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Fünf Jahre nach dem Schulmassaker von Winnenden

Schule und Stadt gedenken den 15 Opfern des Amokläufers in Winnenden. APA
Schule und Stadt gedenken den 15 Opfern des Amokläufers in Winnenden.

Littleton, Erfurt, Winnenden - die Namen dieser Ort sind untrennbar verbunden mit verheerenden Massakern an Schulen. Im schwäbischen Winnenden jährt sich die kaltblütige Erschießung von einem Buben, acht Mädchen und drei Lehrerinnen zum fünften Mal.

Als Sebastian Wolf am 11. März 2009 um 9.35 Uhr in die Albertville-Realschule in Winnenden eindringt, weiß er nicht, was auf ihn zukommt. Gleich im Eingangsbereich sieht der Streifenpolizist auf einem Treppenabsatz eine dunkle Figur, dann hört er es pfeifen. Eine Kugel verfehlt seinen Kopf, er sieht die Gestalt flüchten. Hätten er und seine beiden Kollegen nicht beherzt das Gebäude gestürmt, hätte der Todesschütze Tim K. noch mehr Unheil in seiner ehemaligen Schule angerichtet. Der 15 Opfer gedenken die Schule und die Stadt am Dienstag.

Innenminister brach in Tränen aus

An dem Unglückstag vor fünf Jahren wird vielen die Grausamkeit der Tat erst deutlich, als während der Pressekonferenz in der Schulsporthalle der damalige Innenminister Heribert Rech (CDU) und Landespolizeipräsident Erwin Hetger vor laufenden Kameras in Tränen ausbrechen. Was sie gesehen haben, verschlägt ihnen fast die Sprache.

15 Menschen getötet

Denn im Schulgebäude sitzen zu diesem Zeitpunkt noch acht Schülerinnen in ihren Bänken, mit tödlichen Kopfverletzungen, ein weiterer ermordeter Schüler ist von seinem Sessel gerutscht. Eine Lehrerin liegt tot in einem Fachraum, nachdem Kugeln dessen Tür durchschlagen haben. Zwei Referendarinnen sind tot zusammengesunken im Gang, vermutlich, weil sie dort nach dem Rechten sehen wollten.

Elf Schüler sowie zwei Lehrerinnen wurden verletzt. Rech erinnert sich an die Bilder aus dem Klassenzimmer, die ihn lange nicht loslassen: "Das kann nicht sein, dass sie tot sind, dachte ich. Das war unwirklich und grausam."

Gefährliche Flucht

Doch nicht nur in der Schule wütet der 17-Jährige, auf seiner Flucht erschießt er einen Gärtner in einem Park, kidnappt einen Autofahrer, tötet schließlich in einem Wendlinger Autohaus zwei Menschen, verletzt zwei Polizisten schwer, bevor er sich selbst das Leben nahm.

Täter hatte Zugang zu einer Waffe

Nach der Tat dreht sich die öffentliche Diskussion vor allem um den Täter und seine Motive. Wie konnte in einem kleinen Ort in der schwäbischen Provinz ein unauffälliger junger Mann eine solch unfassbares Verbrechen begehen? Am Anfang aller Erklärungsversuche steht sein Zugang zu einer Waffe, einer Beretta, mit der er schon im Sportschützenverein seines Vaters trainiert hatte. Diese Waffe hatte der Vater im Kleiderschrank unverschlossen deponiert, wofür er wegen Verstoß gegen das Waffengesetz zu eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung verurteilt wurde. Die Munition lagerte im Nachtisch. Tim K. führte zu Beginn des Amoklaufs 285 Kugeln mit sich.

In psychiatrischer Behandlung

2008 war Tim K. in psychiatrischer Behandlung und hatte unter anderem von Hass und Tötungsfantasien gesprochen. Zum sicherlich nie vollständigen Puzzle gehört auch, dass der Sohn eines Unternehmers geradezu süchtig nach Computer-Ballerspielen und ein Waffennarr war. Allerdings wurde er in seiner neuen Schule, einer kaufmännischen Privatschule, nicht als isoliert oder introvertiert wahrgenommen.

Opfern ein Gesicht verleihen

Die Angehörigen der Opfer warnten davor, den Täter in den Fokus zu rücken. "Drehen wir den Spieß um, indem wir den Opfern ein Gesicht verleihen", meinte Gisela Mayer, Mutter einer der ermordeten Pädagoginnen. Mayer und andere Eltern bilden das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden. Es setzt sich für ein Verbot großkalibriger Waffen für Privatpersonen ein und für schärfere Vorgaben bei Computerspielen - beides unerfüllte Forderungen.

(APA)

(Quelle: S24)

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