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Arbeitgeber sparen sich Millionen auf Kosten kranken Mitarbeiter

Salzburg – 1.200 Salzburger Arbeitgeber haben in den vergangenen fünf Jahren während des Krankenstands das Dienstverhältnis vieler ihrer Mitarbeiter gelöst.

Auf dubiosen Wegen würden viele Salzburger Dienstgeber ihre kranken Mitarbeiter um viel Geld, sich laut Salzburger Arbeiterkammer Riesenbeträge sparen und die Gebietskrankenkasse mit Millionen belasten. „Das ist eine unmoralische und unsoziale Vorgangsweise“, kritisiert AK-Präsident Siegfried Pichler und fordert die Wiedereinführung des so genannten Entgeltfortzahlungsfonds, der erst gar nicht zu solchen Tricks verleitete.1.200 Salzburger Arbeitgeber haben in den vergangenen fünf Jahren während des Krankenstands das Dienstverhältnis vieler ihrer Mitarbeiter gelöst. In 1.184 Fällen wurde dieses Dienstverhältnis unmittelbar nach Ende des Krankenstands oder innerhalb der ersten drei Monate wieder fortgesetzt. Dies ergab eine Nachfrage des Salzburger Nationalratsabgeordneten Johann Maier im Parlament. „In all diesen Fällen kann man davon ausgehen, dass sich die Arbeitgeber die Kosten für den Krankenstand ersparen und der Gebietskrankenkasse aufgebürdet haben!“, kritisiert Siegfried Pichler in einer Aussendung. Dieses unsoziale System kennt laut AK einen Sieger: den Dienstgeber. Und zwei Verlierer: die Krankenkasse und vor allem die kranken Menschen, die doppelt zum Handkuss kommen - sie müssen mit der Krankheit fertig werden und bekommen weniger Entgelt für den Krankenstand. AK-Experten haben das Geschäft durchgerechnet: Den 1.184 Arbeitnehmern entgingen so mehr als 500.000 Euro, die Krankenkasse verlor rund 5,2 Millionen Euro. Die Dienstgeber ersparten sich dagegen rund 4,5 Millionen Euro. (Die genaue Berechnung findet sich im Anhang). Der Arbeitsklimaindex der Salzburger Arbeiterkammer hat ergeben, dass unter dieser Praxis der Chefetagen besonders Leiharbeiter leiden. Dort wird dieses üble Spiel besonders oft gespielt. „Das Traurige ist, dass den Dienstnehmern gar nichts anders übrig bleibt, als mitzumachen, wollen sie nicht ohne Arbeit auf der Straße stehen!“, sagt Pichler. „Es gibt nur eine Möglichkeit, diese Praxis wirkungsvoll einzudämmen: die Wiedereinführung des Entgeltfortzahlungsfonds!“, fordert Pichler. Dieser Fonds bestand bis Ende 2000 und wurde dann gegen den Widerstand vieler Experten abgeschafft. Was verbirgt sich hinter dem sperrigen Begriff? Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfalle wurde über einen Erstattungsfonds abgerechnet. Es war für den Dienstgeber daher nicht lukrativ, irgendeine Umgehungshandlung zu begehen. Der Erstattungsfonds wurde von den Gebietskrankenkassen verwaltet und die Beiträge von den Dienstgebern entrichtet.

(Quelle: S24)

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