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Der Vatikan: Ministaat mit großem Reichtum und wenig Transparenz

Der Papst verfügt über eines der größten Vermögen der Welt, doch niemand weiß wirklich, wie reich der Vatikan ist. EPA
Der Papst verfügt über eines der größten Vermögen der Welt, doch niemand weiß wirklich, wie reich der Vatikan ist.

Mit knapp einem halben Quadratkilometer ist der Vatikan der kleinste Staat der Welt. Die auf dem Hügel Vaticano gelegene Enklave im Nordwesten Roms ist ein souveräner Staat mit dem Papst als Oberhaupt. Der Pontifex verfügt dank seines Amtes über eines der größten Vermögen der Welt.

Die Vermögenswerte des Vatikans sind ein viel diskutiertes Geheimnis. Die Finanzen des Heiligen Stuhls sind so undurchsichtig, dass keiner außerhalb der Vatikanmauern weiß, über wie viel Geld ein Pontifex heute wirklich verfügt. Die Schätzungen reichen von 1,2 Milliarden Euro bis zwölf Milliarden Euro und mehr. Dazu zählen auch die Kunstwerke und Gebäude des Kirchenstaates, die größtenteils unveräußerlich sind.

Vielseitige Einnahmen

Große Teile des Vermögens sind in Wertpapieren und Goldreserven angelegt. Hinzu kommen Mieteinnahmen, Verkauf von Münzen, Briefmarken und Souvenirs, sowie Abgaben aus der Kirchensteuer der Diözesen und der sogenannte Peterspfennig, eine jährliche von Katholiken aus der ganzen Welt freiwillig geleistete Sonderkollekte für den Papst. Diese Abgabe ist dazu gedacht, die karitative Arbeit des Pontifex zu unterstützen. Insider spekulieren allerdings, dass der Obulus über Jahre hinweg zur Deckung der Defizite in der Verwaltungsrechnung genutzt wurde.

Teuer: Angestellte und Medien

Jedes Jahr veröffentlicht der kleinste Staat der Welt seine Bilanzen. Was der Präsident der vatikanischen Wirtschaftspräfektur dabei der Öffentlichkeit vorlegt, wirkt erstaunlich mickrig. Ist der Heilige Stuhl tatsächlich so arm dran, wie er vorgibt? Laut den Angaben des vergangenen Jahres meldete der Vatikan 2011 (die aktuellsten verfügbaren Zahlen) ein Minus von 14,9 Millionen Euro. Der Grund für den Fehlbetrag ergebe sich aus der negativen Entwicklung der Weltmärkte, berichteten die Kardinäle, die über die Bilanzen wachen. Den größten Posten im Haushalt des Heiligen Stuhls machten demnach die Personalkosten für die 2.832 Angestellten, sowie die Ausgaben für die Medien aus, darunter der Sender Radio Vatikan.

Vatikanische Museen als Besuchermagnete

Anders als der Haushalt des Heiligen Stuhls, der die Kurienbehörden und die Vatikanvertretungen im Ausland einschließt, wies die Bilanz des Vatikanstaates mit seinen 1.887 Mitarbeitern ein Plus von 21,8 Millionen Euro aus. Der "Peterspfennig" verzeichnete für 2011 einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 54,6 Millionen Euro auf 56,2 Millionen Euro. Auch der Betrag, mit dem die Diözesen der Weltkirche zur Unterstützung des Heiligen Stuhles beitragen, ist angestiegen: von 22,1 Millionen Euro auf 25,9 Millionen Euro. Die Vatikanbank überwies aus ihrem Gewinn dem Papst für 2011 einen Betrag von 49 Millionen Euro. Als besondere Einnahmequelle für den Vatikanstaat erweisen sich die Vatikanischen Museen. Sie überschritten 2011 die Marke von fünf Millionen Besuchern. Die Einnahmen stiegen damit von 82,4 Millionen Euro auf 91,3 Millionen Euro.

Vatikanbank wird Betrug vorgeworfen

Wenig transparent sind auch die Geschäfte des "Istituto per le Opere di Religione" (IOR). Dieses 1942 von Papst Pius XII. gegründete "Institut für religiöse Werke" gilt als die eigentliche Vatikanbank, legt aber traditionell weder Bilanzen noch Rechenschaftsberichte vor. Eigentümer der Bank ist der Pontifex, der auch die Gewinne für sich beansprucht. Mehr als einmal waren unsaubere Finanzgeschäfte des IOR in der Vergangenheit in die Schlagzeilen geraten. Von Geldwäsche, Betrügerei und Mafia war die Rede.

Causa Roberto Calvi

Viele Italiener erinnern sich noch an Roberto Calvi, den Direktor der Mailänder Banco Ambrosiano, der wegen seiner engen Beziehungen zum Heiligen Stuhl auch "Bankier Gottes" genannt wurde. Nach dem betrügerischen Konkurs des Geldinstituts verließ Calvi fluchtartig Italien - und wurde am 17. Juni 1982 erhängt unter der "Brücke der schwarzen Brüder" in London aufgefunden. "Wenn mir etwas zustößt, muss der Papst zurücktreten", soll er noch kurz vor seinem Tod gesagt haben. Im Zuge der Ermittlungen musste auch US-Kardinal Paul Casimir Marcinkus, damaliger Chef des IOR, zurücktreten. Bis heute liegen die Hintergründe zum Tod Calvis im Dunkeln. Offiziell handelt es sich um Selbstmord.

Wegen revolutionärer Pläne abgesetzt?

Vergangene Woche ernannte die für die Vatikanbank zuständige Kardinalskommission den deutschen Banker Ernst Freiherr von Freyberg zum neuen IOR-Präsidenten. Der Posten war seit der aufsehenerregenden Absetzung von Ettore Gotti Tedeschi vor neun Monaten vakant. Gotti Tedeschi behauptete, er sei abgesetzt worden, weil er für schonungslose Transparenz habe sorgen wollen, wogegen sich aber Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone gesträubt habe. Dies nährte Spekulationen über Intrigen und Machtkämpfe im IOR, das ein Vermögen von sechs Milliarden Euro verwaltet.

Finanzaufsichtsbehörde bemängelt

Um mehr Transparenz in den Vatikan-Finanzen einzuführen, hatte Benedikt Ende 2010 mit einem Erlass neue Normen gegen die Geldwäscherei angeordnet. Gleichzeitig wurde auch eine neue vatikanische Finanzaufsichtsbehörde geschaffen. Damit wurde offenbar darauf reagiert, dass der Anti-Geldwäscherei-Ausschuss "Moneyval" des Europarates dem Vatikan noch im vergangenen Sommer zwar normative Fortschritte attestiert, doch zugleich bemängelt hatte, dass die konkrete Kontrolle unzureichend geblieben sei.

Zahlungsverkehr blockiert

Zwischen Jänner und Mitte Februar wurde außerdem der von der italienischen Tochter der Deutschen Bank besorgte Kredit- und EC-Zahlungsverkehr von der Banca d'Italia blockiert. Die italienische Notenbank behauptete, dass es EU-Banken untersagt sei, in Nicht-EU-Ländern wie dem Vatikan ohne adäquate Anti-Geldwäscherei-Vorkehrungen tätig zu sein. Der Zahlungsverkehr wird jetzt durch den Schweizer Dienstleister Aduno abgewickelt. (APA)

Hier gibt es mehr Infos zur Papstwahl 2013!

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 17.07.2019 um 04:17 auf https://www.salzburg24.at/archiv/der-vatikan-ministaat-mit-grossem-reichtum-und-wenig-transparenz-42592786

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