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Frauenorden: Männer in die Pflicht nehmen

Geht es nach der Vorsitzenden der Frauenorden in Österreich, Beatrix Mayrhofer, sollten Männer bei Abtreibungen stärker in die Pflicht genommen werden. "Ich fordere eine intensive Kampagne, um den Männern ins Bewusstsein zu bringen, was das eigentlich bedeutet", sagt sie im Interview mit der APA. Die Sterbehilfe in den Verfassungsrang zu heben ist für sie nicht von höchster Bedeutung.

Die von der "aktion leben" eingeleitete parlamentarische Bürgerinitiative für eine Abtreibungsstatistik unterstützt Mayrhofer: "Ich finde es unerträglich, dass es noch immer keine Zahlen gibt. Da fürchtet man einfach die Ergebnisse, das finde ich politisch feige." Mit der in Österreich herrschenden Rechtslage hat sich die Vorsitzende der Frauen arrangiert. "Die Fristenlösung tut weh. Ich kann nicht damit leben, ich muss damit leben", sagt sie.

Vor allem die Männer würden sich bei einem Schwangerschaftsabbruch "viel zu schnell aus der Verantwortung ziehen", findet Mayrhofer. Dafür benötige es eine bessere rechtliche Absicherung der Frauen. Männliche Partner würden die Frauen oft erst in eine solche Situation "hineintreiben". "Ich habe großes Mitgefühl mit jeder Frau, die diesen Schritt setzt", so Mayrhofer.

Erst jüngst, beim Ad-limina-Besuch der Bischöfe in Rom, haben die Frauenorden Anerkennung durch Papst Franziskus für ihr Engagement gegen Frauenhandel in Österreich erhalten. Ein Prostitutionsverbot hält Mayrhofer allerdings nicht für zielführend. Die Szene würde dadurch verdrängt, Kontrollen schwieriger. "Es ist schwierig, einen vernünftigen Weg zu finden", meint sie.

Ein Ansatz im Kampf gegen den Frauenhandel müsse es sein, Asylwerbern den vollen Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Antragstellern stünden zum Zeitpunkt des Verfahrens nur drei legale Bereiche für eine Beschäftigung offen: Als Erntehelfer, in der Gastronomie und eben Prostitution. Auch schnellere Verfahren fordert Mayrhofer, die sich etwa für die Flüchtlinge in der Votivkirche stark gemacht hat. Dass Pakistan laut Innenministerium als "sicher" gilt, ist für sie nicht verständlich.

Beim Thema Sterbehilfe würde Mayrhofer "den pragmatischen Zugang bevorzugen", sagt sie. Der Umgang mit dem Lebensende müsse im Alltag gelebt werden, Pflegepersonal und Mediziner bräuchten ausreichend Zeit, um sich den Kranken zu widmen "und nicht Tabellen auszufüllen". Das Sterbehilfeverbot in den Verfassungsrang zu heben, ist für sie daher eher zweitrangig, "allerdings bin ich keine Juristin", ergänzt sie.

(Quelle: S24)

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