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EU-Parlament gedenkt Weltkriegsjahr 1914

Kommissionschef Barroso warnte vor Nationalismus Salzburg24
Kommissionschef Barroso warnte vor Nationalismus

EU-Kommissionspräsident Barroso hat beim Gedenken an den Jahrestag des Ersten Weltkriegs 2014 im Europaparlament in Straßburg vor Nationalismus gewarnt. Vor 100 Jahren habe es ein wohlhabendes und kultiviertes mächtiges Europa gegeben und ein Krieg sei damals unvorstellbar gewesen. Dennoch sei nach einem Terroranschlag die Spaltung der Völker Europas erfolgt, "die so vieles gemeinsam teilten".

Vom nationalen Standpunkt aus werde von Sieg oder Niederlage geredet, "vom einem europäischen Standpunkt aus muss man das angesichts der Millionen Opfer als europäischen Bürgerkrieg bezeichnen". Eine der wesentlichsten Lehren aus der Geschichte sei, dass "Nationalismus zu schrecklichen Kriegen führt". Dagegen gelte es, in der EU die Souveränität der Länder zu erhalten. "Es gibt nur eine gleiche Welt, einen Planeten, den wir teilen, ein Universum, und die Balance hängt von einer win-win-Situation ab, die nicht von der Logik des Nullsummenspiels ausgeht", so Barroso.

Der Kommissionspräsident forderte eine "strategische Intelligenz, damit Europa ein Garant der Sicherheit bleibt". Die Europäer müssten gemeinsam handeln. Die großen Kriege des vergangenen Jahrhunderts seien auch eine Niederlage der Mechanismen, die sich im Lauf der Zeit verzahnten. Heute gelte es, eine echte Wirtschafts- und Währungsunion aufzubauen. Darüber hinaus solle Europa eine gemeinsame Verteidigung aufbauen.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz bezeichnete den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren als "Zäsur in der Geschichte Europas". Damals seien 65 Millionen Männer als Soldaten unter Waffen gestanden und fast jeder sechste sei gestorben. "6.000 tote Soldaten gab es an jedem Tag". Dazu seien sieben Millionen Tote Zivilisten gekommen. Aus dem Ersten Weltkrieg hätten sich alle folgenden Katastrophen ergeben. Jedes Volk habe dabei seine eigenen Erfahrungen mitgenommen, es reichte von Sieg bis Niederlage, von Untergang bis nationaler Wiedergeburt. Die einzige Antwort sei die Zusammenarbeit der Völker.

Der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament, Joseph Daul, freute sich, dass trotz der Kriege der Humanismus letztlich triumphiert habe. Europa sei zwar immer noch kein Gefühl, sondern einfach nur eine Idee. Aber Europa sei ein Raum des Friedens und des Handels.

Der Vorsitzende der Sozialdemokraten, Hannes Swoboda, der wie Daul und der Grünen-Chef Daniel Cohn-Bendit seine letzte Rede im EU-Parlament hielt, warnte ebenfalls vor Nationalismus. Es bedürfe nur einiger weniger verantwortungsloser Politiker, nationalistischen Hass zu schüren, um ein friedliches Miteinander und Nebeneinander zu zerstören. Dies habe sich nach dem Attentat 1914 in Sarajevo gezeigt. Swoboda verwies auf die jüngsten Spannungen zwischen Russland und der Ukraine. "Es ist skandalös, dass einige (Abgeordnete des EU-Parlaments, Anm.) hier Sympathien für Putin erkennen lassen. Putin versucht, für Russland neue Grenzen zu schaffen und den Einflussbereich zu stärken. Die einzige Alternative ist, die EU zu stärken und besser für die Bürger zu machen".

(Quelle: S24)

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