv, leistbar und eine wirkliche Alternative zum Auto.

„Worst case": Der Individualverkehr wurde aus der Stadt verbannt, ohne Alternativen anzubieten. Es entstehen weitere Wohnanlagen, die sich nicht nach den Bedürfnissen der Bewohner richten. Am Rehrl-Platz wurden Luxuswohnungen errichtet und die UNESCO hat Salzburg den Weltkulturerbe-Status aberkannt.

Die drei Wünsche der Liste Tazl

  1. Verantwortungsvolle Menschen in der Stadtpolitik, die nicht ihre persönlichen Eitelkeiten in den Vordergrund stellen, sondern das Wohl der Salzburgerinnen und Salzburger.
  2. Erhaltung der Stadtlandschaften
  3. Gelebte „Direkte Demokratie"

NEOS

Wir wünschen uns, dass Themen inhaltlich vernetzt angedacht werden. Der Bereich Verkehr kann beispielsweise nicht ausgelagert von baurechtlichen Feldern betrachtet werden.  Bildung, Soziales oder Gesundheit dürfen nicht länger in exklusiven Kategorien betrachtet, sondern müssen inhaltlich verwoben werden.

Zusätzlich wünschen wir uns auch eine räumliche Vernetzung von Themen. Wir können vieles in der Stadt nicht alleine lösen und müssen die Umlandgemeinden mit ins Boot holen. Salzburg muss als der Großraum betrachtet werden, der er ist.

Abschließend wünschen wir uns von der Politik noch, dass Bürgernähe, Kontrolle und Transparenz in Salzburg endlich in die Köpfe der Entscheidungsträger einziehen. Die Menschen in Salzburg haben ein Recht darauf zu wissen, was mit ihren Steuermitteln geschieht. Sie haben ein Recht darauf, bei großen Entscheidungen mitzusprechen. Und sie haben ein Recht darauf, dass die Kontrolle des Einsatzes ihrer Steuergelder unabhängig, frei und für jeden Menschen nachvollziehbar geschieht. Nur durch diese Maßnahmen können wir Salzburg gemeinsam zukunftsfit gestalten.

Die Linke

Der Idealfall: In zehn bis 20 Jahren hat die Stadt Salzburg ein leistungsfähiges Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln, mehr als die Hälfte des Verkehrsaufkommens des motorisierten Individualverkehrs konnte dadurch abgebaut werden. Vormals Umlandgemeinden wurden eingemeindet und der Wohnbedarf gerecht aufgeteilt. Gleichzeit wurde in der EU die Binnenmarktregelung gekippt, was die regionale Wirtschaft so gestärkt hat, dass viele Menschen wieder in ihre Herkunftsregionen zurückkehren konnten.

Der Worst Case: Die Stadt verschlechtert weiter ihr Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln und leitet Individualverkehr ungehindert in Stadt. Mehr Menschen werden gezwungen auf das Auto umzusteigen. Verkehrspitzen verlagern sich in frühe Morgenstunden, um Verkehr auszuweichen. Wohnungssuchende müssen immer noch weiter auspendeln, um leistbaren Wohnraum zu mieten. Die Ersparnis wird durch höhere Fahrtkosten aufgefressen. Gleichzeitig drängen immer mehr Menschen in Stadt. Es kommt zu einem offenen Verdrängungswettbewerb zwischen Arm und Reich. Die Unzufriedenheit wächst bis zum offenen zivilen Widerstand. Regierende Parteien verlieren ihre Glaubwürdigkeit und Wählbarkeit.

Bürger für Salzburg

Es gibt eine Studie über das Wachstum der Städte. Bis 2030 soll die Bevölkerung im Großraum Wien um 30 Prozent zunehmen, in Linz und Graz über 20 Prozent - in Salzburg dagegen nur um ca. 2 Prozent. Daher wird sich die Wohnsituation tendenziell entschärfen. Trotzdem sollte man im Großraum Salzburg Wohnungen vor allem entlang der S-Bahn vorsehen. Der MIV (motorisierte Individualverkehr) wird einen größeren Anteil Elektro-Fahrzeuge haben. Trotzdem muss die Politik noch bessere Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Salzburg lebens- und liebenswert bleibt.

Die drei Wünsche der „Bürger für Salzburg"

  1. Besser auf unsere historische Altstadt aufpassen! Wir leben davon und Touristen kommen nicht wegen der Neuen Mitte Lehen hierher.
  2. Eine neue politische Kultur mit Sachverstand, Kompetenz aber auch mit Augenmaß, Herz und Aufrichtigkeit in einem neuen Klima des Miteinander der unterschiedlichen Parteien
  3. Wir wollen für Salzburg in den Gemeinderat einziehen und konstruktiv an unseren Wünschen 1 und 2 mitgestalten.

Piraten

In zehn bis 20 Jahren sehen wir eine Stadt, deren Schönheit erhalten wurde und die man wieder in vollen Zügen genießen kann. Die Menschen können sich das Wohnen und Leben in der Stadt wieder leisten. Der Individualverkehr konnte reduziert werden, genau so wie die notwendigen Ausgaben für das Wohnen.

Im schlimmsten Fall aber würden jene die aktuell unseren Status als Weltkulturerbe riskieren ganze Arbeit leisten und die UNESCO hätte uns diesen Status wegen Bausünden wie in der Bucklreuthstraße oder dem Rehrlplatz aberkannt. Die Salzburgerinnen und Salzburger könnten sich das Wohnen wegen der Bauspekulanten selbst dann nicht mehr leisten, wenn sie das wollten...was aber nicht der Fall ist, weil der Verkehr und die Bausünden die Stadt als Wohnraum völlig unattraktiv gemacht haben.

Die drei Wünsche der Piraten

  1. Ablöse der seit Jahrzehnten Handelnden. Nur neue Kräfte im Gemeinderat können neue Lösungen und Ideen einbringen. Mit alten Politikern kann man keine neue Politik machen.
  2. Die zerstörte Schönheit wieder herstellen bzw. Bausünden wie am Rehrlplatz geplant, verhindern
  3. Ein gesundes und schönes Leben in einer verkehrsberuhigten und lebenswerten Stadt

KPÖ

Worst case wäre das „Weiterwurschtl'n" wie bisher, d.h. unter anderem Verkehrsinfarkt und noch mehr Wohnungssuchende bei Mieten, die sich immer weniger Menschen leisten können. Die Hoffnung ist ein „Soziales Salzburg" mit ausreichend leistbaren Wohnraum und einem vorbildlichen öffentlichen Verkehrssystem zu sozial verträglichen Preisen.

Team Salzburg

Worst case: Wenn es so weiter geht wie jetzt!

Perspektive Stadt Salzburg in 20 Jahren: Große Altstadtfußgängerzone, moderne, leistungsfähige Öffis, Wohnsituation: Kostengünstige Wohnmöglichkeiten, Qualität vor Quantität!

Die drei Wünsche des Team Salzburg

  1. Keine politischen Parteien mehr, sondern engagierte BürgerInnen entscheiden Sachbezogen
  2. Es wird nur mehr erneuerbare Energie verwendet, das Zeitalter der fossilen und atomaren Energiegewinnung ist beendet.
  3. Die SalzburgerInnen wohnen frei von Lärm und Abgasen in einer Stadt mit viel Grünräumen und Freizeitmöglichkeiten und sind stolz, in der schönsten Stadt der Welt zu sein.

 

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 02.03.2021 um 04:07 auf https://www.salzburg24.at/archiv/5-fragen-an-11-listen-ein-blick-in-die-zukunft-44910727

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