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Falscher Polizist zu drei Monaten Haft bedingt verurteilt

Salzburg – Ein 34-jähriger Kellner gab sich im August des Vorjahres in der Stadt Salzburg als Polizist aus und wollte offenbar von einem ausländischen Pärchen, das bei Rotlicht über den Zebrastreifen ging, 35 Euro Strafe kassieren.

Eine aufmerksame Lehrerin beobachtete die gestenreiche und in englischer Sprache geführte “Amtshandlung” und zeigte den Vorfall an. Der sieben Mal einschlägig vorbestrafte deutsche Staatsbürger wurde am Donnerstag am Landesgericht Salzburg wegen “Amtsanmaßung” zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten auf Bewährung nicht rechtskräftig verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem gelernten Einzelhandelskaufmann schweren Betrug vorgeworfen. Weil die einzige Zeugin jedoch nicht eindeutig erkennen konnte, ob der falsche Polizist tatsächlich Geld forderte oder nur – wie er dem Gericht erklärte – die Touristen auf ihr Vergehen hinweisen wollte, sah Einzelrichterin Lisa Bauer vom Betrugsdelikt ab.

Dass er sich als Ordnungshüter ausgab und eine Visitenkarte mit der Dienstnummer eines ihm bekannten Polizisten herzeigte, gestand der Beschuldigte auch ein. An Details konnte er sich nicht mehr erinnern. “Ich war angetrunken, wollte aber nie Geld nehmen. Ich habe nur gesagt, das kostet 35 Euro. Ein blöde Geschichte”, lachte er die Richterin an.

Die Lehrerin meinte, der angebliche Beamte habe dem Pärchen gegenüber “sehr insistierend” gewirkt. Danach fragte sie ihn, ob die Polizei in der Festspielzeit nichts anderes zu tun habe als an der Kreuzung zu stehen und die Fußgänger abzustrafen. “Er sagte, er sei Polizist in der Rathauswache, müsse die ganze Zeit an der Ampel stehen und sei froh, wenn der Dienst vorbei ist”, erzählte die 54-Jährige. Daraufhin marschierte sie schnurstracks auf die besagte Polizeiinspektion und schilderte den Vorfall. Der Schwindel folg sogleich auf.

Bei der polizeilichen Einvernahme zog der Kellner auch noch eine Visitenkarte eines Mitarbeiters des Österreichischen Wachdienstes aus der Tasche. Das Urteil von heute nahm er an. Da er aber ohne Verteidiger gekommen war und Staatsanwältin Katharina Dirisamer keine Erklärung abgab, ist das Urteil nicht rechtskräftig. Die Richterin hat zudem die Probezeit von zwei früheren Verurteilungen von drei auf fünf Jahre erhöht. “Wenn es wieder zu ähnlichen Vorfällen kommt, droht Ihnen mindestens eine teilbedingte Haftstrafe”, warnte sie den Angeklagten, der rund 4.000 Euro Schulden und schon einige Exekutionen hinter sich hat.

(Quelle: S24)

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