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AK: Wohnen in Salzburg wird zur Armutsfalle

Seit der Jahrtausendwende sind die Salzburger Wohnpreise ungebremst im Steigflug und haben sich laut der jüngsten AK-Analyse noch einmal verschlechtert.

?Schon jetzt kommen die Menschen mit ihrem Einkommen kaum mehr aus und allein die Ausgaben für Wohnen machen rund ein Fünftel der Gesamtinflation aus. Wie soll das weiter gehen? Wohnen darf nicht zu Armut führen!?, appelliert AK-Präsident Siegfried Pichler einmal mehr.

?Wohnen bleibt teuer?, ?Steigende Wohnkosten, drohende Wohnungsnot?, ?Wohnkosten fressen Einkommen auf?, ?Salzburger Wohnpreise im Höhenflug ? kein Ende in Sicht?, ?Wohnungskosten auf Rekordhöhe?? wie weit noch? Die Schlagzeilen der vergangenen Jahre steigern sich wie die Wohnkosten und spiegeln die brisante Entwicklung wider: 2010 sind die Miet- und Kaufpreise in Stadt und Land Salzburg erneut gestiegen und haben die bisherigen Höchstwerte überschritten ? sie laufen dem Verbraucherpreisindex weiter davon! Die Fakten sind höchst alarmierend:

Magische 10-Euro-Grenze geht im Land Richtung 11 Euro

Die Mieten (inklusive USt. und Betriebskosten) liegen 2010 in der Stadt Salzburg durchschnittlich wieder über 12 Euro pro Quadratmeter: Mit genau 12,59 Euro ist das ein erneuter Höchstwert. Im Vergleich mit den niedrigsten Werten im Jahr 2000 (9,67 Euro) sind die Mieten innerhalb von zehn Jahren also um 30,2 Prozent gestiegen, nach Berücksichtigung der Inflation (+21,1 Prozent im selben Zeitraum) bleibt eine reale Mietpreissteigerung in der Stadt Salzburg von 9,1 Prozent in zehn Jahren.

Im Land Salzburg kann nicht mehr vom Überschreiten der magischen 10-Euro-Grenze die Rede sein, es zeigt sich vielmehr ein Anstieg in Richtung 11-Euro: Mit dem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 10,68 Euro (inklusive USt. und Betriebskosten) zeigt sich 2010 eine Steigerung gegenüber 2009 von 3,3 Prozent.

Mieten am Land teurer als andere Lebenshaltungskosten

Wiederum gemessen am Preisniveau im Jahr 2000 (8,07 Euro) beträgt die Preissteigerung sogar 32,3 Prozent, womit die Mieten im Land Salzburg innerhalb von zehn Jahren um mehr als ein Drittel gestiegen sind. Real (+21,1 Prozent Inflation) sind das plus 11,2 Prozent.

Auch ein Blick auf die Jahresinflation 2010 mit 1,9 Prozent zeigt, dass die Mieten im Land Salzburg zwischen 2009 und 2010 im Verhältnis zu allen übrigen Lebenshaltungskosten real gestiegen sind: sie liegen 1,4 Prozentpunkte über dem Verbraucherpreisindex.

Eigentum bleibt unerschwinglich: Plus 10,4 Prozent in der Stadt

Die Kaufpreise in Stadt und Land Salzburg zeigen ebenfalls seit Beginn der AK-Erhebungen im Jahr 1995 die höchsten Steigerungsraten und liegen im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr massiv über der Inflationsrate: ?Der Wohnungskauf bleibt für die Salzburger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weiter unerschwinglich. Besonders in der Stadt Salzburg ist die Preisentwicklung eklatant: Erstmals wurde beim Durchschnittspreis für den Quadratmeter die 3.000-Euro-Marke überschritten und beim Neupreis sind wir mittlerweile sogar bei 4.000-Euro gelandet. Das ist angesichts der Folgewirkungen der Krise zwar nicht überraschend, macht aber Gegenmaßnahmen dringender denn je?, betont AK-Präsident Siegfried Pichler.

In der Stadt Salzburg stieg 2010 der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Eigentum gegenüber dem Vorjahr um 12,3 Prozent auf 3.206,64 Euro (2009: 2.854,70 Euro), was eine reale Preissteigerung von 10,4 Prozent innerhalb eines Jahres bedeutet! Noch drastischer ist allerdings der Vergleich zum preisgünstigen Jahr 2000 mit einer Steigerung von 56,3 Prozent in zehn Jahren?

Im Land Salzburg überstieg der Quadratmeterpreis ebenfalls die bisherigen Höchstwerte und kletterte 2010 gegenüber dem Vorjahr um markante 9 Prozent auf 2.481,90 Euro (2009: 2.277,90 Euro). Real sind das plus 7,1 Prozent.
Im Vergleich zum billigsten Wert im Jahr 2002 ergibt sich eine Steigerung von 28,3 Prozent innerhalb von acht Jahren beziehungsweise real um 12,4 Prozent (die Inflation betrug in diesem Zeitraum 15,9 Prozent).

