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Flachgauer haben beim Einkommen die Nase vorne

Salzburg -Erstmals ist der Flachgau Spitzenreiter beim Bezirks-Ranking der Einkommen. Der Flachgau liegt 5,8 Prozent über dem Salzburger Landesschnitt. Doch viel Freude kann nicht aufkommen: Auch im Flachgau frisst die Inflation die Lohnerhöhungen auf, übrig bleibt ein schmerzlicher Reallohn-Verlust.

11.000 Salzburgerinnen und Salzburger sind derzeit arbeitslos, mehr als die Hälfte davon - 5.579 Betroffene - waren allein im Zentralraum Salzburg zu zählen (der Flachgau wird vom AMS gemeinsam mit der Stadt Salzburg erhoben). Dazu verschärfen Teuerung und Inflation die Situation: Für ganz Salzburg sind die Medianeinkommen im Vorjahr zwar um 1,9 Prozent gestiegen, aber die Inflation von 3,2 Prozent frisst diesen Zuwachs auf. „Die Arbeitnehmer zahlen die bittere Zeche für jene Krise, an der sie selbst keine Schuld tragen - und das muss sich ändern“, fordert Pichler jene in die Pflicht zu nehmen, die diese Lage zu verantworten haben.

Einkommen: flachgau erstmals spitzenreiter

Der Flachgau ist nach den aktuellsten Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger beim Bezirksranking der Einkommen erstmals Spitzenreiter: 2008 betrug das Bruttodurchschnittseinkommen (14 Mal im Jahr) der Flachgauer 1.878 Euro (netto rund 1.346 Euro) und liegt damit um 5,8 Prozent über dem Salzburger Mittel von 1.775 Euro (netto rund 1.293 Euro). Ein Flachgauer Arbeitnehmer verdient also 742 Euro netto mehr im Jahr, als der Durchschnitts-Salzburger (oder 53 Euro monatlich).

Die Einkommenssteigerung betrug im Flachgau 2,1 Prozent (zweithöchste Steigerung nach dem Pongau der +2,7 Prozent verzeichnet). Aufgrund der hohen Inflation 2008 von 3,2 Prozent blieb also unter dem Strich ein realer Kaufkraftverlust für die Flachgauer Beschäftigten von 1,1 Prozent (1,3 Prozent im Salzburgschnitt).

Arbeitsmarktentwicklung: dramatik hält an

Die Dramatik der Flachgauer Arbeitsmarktentwicklung spricht für sich:

Rund 900 Personen sind derzeit über das Frühwarnsystem beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung angemeldet oder haben ihren Arbeitsplatz bereits verloren. Durch die Betriebsstilllegung des Autozulieferers TRW sind ebenfalls über 600 Personen arbeitslos geworden. In Flachgauer Betrieben arbeiten gegenwärtig rund 450 Personen in Kurzarbeit.

Insgesamt sei zu befürchten, so die Experten der Arbeiterkammer, dass diese negativen Auswirkungen noch einige Zeit erhalten bleiben.

Arbeitslosigkeit: tendenz steigend

Wie bereits erwähnt, mussten im September 5.579 Arbeitslose im Zentralraum Salzburg (inklusive Flachgau) gezählt werden. Das entspricht mehr als der Hälfte der gesamten Arbeitslosen im Bundesland Salzburg. Die Arbeitslosenzahl ist damit im Flachgau per Jahresfrist um +35 Prozent (1.445 Betroffene) dramatisch angestiegen - das ist knapp über dem Salzburger Landesschnitt von +34,4 Prozent.

Bei den Frauen stieg die Arbeitslosenzahl mit +438 Betroffenen (+22,4 Prozent) weniger stark an, als bei den Männern: +1.007 oder +46,3 Prozent!

Die negative Entwicklung im Salzburger Zentralraum zeichnete sich bereits in der zweiten Jahreshälfte 2008 ab - mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit von plus 8,8 Prozent. Es muss daher davon ausgegangen werden, dass der Trend auch heuer weiter anhält und es hier im Jahresdurchschnitt 2009 mehr als 6.000 Arbeitslose geben wird.

Für den AK-Präsidenten sind die Zahlen und Prognosen mehr als alarmierend: „Die Arbeitslosigkeit steigt, die Einkommen sinken real - diese Entwicklung muss gestoppt, muss mit aller Kraft bekämpft werden. Auch das derzeit leichte Wirtschaftswachstum reicht nicht aus, um die Krise zu überwinden. Es bedarf mehr Mut und Investitionsbereitschaft seitens der Wirtschaft und Industrie. Außerdem müssen die Konjunkturbelebungspakete endlich flächendeckend umgesetzt werden“, fordert Ak-Präsident Sigfried Pichler.

Beschäftigung: Krise spürbar

Auch bei der Beschäftigung hat sich die Wirtschaftskrise in der Flachgauer Statistik niedergeschlagen: mit einem Beschäftigungsminus von -0,9 Prozent oder 462 Personen (50.989 Arbeitsplätze im Jänner 2008; 50.527 im Jänner 2009). Vor allem die Arbeitsplatzverluste durch die Absiedlung von TRW haben die Region schwer getroffen. Allein Bergheim musste daher mit einem Arbeitsplatzrückgang von -398 Personen fertig werden.

AK-Bezirksstelle Flachgau

Insgesamt 4.453 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer suchten 2008 persönlich oder telefonisch Rat und Hilfe in der AK-Bezirksstelle Flachgau in Neumarkt. Heuer sind es mit Stand 30. September insgesamt 3.345 Beratungen.

„Spitzenreiter sind wie immer arbeitsrechtliche Belange. Bei diesen Streitigkeiten fällt auf, dass die Arbeitgeber immer weniger zu Vergleichen bereit sind, die Zahlungsmoral lässt zu wünschen übrig. Wir müssen immer öfter vor Gericht gehen, um den Arbeitnehmern zu ihren Ansprüchen zu verhelfen.“, kritisiert AK-Bezirksstellenleiter Christian Winter - und die Zahlen bestätigen ihn: 2008 wurden insgesamt 16 Klagen beim Arbeits- und Sozialgericht eingebracht, allein bis September 2009 waren es schon 29.

Stichwort Geld: Im Jahr 2008 brachte die Bezirksstelle in Neumarkt durch außergerichtliche Interventionen insgesamt rund 75.120 Euro für Arbeitnehmer herein - heuer sind es bis Ende September rund 71.450 Euro (bei 133 Interventionen).

(Quelle: S24)

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