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Daniel Johnston spielte drittes Österreich-Konzert in der Arena Wien

Bereits zum dritten Mal gastierte der "Lo-Fi-Pate" Daniel Johnston in Österreich: Am Dienstag begeisterte er in der Wiener Arena ein aufmerksames Publikum mit Punk-Melancholie vom Feinsten. Wie es ihm dabei geht, weiß man nicht so genau.

Eins ist unklar: Daniel Johnston mittlerweile Spaß daran hat, sich auf eine Bühne zu stellen. Auf jeden Fall wirkt er nicht mehr ganz so verzweifelt und getrieben wie früher. Der amerikanische Singer/Songwriter ist älter geworden, auch etwas ruhiger, und sieht von der Ferne fast wie ein George-Lucas-Lookalike aus.

Daniel Johnston sorgt für Melancholie-Stimmung

Er hat immer noch keine gute Stimme, aber wenn er seine kleinen Weisheiten aus sich herauspresst, das Mikrofon dabei fest umklammert, entsteht selbst in der großen Halle der Wiener Arena eine melancholische Club-Stimmung. "Es gibt einen Sinn für Humor, der weit über Freundschaft hinausgeht", sang Johnston am Dienstagabend zum Auftakt seines dritten Österreich-Konzerts vor einem aufmerksam lauschenden und an den richtigen Stellen lauten Publikum. Auch das war nicht immer so: Bei seinem letzten Auftritt in der Arena versuchte er alleine, gegen eine beständig quatschende Menge anzukommen und scheiterte gnadenlos. Es kann meistens nicht schaden, wenn ein Hype abklingt und aus dem "Lo-Fi-Paten" wieder schlicht ein gern gesehener Geheimtipp wird.

"Das Leben ist wie eine Kuh"

Nach einer Handvoll Songs alleine gesellten sich Wiener Musiker, darunter Elektronikmusiker Bernhard Fleischmann und Gitarrist Wolfgang Möstl, zu Johnston, um diesen nicht zuletzt bei seinen Hits "Speeding Motorcycle" oder "Bloody Rainbow" zu unterstützen und eine fast rührige Punk-Atmosphäre entstehen zu lassen. Da stimmte möglicherweise nicht jeder Einsatz, aber wenn Johnston Sätze wie "Jemand hat einmal gesagt, dass das Leben wie eine Kuh sei, aber ich weiß nicht, wie das zutreffen könnte" loslässt, dann ist ohnehin nicht Perfektion, sondern Emotion das Ziel. Und Emotionen weiß der manisch-depressive Künstler, der Aufenthalte in psychiatrischen Anstalten ebenso hinter sich gelassen hat wie den großen Rummel um seine Person, ohne viel Aufhebens zu erzeugen, sei es ein Schmunzeln, sei es Mitgefühl oder eine paradox herzerweiternde Melancholie. All jenen, die parallel das Ausscheiden von Barcelona im Halbfinale der Champions League am Handy mitverfolgten, bot Johnston mit seinen magischen Miniaturen direkten Trost - bis zur Krönung des Konzerts, als Daniel Johnston das traurige "True Love Will Find You In The End" anstimmte.
(Quelle: S24)

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