Wohnen muss endlich leistbar werden

Die vorliegenden Zahlen belegen, dass sich auf dem privaten Mietwohnungsmarkt keine Trendwende abzeichnet, weder in Stadt noch Land Salzburg. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass das Wohnen in Salzburg für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in absehbarer Zeit leistbar wird. Hier einige Ansätze, damit sich doch  etwas ändert:

Um zu leistbaren Mietwohnungen zu kommen, könnte man unter anderem auch beim Mietrechtsgesetz ansetzen, meint AK-Experten Edith Steidl: ?Eine Verlängerung der Mindestvertragsdauer von derzeit drei auf fünf Jahre würde den Menschen sicher eine spürbare finanzielle Entlastung bringen.? Begründung:

-          Der Wohnbedarf wäre auf fünf Jahre gesichert.

-          Eine Änderung der Vertragsbedingungen zum Nachteil der Mieter ist vor Ablauf der fünf Jahre nicht möglich.

-          Mietvertragserrichtungskosten: Selbst bei Verlängerung des Mietvertrages beim selben Vermieter werden oft ein 
           weiteres Mal Mietvertragserrichtungskosten (wofür?) in Rechnung gestellt.

-          Ersparnis bei Mietvertragsgebühren.

Seit September vorigen Jahres verlangt die Immobilienmakler-Verordnung mit ihrer jüngsten Novellierung, dass die Preisinformationen in den Inseraten klar aufgeschlüsselt und transparent sein müssen.
Die AK hat nachgeschaut und Tatsache ist: 97 Prozent der Makler halten sich nicht daran! Edith Steidl: ?Mit der Novellierung wurde ja erfreulicherweise eine politische Forderung der Salzburger Arbeiterkammer weitgehend umgesetzt und wir behalten die Entwicklung selbstverständlich weiter im Auge. Die Konsumenten müssen eine faire Chance bekommen, die Preise auch wirklich vergleichen zu können!?
Sollte sich das Verhalten der Makler nicht ändern, werde die AK letztlich Anzeige bei der Gewerbebehörde erstatten müssen, betont die Konsumentenschützerin.

Stichwort Betriebskosten

Die Betriebskosten sind in Stadt und Land Salzburg tendenziell steigend und nicht mit Gebührenerhöhungen zu begründen. Sie machten 2010 im Land Salzburg 24,44 Prozent der Miete aus (2009: 21,95%, 2008: 23,21%) und in der Stadt Salzburg 20,81 Prozent (2009: 14,38%, 2008: 20,03%).

AK-Forderungen damit Wohnen leistbar wird

Hohe und weiter steigende Mietpreise sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Nachfrage groß und das Angebot zu gering ist:

  • Aktuell suchen 2011 rund 11.000 Salzburger eine Mietwohnung, davon 4.000 in der Stadt Salzburg, 2.200 in Salzburg Umgebung, je 2.000 in St. Johann und Zell am See sowie 700 im Tennengau.
  • Geschätzter Wohnungsbedarf 2009 ? 2013: Stadt 4.000, Flachgau 4.500, Pinzgau 2.400, Pongau 1.900, Tennengau 1.550, Lungau 450 ? das sind insgesamt 14.800

Zu leiden haben unter dem Wohndefizit die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die immer flexibler sein müssen, gleichzeitig oft nur mehr prekäre, befristete Jobs finden und auch im Mittelstand mit sinkenden Einkommen zu kämpfen haben. An Eigentumswohnungen ist da praktisch nicht zu denken, schon gar nicht für junge Menschen, die sich das einfach nicht leisten können. ?Das kann nur eines bedeuten: wir müssen bauen, bauen, bauen. Und zwar geförderte Mietwohnungen!?, betont AK-Präsident Siegfried Pichler.

Gefordert seien in diesem Zusammenhang auch die Gemeinden, vor allem die Umlandgemeinden: Pichler ?Die Gemeinden müssen über die Raumordnung geeignete Flächen für den geförderten Mietwohnbau sichern. Vorzugsweise im Einzugsbereich öffentlicher Verkehrsmittel wie Lokal- und S-Bahn. Auch privatwirtschaftliche Maßnahmen sind nötig. Dass die neuen Instrumente des ROG 2009 immer noch nicht greifen, ist sehr bedauerlich,? kritisiert der AK-Präsident.

 

Aufgerufen am 18.01.2019 um 07:53 auf https://www.salzburg24.at/archiv/ak-wohnen-in-salzburg-wird-zur-armutsfalle-59172370

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