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Dick aufgetragen, aber flott und amüsant: "Kiss me, Kate" in Salzburg

Fast auf den Tag genau 34 Jahre lang hat das Salzburger Landestheater Cole Porters "Kiss me, Kate" nicht mehr auf dem Spielplan gehab, bis Sonntagabend.

Da hat ein Großaufgebot des Theaters diesen meisterlich-amüsanten Schmachtfetzen wieder auf die Bühne gebracht. Die Regisseure Andreas Gergen und Christian Struppeck und ihr Team - das mit zwei Hauptdarstellerinnen verstärkte Sänger-Ensemble, das Mozarteumorchester, der Chor, das Ballett sowie die Statisterie und die Techniker - haben mit dieser "Kate" einen veritablen Erfolg eingefahren.

Die feine Klinge hat das Landestheater dabei allerdings nicht geführt. Stattdessen haben die Regisseure keine Gelegenheit ausgelassen, die Story mit Gags zu spicken und das Stück als sprudelig-flottes, aber im Detail oft auch plattes Unterhaltungsprogramm zu präsentieren, in dem bis an die Schmerzgrenze dick aufgetragen wird. Mehr noch leidet die Inszenierung an einzelnen Wiederholungen und Hängern, die den Drei-Stunden-Abend ganz schön lang wirken lassen.

Davon abgesehen aber ist dieser Cole-Porter-Dauerbrenner um eine widerspenstige Diva, die sich zwischen einem bequemen Leben an der Seite eines Idioten und den Widrigkeiten des Theaterlebens entscheiden muss und dabei frei nach Shakespeare auch noch gezähmt wird, überzeugend über die Rampe gekommen. Das Tempo ist überwiegend gut, und auch das Zusammenspiel aller Theatersparten funktioniert einigermaßen. Zwar müssen sich viele Abläufe noch besser einspielen, etwa die Feinabstimmung zwischen Bühne und Orchestergraben, in dem Peter Ewaldt den Swing des Mozarteumorchesters dirigiert hat, war noch nicht immer auf dem Punkt. Auch Simon Eichenbergers Ballett wird wohl noch präziser, und bestimmt werden bald alle Chordamen wissen, wo sie sich hinstellen sollen. Aber all das wird passieren - die Buchungslage für die folgenden 16 Vorstellungen ist zu Recht ausgezeichnet.

Stephan Prattes hat eine originelle und zweckdienliche Bühne gebaut. Bunt, schrill und lautstark die Kostüme von Conny Lüders, die sich ästhetisch in historischem Shakespeare-Theater, Crazy-Horse-Revue, Cheerleader-Parade und "Fluch der Karibik" bedient hat. Den größten Anteil am Erfolg aber haben wohl die Sänger und Schauspieler.

Allen voran die beiden Gäste aus Deutschland. Bettina Mönch gab das blonde Dummchen, das die Männer trotzdem vorführt, umwerfend komisch. Zugleich verfügt die Münchnerin über die beste Musical-Stimme dieser Produktion. Gleichwertig agierte Franziska Becker in der Hauptrolle mit ihrer guten, aber phasenweise etwas operesken Stimme - zwei schöne Frauen, die singen, tanzen und spielen können, Musicalherz, was willst du mehr. Überraschend gut auch der singende Schauspieler Sascha Oskar Weis als Fred, der genau wie Aris Sas als Bill mit den Musical-Spezialisten tadellos mithalten konnte. Hubert Wild, Angela Hercules-Joseph, Franz Supper, Werner Friedl, Simon Schnorr und eine Reihe von Solisten des Chores und des Ballettes ergänzten ein insgesamt stimmiges Ensemble in einer lange beklatschten Musical-Premiere in Salzburg. (APA)


Salzburger Landestheater

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 09.12.2019 um 08:25 auf https://www.salzburg24.at/archiv/dick-aufgetragen-aber-flott-und-amuesant-kiss-me-kate-in-salzburg-59175727

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