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Anklage wegen Mord

Salzburg Stadt – Der Prozess gegen den 52-jährigen Landwirt aus Anif, der im März 2009 seinen damals 82-jährigen Vater erstochen hat, ging am Dienstag den 11. August im Salzburger Landesgericht los.

Der Juniorbauer bereute die Tat heute, Dienstag, vor einem Salzburger Geschworenengericht (Vorsitz: Richter Manfred Seiss) “zutiefst”, allerdings habe er sich nachher “irgendwie erleichtert” gefühlt. Staatsanwalt Marcus Neher spricht von Mord, Verteidiger Kurt Jelinek von Totschlag im Affekt. Ein Urteil wird gegen Abend erwartet.

Eine Stunde lang las der bisher unbescholtene Mann mit monotoner Stimme dem Gericht seinen Lebenslauf vor und schilderte, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte. Auf Wunsch seines Vaters musste er Bauer werden, obwohl er “zu viel Gefühl hatte” und eigentlich Goldschmied werden wollte. Abermals auf Wunsch des Vaters nahm er mit 16 Jahren die Stelle eines Totengräbers an. “In fünf Jahren grub ich 157 Tote ein.” Dennoch habe er sich damals keinen besseren Vater wünschen können.

Doch als er 1987 seine Frau heiratete und den Hof übernahm, erzählte der dreifache Familienvater weiter, begann der offene Konflikt zwischen Vater und Sohn. Der Seniorbauer habe nicht nur seine Schwiegertochter dauernd kritisiert – “er beschimpfte sie als Schlampe, meine Kinder nannte er faule Fratzen” -, er habe seine eigene Frau geschlagen und die Tochter vom Hof gejagt. Dem Juniorbauern wurde offensichtlich alles zu viel. Er litt an Depressionen, erkrankte 1991 an Brustkrebs, flüchtete von 2005 bis 2007 in den Alkohol und suchte mehrmals eine psychiatrische Klinik auf.

Zugespitzt hat sich der Familienkonflikt, als im März dieses Jahres die Mutter des Angeklagten starb. “Der Vater nahm den Tod emotionslos hin. Er kam nicht zum Begräbnis, er warf währenddessen sechs bis sieben Blumenstöcke von der Terrasse.” Verzweifelt habe er die Polizei, den Hausarzt und den Pfarrer um Hilfe gebeten. “Doch keiner half mir. Ich hatte ja schon jahrelang Angst vor meinem Vater und keine Freude mehr beim Aufstehen.”

Einen Tag vor der Bluttat wollte er sich am Heuboden aufhängen, doch der Selbstmordversuch misslang. In der Nacht zum 29. März sei ihm der Gedanke gekommen, mit seinem Vater ein sachliches Gespräch zu führen. “Damit er zur Vernunft kommt.” Um zu zeigen, dass er es ernst meint, steckte er das Messer mit 18 Zentimeter Klingenlänge in den Anorak und ging gegen 9.30 Uhr zum “Zuhaus”, wo der Vater im Schlafzimmer im Bett lag.

Doch auf die Bitte, “Papa, ich will mit dir reden”, “fing er an zu schreien, ich soll das Haus nicht mehr betreten. In mir hat sich alles aufgebaut, der Hass und die Verzweiflung. War ich schon dem Wahnsinn nahe?”, fragte er in Richtung Vorsitzenden. “Dann stach ich mehrmals auf seinen Oberkörper ein.” Er würde jetzt viel darum geben, um es wieder gut zu machen. “Ich habe Gewalt immer verabscheut. Leider ist es passiert. Ich bin schuldig des Totschlages, nicht des Mordes.”

Der Verteidiger bezeichnete den Vater des Angeklagten als Familientyrann. “Alle haben ein schweres Leben mit ihm gehabt.” Der Jungbauer habe sich zum Zeitpunkt der Tötung in einer allgemein begreiflichen Gemütserregung befunden, “er war depressiv eingeschränkt”. Dem Angeklagten droht eine Haftstrafe von zehn bis zu zwanzig Jahren oder sogar lebenslang.

(Quelle: S24)

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