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CD-Tipp: John Lee Hooker Jr.

Mit seinem dritten Album “All Odds against me” lässt John Lee Hooker Jr. den Blues in das 21. Jahr­hun­dert Einzug finden und erfindet sich neu als Superheld. Mit Video

Vielleicht ist John Lee Hooker Jr. - noch - nicht so berühmt wie sein Vater, doch der Blues fließt genauso stark durch seine Adern. Geboren wurde der Musiker in Detroit, der Stadt der amerikanischen Autoindustrie. Mit acht Jahren hatte er seinen ersten Auftritt in Begleitung seines Vaters beim regionalen Radiosender WJBK. Hier war die Entscheidung gefallen, Blues sollte auch sein weiteres Leben bestimmen. Es folgten weitere Auftritte. Schon mit 16 performte er im Fox Theater Detroit an der Seite des damals wohl erfolgreichsten Blues Musikers, Jimmy Reed. 1972, Junior ist noch ein Teen, singt er an der Seite seines Vaters bei der Aufnahme des Live Albums im Soledad Gefängnis.

Blues als Schmerzmusik, Blues als Bewältigung des Lebens, als Bewältigung der Vergangenheit. “All Odds against me” befasst sich mit John Lee Hooker Jrs. prägenden Erlebnissen seiner Vergangenheit. Drogenabhängigkeit, Kriminalität und die Tatsache, das Kind einer Legende zu sein. Der Opener “Dear John” ist eine ironische Wiedergabe der Briefe seiner Ex-Frau, die der Musiker zugestellt bekommt während er im Gefängnis sitzt. Die Zeilen: “You see John, I only married you because at that time I was doing real bad - now I’m about to become the recipient of everything you’ve ever had” sprechen für sich. Alle Songs stammen aus seiner eigenen Feder, im Gegensatz zu den bisher erschienenen Veröffentlichungen.

Mit diesem Album bringt John Lee Hooker Jr. den Blues ins 21. Jahrhundert. Elemente des Hip Hops und des elektronischen Jazz fließen in den Old School Blues ein. Die Songpalette ist breit, vom ernsten Detroiter Straßenblues bis hin zur neuen Soundära. Innovation zeigt auch das Vorhaben, der erste Superheld des Blues zu werden. “The Bluesman”, eine Comicfigur, die vom Franzosen Laurent Mercier konzipiert wurde, ist der Held des Videos zu “Blues ain’t nothing but a pimp”. Mercier selbst ist der Sohn eines französischen Jazzers und Zeitgenossen von Hooker Senior. Es ist das erste von drei Videos, welche 2008 nach und nach veröffentlicht werden. Der erste Schritt, aus dem Schatten des Vaters zu treten, scheint mit diesem Album getan.

Herausgegeben wurde “All odds against me” in Europa von Jazzhouse Records und der Release wird von einer Tour begleitet. Mit dabei sind Mike Rogers (Drums), Gig Anderson (Keyboard), George Lacson (Bass) und Jeffrey James Horan (Gitarre). Wer wissen will, wie sich die Zukunft des Blues anhört, dem sei dringend empfohlen, eines von John Lee Hooker Jr.’s Konzerten zu besuchen (am 13. Oktober im Salzburger Rockhouse und am 16. Oktober im Alten Kino Rankweil) oder zumindest sich so schnell wie möglich das Album zu besorgen. Wir geben “All Odds Against Me” 9 von 10 Wettscheinen. (br)

Video: “Blues Ain’t Nothing But A Pimp”

Offizielle WebsiteJohn Lee Hooker Jr. – Myspace

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 17.06.2019 um 07:16 auf https://www.salzburg24.at/archiv/cd-tipp-john-lee-hooker-jr-59602903

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