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"Die Hochzeit des Figaro": Gelungene Premiere im Salzburger Landestheater

Schwieriger Start und gefeiertes Ende: Das Salzburger Landestheater erntete am Sonntagabend &#8211 trotz szenischer Probleme &#8211 viel Applaus für die erste Premiere der neuen Saison, die “Hochzeit des Figaro”. Die gespannten Premierengäste streuten dem Ensemble rote Rosen für eine durchwegs spannende Interpretation der beliebten Mozartoper.

Ausgerechnet das erste Stück unter der neuen Intendanz von Carl Philipp von Maldeghem war drei Tage vor seiner Premiere bereits in die Schlagzeilen geraten. Regisseur Christian Sedelmayer hatte wegen”unüberbrückbarer szenischer Differenzen” am Donnerstag im Salzburger Landestheater den Hut nehmen müssen. Seine szenische Aufgaben übernahmen daraufhin seine Assistenten Rudolf Frey und Nicole Brunner, die, wie sich später zeigte, in zwei Proben jedoch nur noch Details reparieren konnten.

Dementsprechend gespannt schien das Publikum, das am Sonntag zur “Hochzeit des Figaro”-Premiere im Landestheater erschien. Spannung zog sich dann auch auf künstlerischer Ebene durch die ganze Mozartoper: Dirigent Leo Hussain führte das Mozartorchester und das neue Sängerensemble des Landestheater mit viel Gespür für die musikalischen Raffinessen durch den Abend. Feingefühl hatten auch Maldeghem und Operndirektor Bernd Feuchtner bei der Auswahl des neuen Mozartensembles bewiesen: so gab Bariton und Countertenor Hubert Wild einen jugendlich kecken Figaro und die Sopranistin Karolina Plicková eine ebenbürtige Susanne, die nicht mit ihren Reizen geizte. Der Graf Almaviva, Bariton Simon Schnorr, bemühte sich in Sneakers und offenem Hemd durchwegs mit größter Leidenschaft um Aufklärung der Intrigen. Julianne Borg lieh der Gräfin Almaviva ihre Stimme. Sie beglückte das Publikum mit facettenreichem Sopran und führte mit viel Darstellungskraft das Liebesleid einer Frau vor, der die Treue des Gatten und die Rettung der eigenen Ehre enorm wichtig ist. Engagiertes Spiel und soliden Gesang zeigen auch Linda Sommerhage als Cherubino, Merit Ostermann als Marcellina und Sophie Mutterhuber als Barbarina.

Christian Sedelmayer, den nun nur noch das “Figaro”-Bühnenbild mit dem Landestheater verbindet, konstruierte ein Himmelbett, das mit schwarzen Folie verhängt wird und den Darstellern für diverse Versteckspiele dient. Störend ist, dass mitten in einer Arie Bühnenarbeiter in die Szene platzen und die Kulisse – das Bett - wegschieben. Der veilchenblaue Hintergrund mit  aufgemalten Alpenblumen und dunklen Weiden ist Geschmackssache, zwei Gucklöcher helfen den Darstellern räumliche Distanz zu schaffen. Sehr gelungen scheint die Umsetzung der Verwirrungen in der vorletzten Szene. Wenn sich Susanna als Gräfin ausgibt und umgekehrt, bietet das Schatten-Spiel vor einer grünen Leinwand, eine gute Gelegenheit die Overknees der Gräfin auszuprobieren. In diesem Gartengrün finden die Damen beste Gelegenheiten um ihre erotischen Trümpfe auszuspielen. 

Werden Figaro und der Graf schwach, hält auch das Publikum nicht lange stand. So gabs zum Abschied einen nicht enden wollenden Applaus für die Leistung des jungen Mozartensembles und der Musik die Leo Hussain dem Mozartorchester entlockte. Das Publikum streute zum Dank rote Rosen und führende Salzburger SPÖ-Politiker applaudierten ohne Unterbrechung bis zur allerletzten Verbeugung – die erste gelungene Premiere des sich neu definierenden Landestheaters läßt auf mehr gutes Gelingen in naher Zukunft hoffen.

(dak)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 11.05.2021 um 06:23 auf https://www.salzburg24.at/archiv/die-hochzeit-des-figaro-gelungene-premiere-im-salzburger-landestheater-59624590

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