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Altach und der "Jetzt erst recht"-Effekt

Deshalb kommt das Heimspiel gegen den SV Grödig heute zum richtigen Zeitpunkt.

Zuweilen ist es – wie so oft – nur die Sichtweise, allein der Feststellung, dass noch genügend Platz nach oben ist, kann sich keiner entziehen. Einer, der beide Sichtweisen kennt und sich sehr wohl den Kopf über die momentane Situation zerbricht, ist Altach-Verteidiger Christoph Schösswendter. Mit seinen 78 Erstligaspielen zählt er trotz seiner Jugend (23 Jahre) bereits zu den erfahrenen Spielern in der Liga. Doch auch Altachs Größter (193 cm) ließ sich von der allgemeinen Verunsicherung anstecken. „Am Platz fällt es einem gar nicht so auf. Klar weiß jeder, wenn es nicht gut gelaufen ist.“ In Linz nun saß Schösswendter auf der Ersatzbank — und ist selbst erschrocken. Gründe für das kollektive Versagen kann er keine nennen. „Vielleicht ist jeder zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Ich bin ja auch auf der Suche nach meiner Form vom Herbst.“

Zusammenhalt ist gefordert

Ein Patentrezept für eine Trendumkehr kann auch der kopfballstarke Innenverteidiger nicht anbieten, er weiß nur, was jetzt gefordert ist. „Wir müssen als Einheit zusammenwachsen. Nicht nur die ersten Elf, sondern alle, auch die auf der Bank oder auf der Tribüne sitzen.“ Und er legt noch einen drauf, denn: „Wir sitzen alle im selben Dampfer. Letztendlich liegt es nur an uns.“ Deshalb wäre es durchaus sinnvoll, die Gedanken an den Meistertitel jetzt einmal aus den Köpfen zu streichen. Leidenschaft und Emotionen sind laut Schösswendter gefragt. „Jetzt sind wir doch eh am Boden. Alle sagen nur, wie wollen die denn nur Meister werden. Jetzt können wir es allen zeigen. Ich wünsche mir, dass wir so ein ,Jetzt erst recht‘-Gefühl entwickeln.“ Intuitiv weiß der Altacher Defensivmann, was die Fans von ihm und seinen Mitspielern erwarten. Obwohl die Situation, wie er betont, auch für ihn neu sei. Jetzt sei es zudem wichtig, nicht zu viele Einflüsse von außen an die Mannschaft ranzulassen. Damit meint er sowohl die Medien als auch die Fans. Zusammenhalt, um den Anti-Lauf zu beenden. Genau darauf muss die Mannschaft im heutigen (18.30 Uhr) Heimspiel gegen Grödig setzen. Das beginnt für Schösswendter bei der Körpersprache und zieht sich hin bis zur Verantwortung, die jeder Einzelne übernehmen muss. „Wir müssen ja nur den Herbst hernehmen, da haben wir ja gezeigt, was möglich ist.“ Möglich ist aber auch, dass Altach bei einem Sieg heute Abend wieder Tabellenführer ist. Denn Spitzenreiter WAC/St. Andrä steht der schwere Gang ins Linzer Stadion zu Titel-Mitfavorit LASK bevor. Gedanken daran verschwendet Schösswendter bewusst keinen.

Den Kopf freibekommen

In der Vorbereitung auf den heutigen Gegner wurde von Trainer Adi Hütter ganz gezielt eine Veränderung vorgenommen. So hat er den Spielern am Tag vor der Partie freigegeben. „Um den Kopf freizubekommen“, so der Coach, der heute praktisch auf den gesamten Kader zurückgreifen wird. Wie schon in Linz wird er deshalb auch ganz bewusst personelle Veränderungen vornehmen. Und er ist überzeugt, dass er damit die richtige Wirkung erzielt. „Ein Feuerwerk werden wir nicht erwarten können. Aber eine Mannschaft, die zeigt, dass sie gewinnen will und die auch das Spiel gewinnt.“  

Austria Lustenau: "Wir schauen von Spiel zu Spiel"

