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Beethovens "Neunte": Gelungener Abschluss der Konzertreihe "Delirium"

Mit einer feierlichen und sehr geradlinigen Version von Beethovens “Neunter” haben Gustav Kuhn, das Haydn Orchester und der Haydn Chor aus Trient-Bozen gestern, Sonntag, die viertägige Konzertreihe “Delirium” in Salzburg beschlossen.

Der Salzburger Dirigent brachte die Tage zuvor ein Marathonprogramm mit allen vier Brahms-Symphonien und Beethovens “Missa Solemnis” auf die Bühne. Als Höhepunkt gaben die Gäste aus Südtirol und vier tadellose Solisten Beethovens letzte Symphonie im Großen Saal des Salzburger Mozarteums.

Schon im vergangenen Jahr beendete Gustav Kuhn seine vorweihnachtliche Konzertserie mit Beethovens epochalem Werk, und auch in Zukunft soll sie krönender Abschluss werden. Und dieser Abschluss war – trotz einiger musikalischer Unsauberkeiten – durchaus gelungen.

Schlicht und auf das wesentliche konzentriert, aber dennoch sehr wirkungsvoll. So könnte man Gustav Kuhns Interpretation auf den Punkt bringen. Auf künstliche Effekte und aufgeblasenen Pathos hat der gebürtige Salzburger verzichtet. Zwar nützte er dynamische Extreme, aber er überstrapazierte sie nicht. Immer war es die Partitur, von der Kuhn seine Tempi ableitete.

Gustav Kuhn und “sein” Haydn Orchester starteten energiegeladen und motorisch vital in den ersten Satz. Im zweiten, mit den berühmten Pauken-Effekten durchzogenen Satz, führte er beinahe zurückhaltend durch die Piani und dann wieder angriffslustig und schwungvoll durch das Scherzo. Spannungsgeladene Ruhe im Orchester dominiert den dritten Satz. Im Vierten, der Vertonung von Schillers Ode “An die Freude”, glänzen Susanne Geb (Sopran), Hermine Haselböck (Mezzosopran), Donat Havar (Tenor) und Andrea Silvestrelli (Bass). Der Haydn-Chor überzeugte in allen Stimm-Gruppen überwiegend mit sattem Klang, der die Klarheit und transparente Durchhörbarkeit dennoch nie überdeckte.

Gewiss hat man die Neunte schon in makelloseren Versionen gehört. An manchen Stellen brauchte das Orchester einige Takte Zeit, um Gustav Kuhns eisernen Tempi zu folgen, und in den Höhen waren die Soprane des Haydn-Chors eine Spur zu schrill. Trotzdem hat Gustav Kuhn gestern insgesamt eine prachtvolle Symphonie geboten. Mit langem und herzlichem Beifall belohnte das Publikum diese schlichte und zugleich majestätische “Neunte”.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 24.06.2019 um 09:17 auf https://www.salzburg24.at/archiv/beethovens-neunte-gelungener-abschluss-der-konzertreihe-delirium-59607778

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