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Die 7 Bundespräsidenten der Zweiten Republik vor Heinz Fischer

Seit 2004 ist Heinz Fischer Bundespräsident, am kommenden Sonntag wird sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin gewählt. Wer von euch kennt eigentlich noch die Präsidenten vor Fischer? In der Serie „Die 7“ werfen wir diesmal einen Blick auf unsere Geschichte.

7 Bundespräsidenten zählt die Zweite Republik vor dem amtierenden Heinz Fischer. Seine Amtszeit endet am 8. Juli 2016. Wer ihm nachfolgt, wird kommenden Sonntag entschieden. Fischer ist seit 2004 Bundespräsident von Österreich. Er übernahm das Amt von Thomas Klestil, der zwei Tage vor Ende seine Amtszeit am 6. Juli 2004 an den Folgen eines Herzinfarktes starb. Von den 7 Bundespräsidenten vor Fischer starben übrigens 5 noch während ihrer Amtszeit.

Karl Renner (20. Dezember 1945 bis 31. Dezember 1950)


Karl Renner (geboren am 14. Dezember in Untertannowitz, Mähren) war einer der einflussreichsten Politiker Österreichs. Der ausgebildete Jurist war nach dem Ersten Weltkrieg von 1918 bis 1920 als Staatskanzler maßgeblich am Entstehen der Ersten Republik beteiligt. Er leitete auch die österreichische Delegation bei den Verhandlungen in Saint-Germain und war von 1931 bis 1933 Präsident des österreichischen Nationalrates. Sein Rücktritt löste eine Geschäftsordnungskrise aus, die die Bundesregierung Dollfuß nutzte, um das Parlament auszuschalten. So wie zahlreiche andere Sozialdemokraten wurde er 1934 vorübergehend inhaftiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er wiederum Kanzler der provisorischen Staatsregierung. Am 20. Dezember 1945 wählte ihn die Bundesversammlung einstimmig zum ersten Bundespräsidenten der Zweiten Republik. Er bekleidete das Amt bis zu seinem Tod am 31. Dezember 1950.

2. Theodor Körner (21. Juni 1951 bis 4. Jänner 1957)

"Österreich ist ein friedliches Land", begrüßte BP Theodor KORNER am 26. September 1955 bei einem Vorbeimarsch die ersten österreichischen Soldaten der Zweiten Republik./APA/Archiv Salzburg24
"Österreich ist ein friedliches Land", begrüßte BP Theodor KORNER am 26. September 1955 bei einem Vorbeimarsch die ersten österreichischen Soldaten der Zweiten Republik./APA/Archiv

Theodor Körner (geboren am 24. April 1873 in Újsz?ny bei Komorn, Österreich-Ungarn / heute Teil von Komárom) qualifizierte sich nach dem Besuch der Technischen Militärakademie in Wien für die Ausbildung zum Generalstab. Nach seiner Tätigkeit im Ersten Weltkrieg war er maßgeblich am Aufbau des österreichischen Bundesheeres beteiligt, 1924 wurde er pensioniert und zum General befördert. Im selben Jahr trat er in die SPÖ ein und startete seine politische Karriere. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er am 17. April 1945 Bürgermeister von Wien und 1950 wurde er von den Sozialdemokraten für die erste Volkswahl des Bundespräsidenten 1951 nominiert, die er im zweiten Wahlgang gewann. Körner starb während seiner Amtszeit, am 4. Jänner 1957, in Wien.

3. Adolf Schärf  (22. Mai 1957 bis 28. Februar 1965)


Adolf Schärf (geborgen am 20. April 1890 in Nikolsburg, Südmähren) war nach dem Ersten Weltkrieg Sekretär der sozialdemokratischen Parlamentspräsidenten Seitz, Eldersch und Renner sowie des sozialdemokratischen Abgeordnetenklubs und 1933/34 war er Mitglied des Bundesrates. Nach der Errichtung der Ständestaatsdiktatur durch Engelbert Dollfuß 1934 legte der promovierte Doktor der Rechtswissenschaften die Rechtsanwaltsprüfung ab, um als Anwalt arbeiten zu können, was er während des Zweiten Weltkrieges auch tat.

