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Alpenverein fordert mehr Geld

Der Österreichische Alpenverein (OeAV) erhält mit seinen ehrenamtlichen Mitarbeitern derzeit ein 25.749 Kilometer langes Netz an Wanderwegen. Doch weil Klimawandel und Haftungsfragen die Betreuung der Wege wesentlich verteuern, will der OeAV nun die Länder finanziell stärker in die Pflicht nehmen.

Eine Verdoppelung der Förderungen würde uns helfen”, sagte OeAV-Präsident Christian Wadsack am Freitag bei einem Pressegespräch in Salzburg.

Während der Bund den Alpenverein mit zwei Millionen Euro pro Jahr unterstützt, sind die Länderbeiträge recht unterschiedlich. Salzburg zahlt 99.000 Euro, Kärnten 220.000 Euro, Tirol 60.000 Euro an Förderung. “Das sind 0,083 Cent pro Einwohner”, rechnete OeAV-Vizepräsident Andreas Ermacora für Tirol vor. Dabei gehöre das alpine Wegenetz zur wichtigsten touristischen Infrastruktur des Landes.

Der OeAV wendet pro Jahr rund 600.000 Euro für die Wegeerhaltung auf. Dazu kommen rund 44.000 Stunden der ehrenamtlichen Mitarbeiter sowie 86.000 Euro aus einem Katastrophenfonds für nicht planbare Maßnahmen.

Das Auftauen von Permafrost und das Abschmelzen der Gletscher führt ebenso wie Sturm, Steinschlag oder Muren zu Schäden an den alpinen Wegen. Noch mehr Sorgen als der Klimawandel macht dem Alpenverein aber die juristische Seite. Immer öfter sei man mit Klagen und Haftungsfragen konfrontiert. So habe beispielsweise eine Frau, die in einem Klettergarten in Weißbach bei Lofer (Pinzgau) durch einen herabstürzenden Felsbrocken verletzt worden sei, geklagt. Die Klägerin verlange, dass der Klettergarten jährlich von Geologen kontrolliert werde. “Das ist unfinanzierbar”, sagte Ermacora. Ähnlich sei es bei einem Wanderunfall in Unterach am Attersee. Dort habe der Wanderer geklagt, weil das Geländer einer Wanderbrücke gebrochen sei. Der Bürgermeister sei verurteilt worden, weil er das Geländer nicht durch einen Holzfachmann kontrolliert worden sei.

Wenn diese “Amerikanisierung” fortschreite, werde die Erhaltung der Wege und Klettergärten unfinanzierbar, sagte Ermacora. Im schlimmsten Fall führe das dazu, dass Wege gesperrt und aufgelassen werden müssten. Man werde auch keine Freiwilligen mehr finden, die die Betreuung der Wege übernehmen, weil sie das Risiko fürchetn, persönlich haftbar gemacht zu werden.

Ermacora appellierte, die Eigenverantwortung der Alpinisten und Wanderer wieder stärker zu betonen. “Wenn man sich in der freien Natur bewegt, gibt es immer ein Restrisiko. Die Natur ist kein normierter Raum wie ein Turnsaal”, wandtet sich der Jurist gegen die “Vollkasko-Mentalität”.

(Quelle: S24)

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