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Dieb macht Opfern Freude

Bregenz – Hoch drehendes Motorengeknatter, verchromtes Blech und der unverwechselbare Geruch von verbranntem Zweitaktgemisch - die Zündapp war der Traum vieler Jugendlicher in den 70er- und 80er-Jahren. Auch der heute 41-Jährige Rudolf Hefel aus Bregenz erlag dem Moped-Virus in seinen Jugendjahren.

Lang hatte er gespart, um sich das rund 15.000 Schilling teure Kleinmotorrad kaufen zu können. Doch das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit währte nur knapp ein Jahr. Im Herbst 1984 wurde sein heiß geliebtes Gefährt gestohlen. Vor dem Metro-Kino in Bregenz. Für den 17-Jährigen ist damals „eine Welt zusammengebrochen”. „Das Moped war mein Ein und Alles”, trauert Rudolf Hefel dem gestohlenen Zweirad heute noch nach.

Spätes Trostpflaster

Nun – 25 Jahre später – gibt es offenbar doch noch ein kleines Trostpflaster für den bestohlenen Bregenzer. Wie die „VN” vergangene Woche ausführlich berichteten, hatte ein Unbekannter in einem „Bekennerschreiben” an die Polizei angegeben, dass er im Jahr 1983 oder 1984 ein Moped der Marke Zündapp vor dem Bregenzer Metro-Kino entwendet habe. In dem Brief entschuldigte sich der reumütige Dieb („Mir war damals vermutlich aufgrund mangelnder Reife die Tragweite einer solchen Tat sowohl ideell als auch materiell viel zu wenig bewusst”), bat die Polizei, das Opfer ausfindig zu machen und legte 1400 Euro als Entschädigung bei.

Warten auf Hinweis

Wie berichtet, stießen die Bregenzer Polizisten beim Durchforsten der alten Akten auf verblüffende Probleme. Die Recherche hatte nämlich ergeben, dass sowohl 1983 als auch 1984 eine Zündapp vor dem Metro-Kino gestohlen wurde – also zwei mögliche Geschädigte für die 1400 Euro-Entschädigung in Frage kommen. Eine Woche lang wartete der ermittelnde Beamte, Heinrich Metzler, auf einen weiteren Hinweis des anonymen Täters. „Die Angabe der Farbe des Mopeds hätte ausgereicht, um den wahren Geschädigten identifizieren können”, so Metzler. Da der reumütige Dieb das Rätsel bis heute nicht lüften wollte oder konnte, hat Chef-Ermittler Metzler jetzt entschieden, die 1400 Euro aufzuteilen. 700 Euro gehen an Rudolf Hefel. Das andere mögliche Diebstahlsopfer – der Mann aus Bregenz möchte anonym bleiben – war versichert und hat nach dem Diebstahl im Jahr 1983 Geld von der Versicherung erhalten. Der eigentliche Geschädigte ist somit die Versicherung. Die Versicherung – in diesem Fall die Wiener Allianz – wird das Geld nicht verbuchen, sondern spenden, wie die „VN” in Erfahrung bringen konnten. „Als wir von der Polizei vom Fall gehört haben, war uns gleich klar, dass das Geld einem guten Zweck zugute kommen soll. 600 Euro spenden wir der regionalen Sozialaktion ‚Ma hilft‘, 100 Euro bekommt der Versicherte für seinen damaligen Selbstbehalt”, sagt Otto Jenewein, Leiter der Landesdirektion der Wiener Allianz Versicherung, gegenüber den „VN”.

Unverhofft

Lobend über die später Reue des Mopeddiebes äußert sich Rudolf Hefel. „Ich finde es echt spitze, dass sich der Dieb nach so vielen Jahren doch noch gemeldet hat und seinem Brief sogar noch Geld beigelegt hat. Das ist nicht selbstverständlich”, freut sich der Bregenzer über das verspätete „Weihnachtsgeschenk”. Der Dieb kann übrigens nicht mehr bestraft werden, die Tat ist längst verjährt.

 

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 10.05.2021 um 09:44 auf https://www.salzburg24.at/archiv/dieb-macht-opfern-freude-59608036

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