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Gabi Burgstaller darf weiterregieren

Gabi Burgstaller kann fürs erste durchatmen: Mit einem voll auf ihre Person zugeschnittenen Sympathiewalkampf hat die 45-jährige SP-Chefin die rote Mehrheit in Salzburg verteidigt.

Zwar ist der Vorsprung auf die ÖVP stark zusammengeschrumpft. Sollte VP-Chef Wilfried Haslauer bei den Koalitionsverhandlungen nicht doch noch die schwarz-blaue Karte spielen, sind der gebürtigen Oberösterreicherin weitere fünf Jahre als Landeshauptfrau aber wohl nicht mehr zu nehmen.

“Am 1. März Gabi wählen” hat die SPÖ in ganz Salzburg plakatiert und damit voll auf Burgstallers Persönlichkeitswerte gesetzt: Die Landeshauptfrau sparte inhaltliche Positionierungen weitgehend aus, erklärte ihre Leutseligkeit zum Programm und die ÖVP musste zur Kenntnis nehmen, dass selbst eigene Funktionäre mitunter “die Gabi” sagten, wenn sie die gegnerische Frontfrau meinten.

Inhaltlich gilt Burgstaller als pragmatisch und nicht gerade als Vertreterin des linken Flügels der SPÖ. Unübersehbar auch ihr Bemühen (nicht nur im Wahlkampf) bürgerliche Wähler nicht unnötig vor den Kopf zu stoßen: Sie schickte versöhnliche Signale an Selbstständige, strich ihre Herkunft aus einer VP-nahen oberösterreichischen Bauernfamilie bewusst hervor und schloss (anders als noch im Wahlkampf 2004) eine Koalition mit der FPÖ nicht aus.

Dabei gilt der Pragmatismus der Landeshauptfrau ihren Kritikern durchaus als Schwäche: Sie verweisen darauf, dass Burgstaller nach dem Wirbel um die Öffnung einer Landesklinik für Abtreibungen 2004 (die ÖVP drohte mit Koalitionsbruch, die Kirche ging auf Konfrontationskurs) keine ideologische Duftmarken mehr zu setzen wagte. Und ob der durch sprudelnde Steuereinnahmen finanzierte rot-schwarze Konsenskurs der vergangenen Jahre auch unter den Vorzeichen knapper Kassen und härterer Verteilungskämpfe fortgesetzt werden kann ist fraglich.

In der SPÖ galt Burgstaller lange als Personalreserve für bundespolitische Weihen, Ex-Finanzminister Rudolf Edlinger schwärmte gar vom “größten politische Talent, das wir haben”. Trotzdem lehnte sie einen Wechsel nach Wien stets ab und ging wenn nötig in scharfe Opposition zum Bund. Höhepunkt: Als im Juni 2008 die Popularität von Kanzler Alfred Gusenbauer in den Keller rasselte und die Umfragewerte der SPÖ österreichweit absackten verzichtete sie demonstrativ auf ihren Posten als Vizeparteichefin – das öffentliche Halali auf den wenig später abgesetzten Gusenbauer war eröffnet.

Geboren wurde Burgstaller am 23. Mai 1963 in Penetzdorf/Niederthalheim bei Schwanenstadt in Oberösterreich. Seit 2003 ist sie mit dem Salzburger Rot-Kreuz-Chef Anton Holzer verheiratet. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde sie – nach ihrem Jus-Studium und zwei Jahren als Assistentin an der Universität Salzburg – 1989 als Aufdeckerin des WEB-Skandals, bei dem 25.000 Salzburger um 170 Mio. Euro geprellt wurden. Die frisch gebackene AK-Juristin erstatte Anzeige gegen die Manager des Bautreuhand-Imperiums und machte sich als Vertreterin der geschädigten Anleger einen Namen. Fünf Jahre später ging sie in die Politik und zog 1994 gleich als Klubobfrau der SPÖ in den Landtag ein.

Im April 1999 wechselte Burgstaller in die Landesregierung. Zwei Jahre später folgte sie Gerhard Buchleitner an der Spitze der Salzburger SPÖ und wurde Landeshauptmann-Stellvertreterin. Mit dem Wechsel zur Nummer 1 in der SP-Regierungsmannschaft entledigte sie sich jener Ressorts, die viel Arbeit aber wenig Ernte versprachen (Verkehr, Bauen), tourte als Gemeindereferentin unermüdlich durch Salzburg und konnte bereits mit ausgezeichneten Persönlichkeitswerten in den Wahlkampf 2004 starten.

Der Rest ist Geschichte: Am 7. März wurde Burgstaller mit der SPÖ erstmals zur stärksten Kraft im bis dahin als schwarzes Kernland geltenden Salzburg und hat diese Position am Sonntag – zwar mit deutlich geringerem Vorsprung, aber doch – verteidigt.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 13.05.2021 um 06:18 auf https://www.salzburg24.at/archiv/gabi-burgstaller-darf-weiterregieren-59614774

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