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Eisbrecher "Eduard" hält den Linzer Hafen befahrbar

 Das Eis am Linzer Hafen ist derzeit zehn bis zwölf Zentimeter dick und könnte Schiffe beschädigen. Also muss der Eisbrecher "Eduard" ans Werk. Kapitän Peter Neuhold und Matrose Manfred Freiseder haben bei zweistelligen Minusgraden derzeit wohl einen der buchstäblich coolsten Jobs in der Stadt. Journalisten und Fotografen durften sie am Donnerstag begleiten.

Wenn "Eduard" mit seinen zwei 170-PS-Motoren Fahrt aufnimmt, heißt es sich festhalten. Das Schiff ruckelt ordentlich, während es die gefrorene Fläche durchschneidet. Das Zertrümmern macht einen Heidenlärm. Das Eis knackt und kracht, wenn es in unterschiedlich große Schollen zerbricht. Riesige Brocken sinken unter die Eisdecke, kleine Scherben werden davongeschleudert und machen dabei ein Geräusch wie ein umfallender Gläserschrank. So kraftvoll der Eisbrecher auch ist, das Manövrieren erfordert viel Gefühl - nicht nur, weil das Schiff vom Eis praktisch gegängelt wird und nicht immer genau das macht, was der Steuermann will. Die größte Gefahr bestehe darin, dass Eisschollen in die Schiffschraube kommen und sie beschädigen, erklärte Kapitän Neuhold. Er muss daher vor allem beim Wenden sehr vorsichtig sein. Rund dreimal fährt er jedes Becken ab, dreieinhalb Stunden kann es dauern, bis das Eis im gesamten Hafen zertrümmert ist. Wenn es noch kälter wird, muss die Prozedur sogar zweimal am Tag durchgeführt werden, dann ist "Eduard" praktisch im Dauereinsatz. Das Eis stellt eine Gefahr für die Schiffe dar. Es kann so starken Druck ausüben, dass beispielsweise Bullaugen bersten. Wird es dicker als 20 Zentimeter, ist aber auch der starke "Eduard" machtlos. Dann bleibt den Schiffsbesatzungen nichts anderes mehr über, als mit Motorsägen eine Schutzzone um ihre Wasserfahrzeuge freizuschneiden, um Schäden zu vermeiden. Das kommt aber nicht alle Jahre vor. "Mehrere Schichten Kleidung und eine gute Hautcreme, dann lässt es sich auch bei Minusgraden auf dem Wasser aushalten", gab Freiseder den Landratten an Bord Tipps gegen die Kälte. Ihm mache das nichts mehr aus. Das ist eben der Job. Aber auch im Sommer ist der Eisbrecher nicht ungenutzt. Da ist "Eduard" als Ausflugsschiff unterwegs und transportiert bis zu 30 Personen. Dann heißt es Sonnenöl statt Fettcreme einpacken. (APA)
(Quelle: S24)

Aufgerufen am 17.06.2019 um 04:51 auf https://www.salzburg24.at/archiv/eisbrecher-eduard-haelt-den-linzer-hafen-befahrbar-59312032

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