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Fulminanter Auftakt: Salzburg Biennale startet ausverkauft

Salzburg-Stadt – Es dürfte sich also lohnen, dass die Stadt Salzburg, das Altstadt-Marketing, das Land und einige andere Geldgeber ihre Kräfte gebündelt und in ein neues Festival für Neue Musik investiert haben.

Die erste Salzburg Biennale läuft seit gestern, Freitag, Abend, und schon beim Eröffnungskonzert war das rund 350 Zuschauer fassende Große Studio der Salzburger Musikuniversität Mozarteum restlos ausverkauft.

“Wahlverwandtschaften” ist der Titel der ersten Salzburg Biennale an vier langen Wochenenden im März. Dabei trifft die Musik der vier Komponisten Beat Furrer, Steve Reich, Toshio Hosokawa und Klaus Huber auf die Volksmusiken der Länder Spanien, Bali, Japan und Arabien. Der erste Durchgang mit seinen sieben Konzerten ist also hauptsächlich dem Schweizer Furrer und dem Flamenco gewidmet. Eröffnet wurde die Salzburg Biennale allerdings mit “Cripta. Musica para Luigi Nono”, einer Komposition von Mauricio Sotelo nach Gedichten von Federico Garcia Lorca.

Sotelo brachte das Konkrete und das Abstrakte in dieser vom OENM und dem Bachchor unter der Leitung Furrers sehr gut einstudierten Komposition verblüffend organisch unter einen Hut: Er baute den traditionellen Flamenco-Gesang in sein knapp einstündiges Werk für Streicher, Bläser, Klavier, Schlagwerke und Chor ein und vermischte die orchestralen, luftig schwebenden Klangexperimente mit verbindlichen, erdigen Rhythmen aus Spanien. Cajon (Schlaginstrument in Form einer Holzkiste) und Tabla (eigentlich indische Trommel, Anm.) sorgten für stabile Tempi, und darüber schlugen viele Unisono-Passagen von Singstimme und Geige eine schnurgerade Brücke zwischen andalusischer Erde und dem Schreibtisch der Musikakademie.

Im zweiten, ebenso ausverkauften Konzert des Abends demonstrierte Arcangel (übers.: Erzengel) die traditionelle südspanische Gesangskunst pur. Dramatisch, leidenschaftlich und zugleich ein wenig naiv – “Gran Cante” wie er eben ist. Fast taktlos schwebende Metrik mit Gitarre, Cajon und Tschembe (afrikanische Trommel), die plötzlich mit maximaler Bissigkeit auf den Punkt kommt. Rhythmisch komplex und atemberaubend präzis. Arcangel und seine Begleiter, der virtuose Gitarrist Miguel Angel Cortes, der Schlagwerker Agustin Diaz Sera sowie die Brüder Antonio und Manuel Saavedra (Chor und das typische Händeklatschen), zogen das Publikum hinein in den Sog des Flamenco und seiner kammermusikalischen Inbrunst.

Hans Landesmann, der alte Fuchs unter den Kuratoren zeitgenössischer Musik, hat mit Volksmusik und ihrer Wirkung auf zeitgenössische Komposition gleich am Anfang dieses neuen Festivals einen Volltreffer gelandet. Wenn das Publikum weiterhin so mitgeht (und von den Künstlern auf den Bühnen weiterhin so inspiriert nach Hause geschickt wird), dann sollte der teuren und durchaus riskanten Salzburg Biennale ein langes Leben im Salzburger Konzertkalender beschieden sein.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 16.05.2021 um 11:06 auf https://www.salzburg24.at/archiv/fulminanter-auftakt-salzburg-biennale-startet-ausverkauft-59614768

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