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Fenninger-Manager: "Anna ist Glücksfall für Werbung"

Anna Fenninger ist derzeit hoch im Kurs. APA
Anna Fenninger ist derzeit hoch im Kurs.

Für den Manager Klaus Kärcher ist Ski-Gesamtweltcupsiegerin Anna Fenninger (24) "ein absoluter Glücksfall" für die Werbung.

Aus einem "Bauchgefühl" heraus wollte der Deutsche (55) eine Zusammenarbeit mit der Salzburgerin. Der zweifache Familienvater und studierte Veterinärmediziner arbeitet seit 35 Jahren mit Sportlern, Sitz seiner Agentur "Vitesse Kärcher" ist in Fellbach bei Stuttgart.

Viele Jahre arbeitet Kärcher auch als Fotoreporter, er lebte in Slums in Afrika und Favelas in Brasilien, um die Menschen zu begreifen und ihnen zu zeigen, dass sie genauso viel wert sind wie jeder andere. "Ich bin froh, dass ich den Sportlern als Berater etwas weitergeben kann. Wir sind nicht der Nabel der Welt. 1,3 Milliarden Chinesen interessiert es nicht, ob wir hier den Gesamtweltcup gewinnen. Wenn man dieses Gefühl beibehält, dann hebt man nie ab", sagte Kärcher im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur.

APA: Was sind die entscheidenden Zutaten, um einen Sportler in der Werbung positionieren zu können?

Kärcher: "In der Werbung sind drei Dinge unschlagbar. Es ist ein Glücksfall, wenn sie zusammenkommen. Auf den Sport bezogen sind das sportlicher Erfolg, der mediale Stellenwert der Sportart und die Persönlichkeit, zu der Charakter und Aussehen gehören."

APA: Wo liegt Anna Fenninger da?

Kärcher: "Sie ist ein absoluter Glücksfall. Sie ist eine ganz fleißige Arbeiterin. Mehr als diese Saison geht sportlich einfach nicht. Wenn mir das vor der Saison jemand gesagt hätte, dass es so ausgeht, hätte ich ihm die Füße geküsst. Die Persönlichkeit ist auch zu hundert Prozent vorhanden. Das Gesamtpaket ist für die Werbung fantastisch. Es ergeben sich auch neue Chancen auf neue Märkte."

APA: Was könnten das für Partner sein?

Kärcher: "Wir haben den Glücksfall, eine Athletin zu haben, mit der man auch frauenspezifischere Märkte erschließen kann, wie zum Beispiel Mode, Körperpflege, Kosmetik, etc. Der Sport braucht diese Gesichter. Das ist eine Riesenchance für alle. Den ÖSV, das Management, die Anna. Wobei der Sport immer im Fokus sein sollte. Es kann nicht sein, dass sie nur noch auf Werbeveranstaltungen spazieren geht. Das würde sie auch nicht machen. Sie muss sich weiterhin der Konkurrenz stellen und Leistung bringen. Wenn das in Kombination mit sportbegeisterten Partnern geschieht, ist das eine ganz tolle Zukunftsaussicht."

APA: Also kann man davon ausgehen, dass Anna im Sommer nicht von Zeltfest zu Zeltfest gereicht wird?

Kärcher (lacht): "Anna ist eine Persönlichkeit. Eine Persönlichkeit zeichnet auch aus, dass sie exakt weiß, worauf es ankommt. Das weiß Anna. Es ist nicht möglich, im Sommer 10 bis 15 Termine zu machen und dann im Winter die gleiche Leistung zu bringen. Im Sommer werden die Weltmeister des Winters gemacht. Wir müssen darauf achten, dass die Partnerschaften Qualität haben. Dass nicht zu viele Termine genützt werden müssen, um Anna Fenninger zu transportieren. Das hat sie auch nicht nötig bei dem sportlichen Erfolg. Es ist wichtig, Partner zu haben, die sie nicht durch Termine belasten, sondern die gute Werbekonzepte haben. Sie muss sich wohlfühlen und die Authentizität ist sehr wichtig. Sie wird sich zu hundert Prozent weiter auf den Sport konzentrieren. Sie ist eine leidenschaftliche Skifahrerin. Sie weiß, dass nur der sportliche Erfolg sie in diese Situation bringt."

APA: Sie haben Anna nach einem Tipp der ehemaligen Eisschnellläuferin Anni Friesinger, die ebenfalls von Ihnen vermarktet wird, nach der WM 2011 in Garmisch kontaktiert. Wie hat Anna Sie überzeugt?