Austria-Torhüter Kofler glaubt an einen Titelkampf bis zum Saisonschluss. Die Austria ist zurück im Titelrennen, ist das beste Rückrundenteam der Erste Liga und will im heutigen Heimspiel gegen St. Pölten dort fortsetzen, wo sie aufgehört hat – nämlich mit einem Sieg. Allerdings sind die Niederösterreicher kein Lieblingsgegner der Grün-Weißen: In den letzten fünf Begegnungen holte die Austria gegen St. Pölten gerade mal zwei Unentschieden und musste sich gleich drei Mal geschlagen geben. Im Moment spricht aber vieles für einen Austria-Dreier. Doch Torhüter Alexander Kofler bremst ein: „Das wird eine sehr schwere Partie, in die wir hoch konzentriert hinein­gehen müssen.“

Transfers haben eingeschlagen

Der 25-jährige Kärntner, der seit Wochen in bestechender Form agiert, streitet aber nicht ab, dass die Stimmung im Austria-Lager hervorragend sei. „Wir haben zuletzt einige Punkte gutgemacht, hatten einfach einen Superstart. Durch die Winter-Transfers von Pierre Boya und Thiago De Lima haben wir in der Offensive mehr Durchschlagskraft erhalten. In der Vorbereitung wurde hart trainiert, und zudem hatten wir das nötige Glück“, so Kofler zum Aus­tria-Hoch. Er selbst fühle sich topfit und hoffe auf eine Fortsetzung der Siegesserie gegen St. Pölten. Im Titelrennen erwartet der 1,94 Meter große Schlussmann einen Kampf bis zur letzten Runde. „In dieser Liga kann jeder jeden schlagen. Was uns betrifft, bleiben wir realistisch. Bei einer Niederlage kann der Abstand schon wieder sehr groß sein. Daher schauen wir von Spiel zu Spiel“, meint der Kärntner. Die letzten Spiele haben laut Kofler gezeigt, wie schnell sich im Fußball alles drehen ­könne, und spricht die Situation in Altach an: „Auch wir hatten im Herbst eine Phase mit acht Spielen ohne Sieg. Sollte Altach heute gewinnen, sind sie vielleicht schon wieder Tabellenführer. Dann spricht keiner mehr von einer Krise. So ist eben der Fußball.“

Kein Risiko bei Pierre Boya

Auf einen Sieg (1:1, 1:2) gegen St. Pölten wartet die Austria heuer noch, der letzte Sieg liegt gar eineinhalb Jahre (30. Juli 2010/4:0) zurück. Heute soll es endlich klappen, wenn die Spieler – wie Trainer Helgi Kolvidsson betont – im Spiel nach vorne die Ruhe bewahren und in der Arbeit nach hinten in den Zweikämpfen Cleverness zeigen. „Wir haben alle drei Gegentreffer gegen St. Pölten in diesem Jahr aus Standardsituationen erhalten“, weiß der Isländer um die Stärke der Elf aus Niederösterreich. In personeller Hinsicht bleibt ihm diesmal die Entscheidung in der Ausländerfrage erspart – weil er bei Pierre Boya, dessen Oberschenkelmuskulatur noch nicht beschwerdefrei ist, kein Risiko eingehen will.  

FC Lustenau: "Die Nerven bewahren"

FC Lustenau gastiert heute (20.30 Uhr) bei Tabellenschlusslicht Hartberg. Die Ausgangslage ist in beiden Lagern dieselbe: Ein Sieg muss her, um sich im Abstiegskampf etwas Luft zu verschaffen. Der Druck lastet allerdings mehr auf den Hausherren, denn eine Heimniederlage würde die Steirer endgültig in den Keller verbannen. Das weiß auch FC-Lustenau-Trainer Damir Canadi. „Wir fahren nach Hartberg, um den Punkteabstand zu vergrößern“, meint er und fügt hinzu: „Die Spieler müssen einen unbedingten Siegeswillen zeigen und die Nerven bewahren.“ Der FC Lustenau hat aus den letzten fünf Partien vier Punkte geholt. Canadi ist mit der Ausbeute nicht unzufrieden. „Wir haben gegen den ersten, zweiten und dritten der Tabelle gespielt. In Altach hat sich die Mannschaft sehr gut verkauft, stand knapp vor einer Sensation. Auch im Derby gegen die Austria konnten wir lange das Spiel offen halten. Dass stimmt mich zuversichtlich für das heutige Spiel.“

Aufstellung bleibt

Das Team ist gestern nach Hartberg gereist und hat in Salzburg noch trainiert. In Sachen Aufstellung hat der Wiener keine großen Veränderungen vor. „Die Mannschaft braucht das Vertrauen. Dieses bekommt sie von mir.“ (VN/Christian Adam, Dieter Alge)
(Quelle: S24)

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