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Alpine braucht neuen Chef

Für die alpine wird es einen neuen CEO geben. APA/Gindl
Für die alpine wird es einen neuen CEO geben.

Nach dem millionenschweren Banken-Schuldennachlass für die Alpine hat der deutsche Sanierer Josef Schultheis seine Arbeit beim angeschlagenen Salzburger Baukonzern getan. In Kürze bekommt die Alpine einen neuen Chef, es wird wahrscheinlich ein Österreicher werden.

Der erst Ende 2012 installierte Schultheis sei explizit als Restrukturierungsmanager (Chief Restructuring Officer) geholt worden, bestätige ein Konzernsprecher der APA am Dienstag. "Es wird einen neuen CEO für die Alpine geben."Dass die Bestellung eines Chief Executive Officer bereits in den nächsten Tagen erfolgen soll, wie der "Standard" schreibt, bestätige der Sprecher nicht. "Wenn er da ist, werden wir das kommunizieren." Dem Vernehmen nach sind die Gespräche mit Kandidaten schon in der Endphase.

Schultheis sanierte Baumarktkette Praktiker

Schultheis (47) hat vor seinem Engagement bei der Alpine die angeschlagene deutsche Baumarktkette Praktiker saniert. Seine Aufgabe bei den Salzburgern war es, das Sanierungsprogramm, das mit einer radikalen Schrumpfkur einhergeht, umzusetzen.

Am Sonntagabend hatten sich die Gläubigerbanken und die Republik, die über Kredithaftungen involviert ist, auf einen 30-prozentigen Schuldennachlass verständigt und so der Alpine eine Atempause verschafft. Ohne die Einigung wäre der Konzern am gestrigen Montag wahrscheinlich zahlungsunfähig gewesen.

Johannes Dotter warf Handtuch

Vor Schultheis hatte kurzzeitig Johannes Dotter die Geschicke des Bauriesen gelenkt, er hatte aber im Oktober 2012 wegen grober Zerwürfnisse mit dem spanischen Alpine-Mutterkonzern FCC das Handtuch geworfen.

Auf den neuen Chef kommt jedenfalls harte Arbeit zu. Der Schuldennachlass der Gläubiger ist nur ein Teil des Sanierungspakets, wonach der Konzern 2015 wieder schwarze Zahlen schreiben soll. Die Alpine muss die Ost-Expansion rückgängig machen, tausende Jobs streichen, sich von Töchtern trennen.

"Verkaufsprozess läuft nach Plan"

"Der Verkaufsprozess läuft nach Plan", sagte heute der Konzernsprecher. Bei der Wiener Tochter Hazet Bau sind die Gespräche dem Vernehmen nach am weitesten gediehen; neben dem heimischen Konkurrenten Porr, der bereits Interesse bekundet hat, dürften auch ausländische Unternehmen ein Auge auf Hazet werfen. Bei allen zum Verkauf stehenden Sparten "gibt es großes Interesse aus dem In- und Ausland", heißt es offiziell. Wahrscheinlich ins Ausland gehen dürfte die Alpine Energie, wobei es noch einige Zeit dauern könnte, bis man diese Sparte losgeworden ist. Weiters losgeeist werden muss die Spezialtiefbautochter GPS. Laut Plan sollen die Verkäufe 200 Mio. Euro einbringen, Insider halten dieses Ziel für zu hoch gesteckt.

Der Bank-Schuldennachlass über 150 Mio. Euro ist noch nicht unter Dach und Fach, einige Unterschriften von beteiligten Gläubigerbanken fehlen noch. "In den nächsten Tagen" soll es so weit sein", bekräftigte der Sprecher.

Keine Angaben zu genauen Schuldenstand

Zum genauen Schuldenstand macht der Konzern nach wie vor keine Angaben, zuletzt war von Bankverbindlichkeiten von über 600 Mio. Euro die Rede. Im Ende Februar veröffentlichten FCC-Geschäftsbericht für 2012 heißt es, dass von der Nettoverschuldung 777,2 Mio. Euro auf die Alpine entfallen. Der Betriebsverlust der Alpine für 2012 wird mit 300,5 Mio. Euro beziffert. "Die Verluste konzentrieren sich auf fünf bis sechs Länder, aus denen sich das Unternehmen zum Jahresende 2013 zurückzieht", heißt es im FCC-Bericht, aus dem auch der "Standard" zitiert.

Die Alpine-Verluste haben die spanische Mutter jedenfalls 2012 massiv belastet. Der gesamte FCC-Konzern bilanzierte mit einem negativen Ergebnis von 1,03 Mrd. Euro tiefrot. Die Spanier mussten auf die Alpine laut Geschäftsbericht 80 Mio. Euro abschreiben.

Die Salzburger brauchen aber weiteres Geld: 150 Mio. Euro an Eigenkapital muss FCC insgesamt einschießen - die Hälfte ist schon geflossen, außerdem 100 Mio. Euro an Gesellschafterdarlehen in Eigenkapital wandeln.

Die Gläubiger der drei Anleihen, denen die Alpine insgesamt 290 Mio. Euro schuldet, sind vom Haircut übrigens nicht betroffen. Der bis 2016 laufende Bond wurde heute in Wien um 69 Euro gehandelt, das war 1,43-prozentiges Minus gegenüber dem Vortag. Allerdings ist der Kurs in den vergangenen Tagen massiv in die Höhe geschossen, Anfang März war er noch bei 50 Euro gelegen, das Jahrestief liegt bei 42 Euro. (APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 17.07.2019 um 04:56 auf https://www.salzburg24.at/archiv/alpine-braucht-neuen-chef-42651970

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