Als Mitglied der Widerstandsgruppe O5 war er 1944, wie auch 1934 und 1938, kurzzeitig in politischer Haft. Nach dem Krieg wurde er politischer Staatssekretär der Provisorischen Staatsregierung unter Karl Renner. Nach den ersten Nationalratswahlen im November 1945 war Schärf bis 1957 SPÖ-Parteivorsitzender, Vizekanzler der Koalitionsregierungen von ÖVP und SPÖ und Abgeordneter zum Nationalrat. Nach den Bundespräsidentenwahlen 1957 wurde Schärf dritter Bundespräsident der Zweiten Republik. 1963 wurde er als erster Präsident wiedergewählt. Zwei Jahre später, am 28. Februar 1965, starb er.

4. Franz Jonas (9. Juni 1965 bis 24. April 1974)

Foto mit Rudolf Kirchschläger,Bruno Kreisky und Franz Jonas (v.l.n.r.) aus dem Jahr 1971 beim Abschied des belgischen Staatsbesuches./APA/ Fritz Kern Salzburg24
Foto mit Rudolf Kirchschläger,Bruno Kreisky und Franz Jonas (v.l.n.r.) aus dem Jahr 1971 beim Abschied des belgischen Staatsbesuches./APA/ Fritz Kern

Franz Jonas (geboren am  4. Oktober 1899 in Floridsdorf) war gelernter Schriftsetzer. In der Zeit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre fungierte er als Sekretär der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Nach der Ausschaltung des Parlaments 1933 und dem Verbot der Sozialdemokratie durch Dollfuß wurde Jonas arbeitslos. Zeitweise arbeitete er als Zeitungssetzer. Nachdem er 1945 an der Gründung der SPÖ teilnahm, war er von 1948 bis 1949 Stadtrat für Ernährungswesen in Wien.

Danach war Jonas bis 1951 Stadtrat für Bauwesen und nach der Wahl von Bürgermeister Theodor Körner zum Bundespräsidenten war er 1951–1965 Bürgermeister von Wien. Zugleich war er Präsident des Österreichischen Städtebundes. Franz Jonas war von 1952 bis 1953 auch Mitglied des Bundesrates und danach bis 1965 auch Abgeordneter zum Nationalrat. Nach dem Tod Adolf Schärfs trat er für die SPÖ bei den Bundespräsidentenwahlen 1965 an. Nach seiner ersten Amtsperiode wurde er 1971 wiedergewählt. Er starb am 24. April 1974 in Wien.

5. Rudolf Kirchschläger (8. Juli 1974 bis 8. Juli 1986)

BP Rudolf Kirchschläger, Prinz Charles und Prinzessin Diana am 15.04.1986 anläßlich ihres zweitägigen (14.04. - 15.04.1986) Besuches in Österreich./APA/Robert Jäger Salzburg24
BP Rudolf Kirchschläger, Prinz Charles und Prinzessin Diana am 15.04.1986 anläßlich ihres zweitägigen (14.04. - 15.04.1986) Besuches in Österreich./APA/Robert Jäger

Rudolf Kirchschläger (geboren am 20. März 1915 in Niederkappel) schloss 1940 das Studium der Rechtswissenschaften ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er zunächst Lehroffizier an der Theresianischen Militärakademie. Zwischen 1947 und 1954 war er Richter am Bezirksgericht Langenlois, danach arbeitete er als Rechtsexperte im Außenministerium. 1954 war er Landesgerichtsrat am Bezirksgericht Wien-Innere Stadt. 1963 war er Kabinettchef bei den Außenministern Bruno Kreisky und Lujo Ton?i?-Sorinj, danach war er von 1967 an österreichischer Gesandter in Prag bis zu seiner 1970 erfolgten Berufung als Parteiloser zum Außenminister der Bundesregierung Kreisky I. Nach dem Tod von Franz Jonas wurde er von der SPÖ unter Bruno Kreisky als Parteiloser für die Bundespräsidentenwahlen 1974 nominiert, die er gewann. 1980 wurde er für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Am 30. März 2000 starb Kirchschläger in Wien.

