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Billard: 2009 will Ouschan die Herren-Elite noch mehr aufmischen

Die bisher erfolgreichste Billard-Saison von Jasmin Ouschan geht dem Ende zu. Für die Kärntnerin steht 2008 nur noch am 7. Dezember in Malaga ein Turnier der Euro-Tour an, nachdem sie zuletzt aufgrund einer Sperre ein Turnier der Damen-Serie verpasst hat.

Aber Ouschans Terminkalender ist dennoch randvoll, denn ihre Popularität ist dieses Jahr stark gestiegen. So absolvierte die 22-Jährige am Mittwoch Medien-Termine in Wien, am Freitag referiert sie in Kärnten vor Nachwuchssportlern zum Thema “Was es heißt, Profi zu sein.” Dass Ouschan als Referentin dazu eingeladen wurde, zeigt ihre Beliebtheit speziell in ihrem Heimat-Bundesland. In den vergangenen Jahren wurde sie zu “Kärntens Sportlerin des Jahres” gewählt und ihre Chancen stehen gut, im Dezember den Hattrick zu fixieren.

Denn spätestens mit dem Gewinn der Bronze-Medaille Ende August bei der 14.1-Herren-WM in New York wurde die Klagenfurterin nicht nur über ihr Heimat-Bundesland sondern auch über die österreichischen Grenzen hinaus bekannt. Die Achte der österreichweiten Wahl zur “Sportlerin des Jahres” ist Österreichs Billard-Aushängeschild schlechthin und fungiert als solches auch schon bereits für die EM im kommenden April in St. Johann/Pongau.

Durchaus möglich, dass dies der erste große Turnier-Einsatz der blonden Athletin im Jahr 2009 wird, da sie derzeit auch noch für den Damen-Profitour-Auftakt im März in San Diego gesperrt ist. Doch die Berufung läuft, schon aus Prinzip. “Wir wollen das einfach ausdiskutiert haben”, erklärt Ouschan-Trainer Michael Neumann im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur. “Denn das könnte ja wieder passieren.”

Passiert ist, dass Ouschan an den “World 10 Ball Championships” in Manila teilgenommen hat, während gleichzeitig in Oregon ein Turnier der WPBA-Serie stattfand. “Wir haben das aber rechtzeitig angemeldet”, erläutert Ouschan. Es wurden zwar mögliche Konsequenzen von der WPBA angekündigt, doch mit einer Sperre für zwei Turniere hat niemand gerechnet. Ouschan: “Das verstehen auch viele meiner Konkurrentinnen nicht.”

Sollte die Sperre aufrechterhalten bleiben, würden die Bestrebungen der Damen nach einer Beteiligung an Herren-Turnieren einen erheblichen Dämpfer erleiden. “Ich bin das Leitbild dafür”, sagt Ouschan mit jenem Selbstbewusstsein, mit dem sie die Herren-Elite immer wieder in Verlegenheit bringt. “Für mich macht es aber keinen Unterschied, gegen wen ich spiele. Ich habe schon von klein auf gegen Männer gespielt.”

Manche Männer haben freilich Probleme damit, wenn sie gegen eine Frau verlieren. “Der Iraner, gegen den Jasmin bei der WM gewonnen hat,”, verrät Neumann, “hat uns drei Tage später erzählt, dass seine Familie seit seiner Niederlage nicht mehr mit ihm geredet hat.” In vielen Gebieten Asiens sind die Ansichten zu Frauen-Billard dahingehend eben anders, aber auch was die Beliebtheit von Billard im Allgemeinen betrifft.

80 Millionen Asiaten haben Ouschan bei der 10-Ball-WM live im Fernsehen spielen gesehen, dementsprechend groß ist ihr Bekanntheitsgrad. “Da ist es mir schon passiert,”, meint Ouschan, “dass ich unmittelbar nach einem Match von einem Taxler gefragt werde, warum ich einen Ball so und nicht so gespielt habe.” Der Vollblut-Sportlerin mit sieben, acht Stunden Training täglich gefällt es aber, wenn sie erkannt und um Autogramme gebeten wird.

In Österreich beschränkt sich der von ihr entfachte Billard-Boom vorerst eher auf Kärnten und speziell auf ihren Club Eintracht Klagenfurt. “Bei uns im Club sind jetzt sehr viele ‘Kids'”, zeigt sich Ouschan erfreut. In Österreich gibt es derzeit rund 1.500 Lizenzspieler. Gegenüber anderen europäischen Ländern wie Deutschland, Polen oder den Niederlanden hinkt man aber kräftig nach.

Ouschan arbeitet mit Akribie an ihrem Spiel. Neben zwei täglichen Trainingseinheiten mit dem Köö, macht sie Fitness- sowie Mentaltraining. Für die Koordinierung dieses Programm ist Neumann verantwortlich, er macht Ouschan die Medienarbeit und die Homepage http://www.jasmin-ouschan.com. “Mike ist sehr wichtig für mich”, sagt Ouschan über ihren Coach. “Er arbeitet schon seit 16 Jahren mit mir, sieht Sachen, die mir gar nicht auffallen.”

Neumann holt sich aus vielen anderen Sport-Bereichen Anregungen und versucht diese, in der Betreuung Ouschans anzuwenden. Obwohl das Duo jährlich zwischen 200 und 250 Tagen unterwegs ist, übt Neumann seinen Banken-Job so oft wie möglich noch immer aus und unterrichtet zudem an den Universitäten Klagenfurt und Salzburg im Bereich Betriebswirtschaftslehre.

Von anderen Damen auf der Tour kamen schon Anfragen, ob Neumann nicht auch sie coachen könne, doch der winkt ab. Auch Ouschan ist da dagegen: “Er kann ja mal eine Trainerstunde geben, aber nicht auch eine meiner Gegnerinnen trainieren.” Vielmehr wollen die beiden später einmal eventuell gemeinsam ein Trainingskonzept anbieten.

Vorerst sind Ouschan und Neumann aber bestrebt, noch mehr im Herren-Billard Fuß zu fassen. “Nach Bronze hätte ich gerne eine andere Farbe der Medaille”, sagt Ouschan und erklärt, warum die Herren-Elite über jene der -Damen zu stellen ist. “Die sind einfach mehr, die Klasse macht die Masse. Bei uns kommt hingegen wenig nach. Außerdem spielen die Herren aggressiver und machen weniger Fehler.”

Doch Ouschan sieht keinen Grund, warum nicht einmal eine Frau die Beste sein soll. “Ich bin gegen Männer mehr herausgefordert und motivierter. Gegen Frauen habe ich dagegen öfters Probleme.” Daher hat sie auch die 9-Ball-WM noch nicht gewonnen, die einzige für Frauen ausgeschriebene WM-Kategorie. Das will sie 2009 in Peking nachholen und möglichst auch ihren Titel bei den World Games in Taiwan mit Erfolg verteidigen.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 18.08.2019 um 06:57 auf https://www.salzburg24.at/archiv/billard-2009-will-ouschan-die-herren-elite-noch-mehr-aufmischen-59605291

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