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Auftragsmord an Frau geplant: Salzburger erneut vor Gericht

Salzburg-Stadt – Am Landesgericht Salzburg ist am Dienstag der Prozess gegen jenen 39-jährigen Physiotherapeuten aus dem Flachgau fortgesetzt worden, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, er habe sein Frau ermorden lassen wollen.

Der Mann war deswegen im November 2007 bereits zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden, der Prozess musste aber wegen Verfahrensmängel neu aufgerollt werden.

Der damals verheiratete Physiotherapeut hatte sich 2006 in eine Patientin verliebt. Eine Scheidung ging nicht, weil er um seine Existenz fürchtete: Das Geld kam von der Ehefrau. Von März 2006 bis Juli 2007 soll er daher einen befreundeten Baumeister beauftragt haben, einen Killer für seine Gattin zu suchen. Für die Mithilfe zum Mord sollte der Geschäftsmann nach vollendeter Tat Geld erhalten und mit Schuldenerlass belohnt werden. Doch der Baumeister soll den Auftraggeber so lange hingehalten haben, dass dieser ungeduldig wurde. Im Juli 2007 wollte der 39-Jährige laut Anklage dann den Baumeister sogar erstechen.

Zu Beginn der Verhandlung, die Mitte Juni vertagt worden war, trug Staatsanwalt Karl Rene Fürlinger eine Erweiterung der Anklage vor: Demnach soll der Physiotherapeut heuer im Februar in der Haft einem Mithäftling erzählt haben, dass er vom Baumeister betrogen worden sei. Wenn dieser wo schwimme oder liege, würde er im neuen Verfahren freigesprochen, weil ja dann der Belastungszeuge nicht mehr gegen ihn aussagen könne. “Wenn du irgendwen findest, der ihn aus dem Weg räumt, überschreibe ich dir meine Eigentumswohnung”, soll er gesagt haben. Der Mithäftling wurde kurz darauf entlassen. Er traf danach bald den Baumeister und schilderte ihm die Begegnung in der Justizanstalt, woraufhin der Unternehmer Anzeige erstattete.

Vor Gericht bestritt der Angeklagte heute diesen Vorwurf: Es habe zwar tatsächlich ein Gespräch mit dem Mithäftling gegeben, aber er habe ihm nur auf einem Karton die Adresse des Baumeisters aufgeschrieben, weil dieser auch beim anderen Häftling Schulden gehabt habe. Auf die Rückseite habe er die Anschrift seiner Eigentumswohnung notiert, weil der Mithäftling nach seiner Entlassung einen Mieter dafür hätte suchen sollen. Auf den Einwand der Vorsitzenden Richterin Ilona Mozes, dass zu diesem Zeitpunkt bereits ein Mietvertrag mit einem Mieter unterzeichnet gewesen sei, sagte der Physiotherapeut, dass er sich habe absichern wollen, weil es immer Probleme mit Mietern gegeben habe. Der Angeklagte bestritt jedenfalls den neuerlichen Mordauftrag und äußerte die Vermutung, dass der Vater seiner Ex-Frau hinter diesen Beschuldigungen stecke. Auch den Vorwurf, dass er seine Frau ermorden lassen wollte, wies er erneut zurück. Er habe seine Frau nur entführen lassen wollen, nach ihrer Rückkehr hätte sie sich dann mit seiner neuen Beziehung schon abgefunden, erklärte der Beschuldigte den Geschworenen.

Am Nachmittag bestätigte der Baumeister, dass ihn im Februar 2008 der Mithäftling des Physiotherapeuten nach seiner Entlassung aufgesucht habe. “Er hat gesagt, der Angeklagte versucht im Landesgericht (gemeint ist die Justizanstalt, Anm.) Leute zu rekrutieren, um mich zu eliminieren”, erklärte der Hauptbelastungszeuge.

Allerdings wurde dem Gericht berichtet, dass an jenem 5. Februar zwei weitere Häftlinge in der engen Zelle anwesend waren, die von einem Mordauftrag aber nichts gehört hätten. Verteidiger Robert Morianz sprach von einem “absurden Sachverhalt”, der Baumeister wäre ja mit einer entlastenden Aussage die letzte Chance für den Angeklagten gewesen: “Warum sollte der dann genau diese Person umbringen lassen?” Die beiden Häftlinge werden am nächsten Verhandlungstag übermorgen, Donnerstag, mit fünf weiteren Zeugen einvernommen.

Der Baumeister betonte heute erneut vor Gericht, dass der Angeklagte ihn zwischen März 2006 und Juli 2007 dazu beauftragt habe, jemanden zu finden, der die Frau des Beschuldigten beseitigen solle. “Sie muss weg, hat er gesagt. Er wollte seine Frau einfach loswerden, ohne Wenn und Aber.”

Der 39-Jährige sei ihm aber zu extrem geworden, so der Zeuge weiter, deshalb habe er die Familie der Frau aufgesucht und ihr vor Angehörigen und einem hochrangigen Ex-Polizisten alles erzählt. Bei dem Cobra-Zugriff am 9. Juli 2007, als er und der Physiotherapeut gemeinsam im Auto saßen, habe der Angeklagte mit dem Messer nicht ihn, sondern sich selbst umbringen wollen, meinte der Baumeister und entlaste damit abermals den Beschuldigten von dem Vorwurf der Anklage, dieser hätte den Baumeister umbringen wollen.

Der Prozess wurde am späten Nachmittag auf Donnerstag vertagt. Ob es dann ein Urteil geben wird, stand noch nicht fest.

(Quelle: S24)

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