6. Kurt Waldheim (8. Juli 1986 bis 8. Juli 1992)

Der ehemalige SPÖ-Bundeskanzler Bruno Kreisky (22.11.1911 - 29.07.1990) wäre am 22. Jänner 2011 100 Jahre alt geworden. Im Bild Bruno Kreisky am 7. Februar 1986 im Gespräch mit Alt-Bundespraesident Kurt Waldheim (Mitte) und dessen Gattin Elisabeth während des Opernballs./APA/ ROBERT JAEGER Salzburg24
Der ehemalige SPÖ-Bundeskanzler Bruno Kreisky (22.11.1911 - 29.07.1990) wäre am 22. Jänner 2011 100 Jahre alt geworden. Im Bild Bruno Kreisky am 7. Februar 1986 im Gespräch mit Alt-Bundespraesident Kurt Waldheim (Mitte) und dessen Gattin Elisabeth während des Opernballs./APA/ ROBERT JAEGER

Kurt Waldheim (geboren am 21. Dezember 1918 in St. Andrä-Wördern) promovierte zum Doktor der Rechtswissenschaften und arbeitete nach dem Krieg als Sekretär von Außenminister Karl Gruber, danach war er als Diplomat in Paris von 1948 bis 1951, in Toronto von 1956 bis 1960 und Botschafter in New York von 1964 bis 1968 sowie 1970 bis 1971 tätig. Von 1968 bis 1970 war er österreichischer Außenminister. 1971 kandidierte er für die ÖVP bei den Bundespräsidentenwahlen, doch der SPÖ-Kandidat Jonas konnte die Wahl für sich entscheiden. Zuvor arbeitete Waldheim als ständiger österreichischer UN-Beobachter von 1955 bis 1956.

Von 1964 bis 1968 und von 1970 bis 1971 war er ständiger österreichischer Vertreter bei den Vereinten Nationen. Nach der Wahlniederlage bei den Bundespräsidentenwahlen 1971 wurde er im selben Jahr zum UN-Generalsekretär gewählt und übte dieses Amt zwei Amtsperioden bis 1981 aus. Nach seiner Gastprofessur an der Georgetown University in Washington, D.C. bis 1983 kandidierte er 1986 für die ÖVP neuerlich bei den Bundespräsidentenwahlen und setzte sich im zweiten Wahlgang gegen Kurt Steyrer (SPÖ) durch. Die Wahlen wurden durch die sogenannte Waldheim-Affäre überschattet; sie führte dazu, dass Bundespräsident Waldheim in den Vereinigten Staaten unwillkommen war. Sie nahmen ihm übel, dass er bei seiner Bewerbung bei der UNO seinen Lebenslauf geschönt hatte, was seine Tätigkeiten in der NS-Wehrmacht betraf. Sein Todestag ist der 14. Juni 2007.

7. Thomas Klestil (8. Juli 1992 bis 6. Juli 2004)

Thomas Klestil im Rahmen seiner Angelobung zum BP am 08.07.1992, waehrend seiner Ansprache im Reichsratssitzungssaal./APA/Barbara Gindl Salzburg24
Thomas Klestil im Rahmen seiner Angelobung zum BP am 08.07.1992, waehrend seiner Ansprache im Reichsratssitzungssaal./APA/Barbara Gindl

Nach der Matura studierte Thomas Klestil (geboren am  4. November 1932 in Wien) an der Hochschule für Welthandel und schloss sein Studium mit der Promotion zum Doktor der Handelswissenschaften 1957 ab. Danach startete er seine Diplomatenlaufbahn im Bundeskanzleramt in der Sektion, die die Außenbeziehungen Österreichs wahrnahm. Von 1959 bis 1962 war er Mitglied der österreichischen Delegation bei der OECD in Paris. 1962 wurde er an die österreichische Botschaft in Washington versetzt. 1966 wurde er Sekretär bei Bundeskanzler Josef Klaus. Später wurde Klestil UNO-Botschafter Österreichs in New York. 1989 kehrte er nach Österreich zurück und wurde unter Alois Mock Generalsekretär des Außenministeriums.

Bei den Bundespräsidentenwahlen 1992 kandidierte er für die ÖVP und konnte sich im zweiten Wahlgang gegen den SPÖ-Kandidaten Rudolf Streicher durchsetzen. In seine zweite Amtszeit nach den Wahlen 1998, bei denen auch SPÖ und FPÖ seine Wahl empfahlen, fiel das Novum, dass sich 2000 mit der ÖVP-FPÖ-Regierung erstmals eine Regierung bildete, die vom Bundespräsidenten nicht gewünscht war, aber die Mehrheit des Nationalrats hinter sich hatte. Bekannt wurde Klestils steinerne Miene bei der Angelobung dieser Regierung, die zum Bruch mit seiner Partei führte. Am 5. Juli 2004 erlitt Klestil zwei Herzinfarkte, an deren Folgen er einen Tag später, also zwei Tage vor Ende seiner zweiten Amtsperiode, starb.

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