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European Health Forum mit Ethik im Gesundheitswesen

Bad Hofgastein – Wie viel will die Gesellschaft für die Gesundheit ausgeben? In welche Forschungsprojekte soll investiert werden, in welche nicht? Mit derartigen ethischen Fragen wird sich das 11. European Health Forum Gastein (EHFG) von 1. bis 4. Oktober in Bad Hofgastein auseinander setzen.

Die Tagung steht heuer unter dem Leitthema “Werte in der Gesundheit – von der Vision zur Realität”. “Wer die aktuellen Diskussionen in der Gesundheitspolitik, egal ob auf nationaler oder europäischer Ebene, verfolgt, könnte leicht zum Schluss kommen, dass es dabei um eine rein wirtschaftliche Herausforderung zur Optimierung von Kosten und Nutzen geht”, kritisierte EHFG-Präsident Günther Leiner im Vorfeld der Veranstaltung. “Wir müssen uns wieder bewusst werden, dass es in der Gesundheitspolitik aber zuallererst um andere, nicht-ökonomische Ziele wie Lebensqualität, Patientenorientierung, Qualität und Sicherheit der Versorgung und letztlich auch um zusätzliche Lebenszeit geht. Dass dabei wirtschaftliche Zwänge und Effizienzüberlegungen zu beachten sind, ist selbstverständlich, sie dürfen aber nicht die wichtigsten Entscheidungskriterien sein.”

So allgemein anerkannt diese Prinzipien grundsätzlich sein dürften, so wenig selbstverständlich sei deren Beachtung in der Praxis. Ein Forum der Tagung mit dem Thema “Seltene Krankheiten” beleuchtet ein besonders gravierendes Problemfeld zwischen wirtschaftlichen und ethischen Überlegungen. “Für die Industrie war die Entwicklung von Behandlungsmethoden für seltene Krankheiten in der Regel bisher ökonomisch wenig interessant. Aber ist es akzeptabel, dass für diese Patientengruppen wenig getan wird, weil es sich halt nicht lohnt”, so Leiner. “Die Politik ist gefordert, hier Lösungsmodelle rasch weiter zu entwickeln, ohne aber die Investitionen in die Behandlung großer Bevölkerungskrankheiten dabei aus den Augen zu verlieren.”

Auch durchaus begrüßenswerte Tendenzen der modernen Gesundheitspolitik werfen ethische Fragen auf. So führe etwa die stärkere Betonung der Eigenverantwortung des Patienten dazu, dass in der Praxis gebildete und wohlhabendere Schichten deutlich mehr von öffentlichen Gesundheitsleistungen profitieren als andere Bevölkerungsgruppen, so der Präsident.

Bei der 11. Auflage der Tagung werden rund 600 Experten in Bad Hofgastein erwartet, die aus Politik, Gesundheitsverwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft kommen. Dieser Teilnehmer-Mix “macht das EHFG zu einer einzigartigen Plattform für die Begegnung sowie den Wissens- und Meinungstransfer zwischen den verschiedenen Interessengruppen”, so Leiner. Unter anderem werden EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou und Österreichs Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky teilnehmen.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 25.06.2019 um 01:26 auf https://www.salzburg24.at/archiv/european-health-forum-mit-ethik-im-gesundheitswesen-59600497

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