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Fall Heisler: Deutsche "Baronin" muss in Salzburg vor Gericht

Der Juwelier aus Zell am See wird seit August 2007 in Südafrika vermisst. Seine Freundin soll ihn um 835.400 Euro geschädigt haben. Am kommenden Freitag soll die Frau in Salzburg vor Gericht einvernommen werden.

Ein aufsehenerregender Prozess rund um das Verschwinden eines Juweliers aus Zell am See (Pinzgau) beginnt am kommenden Freitag am Landesgericht Salzburg. Angeklagt ist eine 55-jährige “Baronin” aus Deutschland wegen schweren Betruges, Diebstahls und Urkundenfälschung. Die Frau, die in Salzburg in U-Haft sitzt, soll den gebürtigen Wiener Friedrich Heisler (67) um 835.458 Euro gebracht haben. Im August 2007 war sie mit ihm nach Südafrika gereist, aber allein zurückgekehrt. Seither ist der Pensionist spurlos verschwunden. In Deutschland wird gegen die “Freifrau” wegen Mordes ermittelt.

Der Prozess wird mehrere Verhandlungstage in Anspruch nehmen, weitere Termine gibt der Schöffensenat (Vorsitz: Richterin Lisa Bauer) noch bekannt. Für Freitag ist nur die Einvernahme der Angeklagten geplant. Die 20 beantragten Zeugen und vier Gutachter werden zu einem späteren Zeitpunkt gehört. Der 55-Jährigen wird angelastet, sie habe durch Betrugsdelikte rund 271.000 Euro und durch Diebstähle rund 564.000 Euro an Schaden verursacht. Der Strafrahmen beträgt ein bis zehn Jahre Haft.

Die bisher unbescholtene Verdächtige, die laut Staatsanwaltschaft in früheren Jahren für die Staatssicherheit (Stasi) in der DDR gearbeitet hatte, lernte den gebürtigen Wiener im Dezember 2006 über eine Internet-Partnerbörse kennen. Ab Mai 2007 besuchte sie ihn mehrmals in Zell am See. Noch vor dem Antritt der “Überraschungsreise” am 10. August 2007 nach Südafrika soll sie ihm nicht nur 99.000 Euro für einen Porsche, sondern auch Blanko-Überweisungsbelege, eine Generalvollmacht für seine Konten in der Schweiz, weiters einen Tresorschlüssel samt Tresorkombination und seinen Autoschlüssel herausgelockt haben.

Am 11. August 2007 kam das Pärchen in Johannesburg an. Sie hielten sich zwei Nächte in den Luxushotels “Indaba” und “Hilton” auf. Drei Tage später kehrte seine damals verheiratete Freundin (sie ist mittlerweile verwitwet, Anm.) vom Urlaub zurück. Der Juwelier galt seither als verschwunden. Laut Anklageschrift hat die “Baronin” in Zell am See seine Villa geplündert und mit den erschlichenen Vollmachten rund 170.000 Euro behoben. “Zum Beweis, dass sie im Auftrag Heislers alles veräußern sollte, hat sie Urkunden gefälscht”, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft.

Vor den Ermittlern rechtfertigte die Frau die Südafrikareise damit, dass die Polizei Heisler wegen Kinderpornografie ins Visier genommen habe und er sich deshalb nach Kuba absetzen wollte. “In Südafrika sind im Fall Heisler etliche Hinweise eingegangen, die noch überprüft werden”, informierte der Salzburger Kriminalist Herbert Hanetseder, der über einen Kollegen beim Bundeskriminalamt in Wien mit dem “South African Police Service” in Kontakt steht. “Es braucht noch Zeit, bis Ergebnisse vorliegen.” In sämtlichen pathologischen Instituten werde nach unbekannten Toten gesucht.

(Quelle: S24)

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