Kärcher: "Ich habe sie in Garmisch gesehen. Da war mir klar, ich will auf jeden Fall ein Gespräch mit ihr führen. Das ist ein reines Bauchgefühl gewesen. Bei mir wird fast zu 90 Prozent über den Bauch entschieden. Wir haben uns in Salzburg getroffen. Für mich war sofort klar: Unsere Agentur wäre dankbar, sie betreuen zu dürfen."

APA: Was ist die Philosophie Ihrer Agentur betreffend Auswahl der Klienten und Vermarktung?

Kärcher: "Wir haben die Philosophie, dass wir aus jeder Sportart nur eine Athletin haben. Wir haben nur eine Skifahrerin, sonst sind Interessenskonflikte vorprogrammiert. Ich halte es auch gegenüber den Athleten für loyal, weil diese Athletin oder dieser Athlet dann zu hundert Prozent die Aufmerksamkeit erhält. Du musst sehr fokussiert arbeiten, um das Optimale für den Athleten zu erreichen. Anna ist sehr ehrgeizig, zielstrebig und fleißig. Sie erwartet diesen hundertprozentigen Einsatz aber auch von ihrem Umfeld. Skifirma, Servicemann, Verband. Nur wenn jeder seinen Job zu hundert Prozent erfüllt, kann das Gesamtergebnis so ausschauen wie bei Anna Fenninger."

APA: Wie spüren Sie die Resonanz auf die Erfolge von Fenninger?

Kärcher: "Ich habe schon öfter Olympiasieger miterlebt. Aber Skifahren in Österreich ist etwas ganz Wichtiges, es ist vergleichbar mit der Fußball-Nationalmannschaft in Deutschland. Natürlich ruft jetzt jeder an, das ist normal, jeder will jetzt ein Stückchen haben. Es tut mir jetzt schon leid, dass wir 99 Prozent der Anfragen schweren Herzens ablehnen müssen, weil es zeitlich nicht geht. Die fixen Partner haben den ersten Anspruch, die sind jahrelang dabei und an erster Stelle zu bedienen. Dann kann man sich andere Dinge auch noch überlegen, authentische. Vieles ist nicht umsetzbar, weil sie das nicht machen würde. Da wo Anna Fenninger drauf steht, ist auch Anna Fenninger drinnen. Auf Facebook hat sie so viele Likes, weil sie selbst die Seite betreut und die Menschen sie einfach so akzeptieren und lieben, wie sie ist. Never change a winning team."

APA: Es gibt ein Anna-Fenninger-Logo. Was ist diesbezüglich geplant?

Kärcher: "Es ist ganz wichtig, dass eine eigene Marke aufgebaut wird. Das ist die zweite Philosophie von uns. Wir versuchen, die Persönlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen und um sie herum eine Markenbildung stattfinden zu lassen. Dass sie unabhängig des kurzfristigen sportlichen Erfolges auch für die Zeit nach der aktiven Karriere weiterhin eine wertvolle Marke bleibt und eine soziale Absicherung und finanziellen Support hat."

APA: Sie haben in der Vergangenheit auch eine Rhythmische Gymnastin in Deutschland erfolgreich betreut. Kann man aus jedem einen Star machen?

Kärcher: "Einen Star zu machen, funktioniert nicht. Es gibt drei Werte, die den Wert einer Marke darstellen. Das ist der mediale Stellenwert der Sportart, der beträgt in Österreich beim Skifahren hundert Prozent. Dann der sportliche Erfolg, der ist auf die Anna bezogen auch hundert Prozent. Ebenso ist es ihre Persönlichkeit. Diese Kombination ist unschlagbar. Im Bezug auf die Rhythmische Gymnastin wurden in den drei Komponenten 0 Prozent, 60 Prozent und 100 Prozent erfüllt. Mir war klar, ich kann sie nur über die dritte Schiene vermarkten. Bei Anna sind es alle drei Schienen. Sprich, sie wird automatisch zum Star, wenn sie im Skifahren erfolgreich wird. Da muss man in Österreich nichts mehr tun, da geht es um andere Dinge. Wie wenn du in Deutschland Fußball-Nationalspieler bist. Dann bist du ein Star. Da musst du am besten nichts reden, sondern nur im richtigen Moment die Kiste reinmachen. Und dann verdienst auch noch Millionen, was im Skifahren so nicht unbedingt gegeben ist." (APA)

(Quelle: S24)

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